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Partnerschaften: Das Kribbeln zurückholen

Frisch verliebt zu sein, fühlt sich gut an. Bild: ddp

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Nach langen Beziehungsjahren sind vom Gefühlsfeuerwerk meist nur noch die Rauchschwaden übrig und so manches Paar wünscht sich, noch einmal den Rausch einer jungen Liebe miteinander zu erleben. «Man kann die elektrisierenden Emotionen aus der ersten Verliebtheitsphase innerhalb einer Beziehung nicht noch einmal heraufbeschwören», sagt Mathias Voelchert, Paarberater aus München. Es sei ein normaler Prozess, dass sich die stark hormongesteuerte Aufregung schon bald nach Beginn einer Beziehung lege.

Das bedeutet jedoch nicht, dass man in einer langjährigen Partnerschaft auf jegliches Kribbeln verzichten muss. «Spannung entsteht durch Veränderung. Wenn man neue Wege beschreitet, kann man auch seinen Partner neu entdecken», sagt der Autor des Buches «Chancen verlieben sich». Anstatt den Abend vor dem Fernseher zu verbringen, sollten Paare deshalb aus der Routine ausbrechen und gemeinsam etwas Ungewohntes unternehmen. So erlebe man seinen Partner einmal ganz anders und bekomme eine neue Perspektive auf den Menschen an seiner Seite.

«Um die Liebe jung zu halten, sollte man darauf achten, dass man seinem Partner immer ein bisschen fremd bleibt. Wenn man alles voneinander weiß, ist das zwar kuschelig - aber langweilig», sagt die Diplompsychologin Friederike von Tiedemann aus Ebringen bei Freiburg. Paare, die ihre Gemeinsamkeiten sehr betonten und alles gemeinsam machten, gerieten schnell in einen wenig prickelnden Alltag.

Um dies zu vermeiden, empfiehlt sie Paaren beispielsweise, sich getrennte Zimmer einzurichten. «Jeder sollte seinen eigenen Raum haben, den er selbst gestaltet und in den er sich zurückziehen kann», sagt die Autorin des Ratgebers 13 Stolpersteine der Liebe. Auch getrennte Betten könnten eine Möglichkeit sein, wieder mehr Spannung in die Beziehung zu bringen. «Wenn man den Partner einlädt, heute Nacht doch einmal gemeinsam in einem Bett zu übernachten, ist das ein anderes Gefühl, als wenn man abends aus Gewohnheit in das Ehebett fällt», sagt von Tiedemann.

Auch das intensive Bemühen um den anderen könne einer langjährigen Beziehung wieder Schwung geben. «Ich rate den Paaren in meiner Sprechstunde gerne, sich gegenseitig mal wieder einzuladen und sich so zu verhalten wie Gast und Gastgeber», sagt von Tiedemann. Abwechselnd gestalte einer der Partner beispielsweise einen Abend für den anderen. «Bei solchen Gelegenheiten wird man in die Welt des Partners mitgenommen», sagt von Tiedemann.

Manchen Paaren helfen kleine Rollenspiele dabei, immer wieder Spannung in ihren gemeinsamen Alltag zu bringen. «Die Partner können beispielsweise vereinbaren, dass sie getrennt voneinander in ein Café gehen und so tun, als ob sie sich dort gerade kennenlernen», sagt von Tiedemann. Auf diese Weise könne man auch die Erinnerung an die erste Zeit der gemeinsamen Liebe wieder aufleben lassen. «Es tut gut, sich diese positive Atmosphäre ins Gedächtnis zu rufen», sagt von Tiedemann. So könne man beispielsweise ein Wochenende dort verbringen, wo man als junges Paar glückliche Tage verlebte, eine Reise aus früheren Tagen wiederholen oder mal wieder miteinander telefonieren, obwohl man inzwischen zusammenlebt.

Mathias Voelchert empfiehlt Paaren jedoch auch, sich auf die Vorzüge ihrer langjährigen Zweisamkeit zu konzentrieren. «Bequemlichkeit ist schließlich auch eine Qualität, nicht nur Ballast», sagt Voelchert. Der große Vorteil einer langjährigen Beziehung sei, dass man vor dem Partner seine intimsten Ängste und Hoffnungen preisgeben könne. «Wenn man sich dessen bewusst wird und tiefer in die Beziehung zu seinem Partner geht, kann man ein ganz anderes, intensives Liebesgefühl erleben», sagt Voelchert.

Gemeinsam Zeitung lesen, gemeinsame Mahlzeiten, wöchentliche Kochabende - solche wertvollen Momente eröffneten die Möglichkeit, über wichtige Themen zu sprechen. Dazu gehörten beispielsweise Pläne für die Zukunft, ein Lebenstraum, eine lange gewünschte Auslandsreise. «So eine Intimität kann man in der aufregenden Anfangsphase einer Beziehung nicht teilen», sagt Voelchert.

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iwe/jan/news.de/ddp