Panorama

Sexspielzeug: Zauberstunde mit der Dildofee

Dildos und Vibratoren aus dem Repertoire der Fee, daneben bietet sie Kamasutra- und Wohlfühlprodukte an. Bild: news.de

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Sie kichern. Das ist klar. Anfangs erst verhalten. Aber mit jedem farbenfrohen Produkt, das Petra Zwanzig auf den Couchtisch im Wohnzimmer zaubert, kichern sie gelöster. Vielleicht liegt das auch am Sekt. Oder an den süßen Düften, die sich nach und nach im Raum ausbreiten und die «Oil of love» oder «Treasures of the Ocean» heißen.

Sieben Frauen haben sich an diesem Abend getroffen. Um Petra Zwanzig zuzuhören, Dildofee und Erfinderin einer Geschäftsidee, die inzwischen deutschlandweite Beliebtheit erfährt. Feen nennen sich alle Frauen die Produkte für Petra Zwanzig präsentieren. Mehr als 2200 schwärmen im Land, täglich werden 63 Dildopartys in Deutschland veranstaltet. Andere treffen sich, um sich über die neuesten Trends in Sachen Frischhalte-Aufbewahrungsboxen zu informieren. Die Dildofeen stellen den Partygästen Sexspielzeug vor.

Nach System. «Anfangs zeige ich die einfachen Dinge, nach und nach wird es professioneller und technischer», so beschreibt es Petra Zwanzig. Aufgebaut hat sie alle ihre Schätze auf einem Bügelbrett, verborgen unter tiefblau-golden gemustertem Tuch zieht sie sie hervor.

Die kleine Raupe Nimmersatt zum Beispiel ist ein niedlicher kleiner Dildo mit freundlichem Gesicht. «Anfängergeeignet», sagt die Dildofee. Die kleine Raupe gibt’s in verschiedenen Farben. «Fasst mal an», sagt Petra Zwanzig und die kleine Raupe dreht ihre Runde, von Frauenhand zu Frauenhand rund um den Couchtisch. Dicht gefolgt von Dildo Paul und einem lieb grinsenden Produkt in Delfinform. Vibratoren und Dildos ohne Gesicht gibt es auch, bunt sind sie aber alle. Fleischfarbenes hat Petra Zwanzig grundsätzlich nicht im Repertoire. «Der Partner soll das ja nicht als Konkurrenz empfinden.»

Die Damen sitzen entspannt auf dem Korbsofa mit erdbeerfarbenem Polster. In Sachen Sexspielzeug bringen sie unterschiedliche Erfahrungswerte mit. Sandra* gibt freimütig zu, keine Ahnung zu haben. «Ich schau mir das jetzt nur Mal an.» Sophie* dagegen findet die Show «anfängermäßig». Das was die Fee erzählt, weiß sie längst, Dildos und Vibratoren sind nicht dasselbe. Vibratoren haben einen Motor, normalerweise mit einem Vibrationsregler. Sophie weiß, was ihr wichtig ist: «So ein Teil muss unbedingt badewannentauglich sein.»

Ines* ist die Älteste in der Runde der ansonsten 20- bis 30-Jährigen. Eine Frau in den besten Jahren. Sie sagt, beim Sex sei ihr das Zwischenmenschliche wichtig: «Rein technisch gesehen, kommt ein Mann gegen so ein Gerät  ja gar nicht an.»

Petra Zwanzig sieht wirklich aus wie eine Fee, in schwarzem Kleid mit blonden Locken und großen runden Augen. Außer Dildos und Vibratoren hat sie Kamasutra-Produkte mitgebracht: Betörend meerblauen Badezusatz beispielsweise, Body-Painting-Farbe mit Geschmack, Kerzen, deren Wachs die Haut nicht verbrennt, sondern sich angenehm warm anfühlt oder Gel, das jede Körperstelle weich anfühlen lässt. «Auch geeignet für den Hoden eures Partners», informiert die Dildofee.

Alle Produkte sind zum Ausprobieren, - an Armen, Händen und im Gesicht. Vibratoren summen auf Nasenspitzen –, «da bekommt ihr eine Vorstellung, wie sich das anfühlt». Die Vibrationsstärke ist verstellbar. «Von ‹ganz sanft› bis zu ‹das braucht überhaupt keine Frau›», stellt Sophie fachmännisch fest.

Alles was Petra Zwanzig sagt, ist ruhig, sie informiert sachlich und niemals unterhalb der Gürtellinie. Eben das ist der Grundgedanke ihrer Idee. «Frauen sollen einen Raum bekommen, wo sie sich in Ruhe über Sexprodukte informieren können. Sexshops sind oft sehr auf Männer ausgerichtet. Da ist das selten möglich.»

Vor neun Jahren haben sich Petra Zwanzig und ihr Mann mit der Idee selbstständig gemacht. Inzwischen ist aus der Dildofee längst die Managerin eines gutgehenden Unternehmens geworden. «Die Serie Sex and the City hat mir dabei sehr geholfen, seit sie ausgestrahlt wird, gehen die Frauen hier lockerer mit dem Thema um.» Inzwischen vertreibt die Dildofee hauseigene Produkte. Ihre größte Neuheit hat sie an diesem Abend mitgebracht: Toy Boy. Ein Vibrator den Frauen für Frauen entwickelt haben: Schickes zweifarbiges Design, badewannentauglich, die Vibrationsstärke kann durch einen Drehregulator sehr einfach eingestellt werden.

Frauen jeden Alters bestellen sich die Feen zu sich nach Hause. «Die älteste Frau, der ich etwas verkauft habe war 84», erzählt Petra Zwanzig. Die Dame wollte unbedingt bei der Dildoparty ihrer Enkelinnen dabei sein.

Die Partys sind kostenlos. An dem Verkauf nach der Show werden die Feen prozentual beteiligt, sie bekommen zwischen 20 und 36 Prozent. Der Durchschnittsumsatz liegt bei 400 Euro. Manche Feen verkaufen an einem Abend für 600 bis 800 Euro. «Besonders in Regionen, die sehr katholisch sind, läuft das Geschäft gut», weiß Petra Zwanzig.

Die Bestellung nehmen die Feen mit jeder Frau einzeln auf. Hinter verschlossener Tür in einem Nebenzimmer der Wohnung, im Bad oder sogar auf dem Gang. Der Diskretion wegen. «Die Frauen sollen ihre Vorlieben nicht in der Runde posaunen müssen. Das würde auch nicht funktionieren», sagt die Dildofee.

Manchmal scheint das auch anders zu sein. Während Petra Zwanzig an diesem Abend mit der ersten Dame spricht, diskutieren Sandra, Ines und die anderen über die Produkte und ihre Vorlieben. Lieber ein Öl für die Romantik oder einen verspielten Grinsedildo oder einen schick designten Vibrator?

Sie reden. Kaufen wollen sie nicht unbedingt etwas. Aber das beunruhigt die Fee nicht. Denn aus Erfahrung weiß sie: Mit leerem Bestellschein ist sie noch nie nach Hause gegangen.

*Namen von der Redaktion geändert

iwe/news.de