Offizielles Drug-Checking: Schleswig-Holsteins Drogen-Tests sind ein längst überfälliger Schritt
Beim Drug-Checking können Konsumenten Drogen in allen Formen testen lassen - von Tabletten über Pulver bis hin zu Flüssigkeiten. Bild: picture alliance/dpa | Philip Dulian
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
05.06.2026 13.57
- Drug-Checking wird in Schleswig-Holstein an offiziellen Prüfstellen erprobt
- Dabei geht es darum, dass Konsumenten ihre Drogen auf Verunreinigungen prüfen lassen
- Werden die Substanzen geprüft, lassen sich Gefahren für die Konsumenten eher erkennen
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3,7 Prozent aller Deutschen von 18 bis 64 Jahren haben in den vergangenen 12 Monaten illegale Drogen konsumiert - klingt nach wenig, entspricht aber immerhin rund 1,9 Millionen Erwachsenen. Unabhängig davon, wie man zu illegalen Drogen steht, konsumieren Menschen sie. Einige bezahlen dafür mit ihrer Gesundheit – oder sogar ihrem Leben. Wer diese Realität anerkennt, muss sich fragen, welche Maßnahmen Schäden tatsächlich verringern können. Drug-Checking, wie es in Schleswig-Holstein nun getestet werden soll, gehört klar dazu.
Über 2.000 Tote pro Jahr - so tödlich ist der Rauschgift-Boom
Ein Blick auf die Zahlen reicht, um festzustellen: Deutschland hat ein massives Problem. Besonders in den Corona-Folgejahren stiegen die Drogentoten massiv an. Sind 2019 noch 1.398 Personen an den Folgen illegalen Rauschgifts gestorben, wurden in der Statistik für 2024 insgesamt 2.137 Tote gezählt. Das sind etwa sechs Tote pro Tag. Besonders junge Menschen fallen den Substanzen häufig zum Opfer -im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Drogentoten unter 30 Jahren dem Bericht zufolge um etwa 14 Prozent gestiegen.
Kurzum: Der Drogenkonsum erlebt gerade einen tragischen Boom. Entsprechend wichtig sind nun Maßnahmen, die dazu beitragen, Risiken zu verringern und Konsumenten aufzuklären. Beim Drug-Checking, wie es nun in offiziellen Prüfstellen in Schleswig-Holstein getestet werden soll, können die Konsumenten ihre Drogen auf gefährliche Verunreinigungen oder extreme Wirkstoffkonzentrationen prüfen lassen. Sinn dahinter ist, diese zu erkennen, um den Schaden durch die Drogen zu verringern, beispielsweise, indem Substanzen mit Verunreinigungen nicht mehr konsumiert werden.
Aufklärung ist keine Einladung zum Konsum
Ein häufiger Einwand gegen die legal mögliche Prüfung von Drogen ist, dass Drug-Checking geradezu eine Einladung zum Konsum sei. Der gleiche Einwand wird auch gegen Konsumräume und andere schadensreduzierende Maßnahmen eingebracht. Aber: Information und Beratung sind keine Zustimmung - wer konsumiert, tut dies immer noch aus anderen Gründen.
Es gilt wie bei allen Themen zur Gesundheitsvorsorge: Aufklärung soll Risiken reduzieren, nicht Verhalten fördern. Schließlich behauptet auch niemand, dass Sicherheitsgurte zu riskantem Autofahren verleiten würden. Ebenso wenig bedeutet Drug-Checking eine Empfehlung zum Konsum.
Warum sich Drug-Checking für das Gesundheitssystem lohnen kann
Zudem ist das Angebot oft ein erster Berührungspunkt mit professioneller Beratung. Langfristig kann Drug-Checking so dazu beitragen, problematischen Konsum zu reduzieren. Für die Gesellschaft würde das weniger Vergiftungen und Notfälle, Rettungswagen-Einsätze und Tote bedeuten. Das würde auch das Gesundheitssystem entlasten - und gleichzeitig bessere Daten über gefährliche Stoffe auf dem Schwarzmarkt liefern. Wenn gefährliche Chargen früh erkannt werden, profitieren nicht nur die Konsumenten, sondern es ergibt sich auch ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen.
Sicher, Drug-Checking wird sich nicht als Allheilmittel erweisen - und es ersetzt weder Prävention noch Strafverfolgung. Dennoch kann es als ergänzende Maßnahme Leben retten und Schäden verringern. Eine verantwortungsvolle Drogenpolitik kann und sollte sich nicht an Wunschvorstellungen orientieren - das Wichtigste ist die Frage, wie Menschen bestmöglich geschützt werden können. Nicht zuletzt deshalb verdient Drug-Checking eine faire Chance.
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