Gesundheit

Drogen, Psyche, Schmerzen: Jeder Dritte lügt beim Arzt - warum das gefährlich werden kann

Wer in der Sprechstunde lügt, riskiert gesundheitliche Schäden durch eine falsche Behandlung. Bild: AdobeStock / Monkey Business

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  • Etwa ein Drittel aller Patienten in Deutschland lügt Ärzte an
  • Besonders aufgrund von Schamgefühlen wird häufig gelogen
  • Wer Mediziner anlügt, riskiert ernsthafte gesundheitliche Probleme

Mehr zu aktuellen Erkenntnissen in der Medizin finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Ärzte sowie Eltern kennen das Problem: Bei Fragen nach Alkohol, Zigaretten und Alkohol wehren Jugendliche fast schon reflexartig ab - klar, die Teenies wollen sich ja keinen Ärger einhandeln. Doch auch im Erwachsenenalter verschweigt etwa jeder Dritte wichtige Informationen, die Mediziner bei der Behandlung eigentlich berücksichtigen müssten. Warum das sogar tödlich enden kann, erklären wir Ihnen hier.

Jeder Dritte lügt - obwohl er die Risiken kennt

Etwa jeder Dritte Patient lügt – das zeigt eine Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des digitalen Gesundheitsdienstleisters Doctolib, wie die "Bild" berichtet. Bei 18- bis 24-Jährigen ist es sogar fast jeder Zweite. Interessant ist, dass 87 Prozent der Betroffenen die möglichen Folgen sogar kennen: Dazu zählen unter anderem falsche Diagnosen, unnötige Behandlungen und gesundheitliche Risiken.

Das kann insbesondere dann gefährlich werden, wenn es um folgende verschwiegene Fakten geht:

  • eingenommene Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
  • Alkohol-, Drogen- und Nikotinkonsum
  • psychische Beschwerden
  • Schmerzen, Blutungen, Gewichtsverlust
  • nicht eingehaltene Therapien oder Dosierungen

Grundsätzlich gilt: Verraten Sie Ihrem Arzt lieber etwas zu viel als zu wenig. Es handelt sich um professionelle Mediziner - vor denen muss Ihnen erstmal nichts peinlich sein.

Warum Patienten ihre Ärzte anlügen

Die Gründe für das Verschweigen von wichtigen medizinischen Fakten sind vielfältig, dafür aber selten rational. Laut "Bild" gaben 35 Prozent an, dass sie Angst vor Verurteilung hätten, 31 Prozent sprachen auch von Scham. Tatsächlich lügen die meisten übrigens nicht über Rauchen (17 Prozent) oder ihr Gewicht (16 Prozent), sondern am häufigsten über konkrete Beschwerden (27 Prozent).

Natürlich merken die Mediziner an einem bestimmten Punkt, dass Sie nicht alles erzählen: In der Befragung berichtete etwa ein Drittel aller Ärzte, dass ihre Patienten bei mindestens der Hälfte ihrer Termine wichtige Informationen nicht mit ihnen teilen würden. Dadurch kann es zu falschen oder verzögerten Diagnosen, Vertrauensverlust und unwirksamen Behandlungen kommen. Immerhin zögern Patienten bei digitalen Fragebögen weniger häufig - hier antworteten etwa 40 Prozent der Befragten ehrlicher als gegenüber echten Menschen.

Bei Drogen nicht schweigen, sondern handeln

Besonders problematisch ist das Schweigen im Fall einer Überdosis. Wer gerne in Clubs feiern geht, hat möglicherweise bereits den ein oder anderen Fall erlebt, in dem der Rettungswagen gerufen werden musste. Doch häufig zögern Betroffene und Umstehende, den Rettungsdienst anzurufen. Warum?

Laut Studien liegt das vor allem an der Angst vor rechtlichen Konsequenzen - Beteiligte befürchten häufig, dass die Polizei im Falle einer Überdosis vom Rettungsdienst hinzugerufen wird. Drogenbesitz kann laut§29 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) entsprechend mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Aber: Grundsätzlich haben Betroffene nichts zu befürchten - der alleinige Konsum von Betäubungsmitteln wird nicht verfolgt. In der Regel sind Überdosen daher für die Polizei uninteressant und gehen nur die behandelnden Mediziner etwas an, zumal auch in diesen Fällen die ärztliche Schweigepflicht gilt. Das gilt sowohl für Feierwütige als auch für obdachlose Menschen - Umstehende sollten bei Anzeichen einer Überdosis daher nicht zögern, den Rettungsdienst zu kontaktieren. Jede Sekunde kann über Leben und Tod entscheiden.

Was Rettungspersonal bei einer Überdosis wissen muss

Als Zeugen, Bekannte, Freunde oder Partner der Betroffenen können Sie dem Rettungsdienst helfen, indem Sie zudem die behandelnden Sanitäter darüber aufklären, welche Substanzen die betroffene Person konsumiert hat, sofern diese nicht mehr ansprechbar ist.

Gut zu wissen: Häufig kommt das Medikament Naloxon bei Überdosen zum Einsatz - ein Opioid-Antagonist, der die Wirkung von Rauschmitteln wie Heroin, Oxycodon oder Fentanyl neutralisiert. Meist wird Naloxon in Form eines Nasensprays verabreicht. Viele Drogenhilfen geben das Medikament auch kostenlos ab und schulen im Umgang mit diesem.

Der Einsatz ist rechtlich und gesundheitlich unbedenklich, sollte aber im Nachhinein ebenfalls mit dem Rettungspersonal abgeklärt werden. Zudem sollte auch dann noch auf den Rettungsdienst gewartet werden, wenn die betroffene Person wieder "klar" wirkt.

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