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"Letzte Generation" legte BER lahm: "Kann doch echt nicht sein!" Klima-Kleber schocken mit Flughafen-Aktion

Wegen Klimaaktivisten musste der Flugbetrieb am BER unterbrochen werden. Bild: picture alliance/dpa | Carsten Koall

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Die sogenannten Klima-Kleber der Letzten Generation haben am Donnerstagabend den Berliner Flughafen BER für fast zwei Stunden lahmgelegt.Nach Angaben der Bundespolizei verschafften sich zwei Gruppen bestehend aus jeweils mehreren Menschen am Nachmittag Zugang zum Flughafengelände.Einige von ihnen hätten sich am Boden festgeklebt. Die Gruppe selbst teilte mit, dass einige Aktivisten mit Fahrrädern über das Gelände gefahren seien. Im Netz sorgte der Protest für große Empörung. Wie konnte das passieren?

Letzte Generation legt Flughafen BER mit Protestaktion lahm

Die Klima-Aktivist:innen durchknipsten kurz nach 16 Uhr einen Zaun und gingen auf das Flughafengelände. Ihre Aktion streamten sie live bei Twitter. Anschließend hielten sie Banner in die Kamera und erklärten ihre Motive. Es war auch zu sehen, wie sich Aktivisten mutmaßlich am Boden festklebten und andere Fahrrad fuhren. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Aktion war im Livestream Blaulicht zu erkennen, wenig später waren auch Polizisten zu hören.

Das Video vom Protest am BER wurde auch auf YouTube hochgeladen, inzwischen aber wegen eines Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen wieder entfernt.

Klimaaktivisten verschafften sich Zutritt zum Flughafengelände

Der Hauptstadtflughafen BER musste den Flugbetrieb daraufhin einstellen. Das teilte ein Sprecher des Berliner Flughafens am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" seien offenbar an zwei Stellen auf das Flughafengelände gekommen, sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite. Daher wurden beide Pisten gesperrt. Zunächst hatte der Flughafen keine Einschränkungen für den Flugbetrieb gemeldet.

Start- und Landebahnen am BER wieder freigegeben

Auf der Homepage des BER wurden mit Stand 17.30 Uhr erste Flüge mit Verspätungen ausgewiesen. Auf der Internetseite Flightradar war zudem zu erkennen, dass einzelne Flieger unweit des BER kreisten beziehungsweise Flugzeuge mit früheren Abflugzeiten noch am Boden waren. Landungen wurden umgeleitet, zahlreiche Flieger konnten nicht pünktlich starten.Durch die Blockade mussten fünf Starts gestrichen werden, weitere Streichungen sind dem Flughafen zufolge möglich (Stand 19 Uhr). 15 geplante Landungen wurden demnach etwa nach Leipzig und Dresden umgeleitet. Die Verspätungen im Flugbetrieb ziehen sich voraussichtlich über den Abend hin. Die Lage in den Terminals selbst war den Angaben zufolge ruhig.

Nach Angaben der Bundespolizei dürften mehrere Straftatbestände vorliegen. Später wurden beide Start- und Landebahnen am Hauptstadtflughafen BER nach der Störung durch die Klimaaktivisten wieder freigegeben. Das teilte ein Flughafensprecher der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend mit.

Nach der Aktion nahm die Polizei mehrere Menschen in Gewahrsam. Gegen die Klimaaktivisten werde Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung erstattet, teilte das Polizeipräsidium Brandenburg auf Anfrage mit. Nähere Details, etwa zur Zahl der beteiligten Personen, gab es zunächst nicht.

Twitter-Nutzer entsetzt von Protest der Gruppe "Letzte Generation"

Mit großer Kritik wurde auf die erneute Protestaktion der "Letzten Generation" auf Twitter reagiert. "Aktivisten? Früher nannte man das Terrorrismus. Mir stellt sich die Frage, wie sind die "Aktivisten" auf das Rollfeld des BER gekommen? #BER scheint sehr "sicher" zu sein. Im Ausland lacht man sich nur noch schlapp über das arme Deutschland. Täglich grüßt ein Armutszeugnis aus", hieß es in einem Kommentar. "Langsam hört der Spaß auf #LetzteGeneration wer sich auf einem Flughafen festklebt gefährdet das Leben andere was ist mit einer Notlage ?", fragt ein anderer. "Nachdem was heute am #BER gelaufen ist, kann ich nur sagen die #LetzteGeneration ist echt das Letzte, das Allerletzte!", meint eine weitere Userin.

Es gibt aber auch Kritik an den offenbar unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen des BER. "Kann doch echt nicht sein. Wenn diese Vollpfosten von #dieletzteGeneration das schaffen in den Sicherheitsbereich des #BER einzudringen — bis aufs Rollfeld —& den Flugverkehr lahm legen, wer kann denn da wohl noch einfach rein und raus spazieren? Sicherheitspolitisches Desaster", heißt es in einem weiteren Tweet. "Wenn Hinz und Kunz so einfach auf das Rollfeld kommen um dort ihren Schabernack zu treiben, erfüllt der BER offensichtlich nicht die Mindestsicherheitsstandarts eines internationalen Flughafens.", schreibt ein anderer.

So reagiert die Politik

Bundesinnenministerin Nancy Faeser sprach von einer "erneuten Eskalation". "Diese Aktionen zerstören wichtige gesellschaftliche Akzeptanz für den Kampf gegen den Klimawandel", sagte die SPD-Politikerin. Für den Flughafenverband ADV teilte eine Sprecherin mit, es fehle jedes Verständnis für die Protestaktionen. "Es ist nicht hinnehmbar, wenn die Sicherheit des Luftverkehrs gefährdet wird."

Bundesverkehrsminister Volker Wissing kritisierte das Vorgehen der Aktivisten scharf. Das Demonstrationsrecht sei zwar ein Grundrecht, doch die Aktionen würden "immer skrupelloser", teilte der FDP-Politiker am Abend über eine Sprecherin mit. "Die Gesellschaft kann ein solches Verhalten nicht hinnehmen." Der Rechtsstaat müsse dagegen "entschieden vorgehen".

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen sagte, dass die Aktion durch nichts zu rechtfertigen sei. "Ich bleibe dabei: Wer für seine Weltanschauung absichtlich andere in Gefahr bringt, ist kein Aktivist, sondern ein Krimineller", so der CDU-Politiker. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sprach von einer "neuen Eskalation". "Mit dem Eindringen in den Sicherheitsbereich und der Besetzung des Rollfeldes bringen sie nicht nur sich, sondern auch Hunderte Passagiere in der Luft und am Boden massiv in Gefahr und verursachen nebenbei erhebliche wirtschaftliche Schäden. Das ist absolut inakzeptabel und bedarf einer harten Antwort des Rechtsstaates."

Katja Mast, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD im Bundestag, betonte: "Unsere Demokratie funktioniert nicht so, dass ich meine Ziele im Namen der guten Sache mit jedem Mittel durchsetzen kann." Eine Flughafenblockade sei kein legitimes Mittel. "Sich dafür in den Sozialen Medien abzufeiern, schadet dem Anliegen insgesamt."

Mehrheit der Deutschen hält Proteste der Gruppe "Letzte Generation" für kontraproduktiv

Die Aktivisten der Gruppe hatten in den vergangenen Wochen immer wieder den Straßenverkehr blockiert, sich an Gemälden in Museen festgeklebt und in dieser Woche in der Hamburger Elbphilharmonie an einem Dirigentenpult - um Aufmerksamkeit auf die Folgen des Klimawandels zu lenken. Sie ernteten für diese Aktionen bereits viel Kritik. In einer Umfrage hielten 86 Prozent der Befragten die Proteste für kontraproduktiv.

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/news.de/dpa