Heidi Reichinnek: Linke-Politikerin macht auf Migräne aufmerksam - das hilft Betroffenen
Die Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke will Aufmerksamkeit auf Migräne-Betroffene lenken. Bild: picture alliance/dpa | Britta Pedersen
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
13.03.2026 12.48
- Bei Migräne handelt es sich nicht um "normale" Kopfschmerzen
- Die Anfälle treten plötzlich und extrem schmerzhaft auf
- Linke-Vorsitzende Heidi Reichinnek will auf das Thema aufmerksam machen
Mehr zu ähnlichen Themen lesen Sie am Ende dieses Beitrags.
Nur Kopfschmerzen? Von wegen: Bei Migräne handelt es sich um weitaus mehr als einfache Kopfschmerzen wie bei einem Kater oder einer verstopften Nase. Doch noch immer ist vielen Menschen das volle Ausmaß der Erkrankung nicht klar. Das will Linke-Vorsitzende Heidi Reichinnek nun ändern: In einem TikTok-Video macht sie sich gemeinsam mit der Influencerin Phia Quantius für mehr Aufklärung über Migräne stark. Beide Frauen sind selbst von der Erkrankung betroffen.
Vor allem Frauen sind von Migräne betroffen
Gleich zu Anfang stellt Reichinnek in ihrem Video auf TikTok klar: "Das ist eine wirklich schwere neurologische Erkrankung, von der zirka 25 Prozent aller Frauen mehr oder minder stark betroffen sind." Das bedeutet: Etwa jede vierte Frau leidet immer wieder mal unter Migräneanfällen. Nicht ohne Grund sind es in den Kommentaren der Fraktionsvorsitzenden der Linken vorrangig Männer, die Betroffenen ihre Symptome absprechen oder sich über diese lustig machen. Sie sind schlichtweg seltener betroffen als Frauen.
Welche Symptome treten bei Migräne mit Aura auf?
Auch Quantius kommt im Video zu Wort: "Ich selbst leide seit über 16 Jahren unter chronischer Migräne mit Aura und das schränkt mich extrem ein." Bei ihren Anfällen, so erzählt die Influencerin und Tierschutz-Aktivistin, kommen in der Regel folgende Symptome zum Vorschein:
- starke Kopfschmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- Geräuschempfindlichkeit
- Geruchsempfindlichkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Fieberträume und Halluzinationen
- Lähmungserscheinungen
- Ohnmacht
Dazu kommen bei vielen Betroffenen laut Informationen der Deutschen Hirnstiftung typischerweise auch Sehstörungen wie die sogenannten "Aura-Flecken" im Sichtfeld, Flimmern, Linien oder Blitze vor den Augen sowie Wortfindungsstörungen und verwaschene Sprache. In einigen Fällen treten zudem vorübergehende Gedächtnisstörungen auf, die für Betroffene extrem beunruhigend sein können.
Durch welche Trigger kann Migräne ausgelöst werden?
Quantius erklärt, dass sie etwa acht solcher Anfälle im Monat erleidet - plus 15 Schmerztage, an denen die Migräne nur mit "aushaltbaren" Schmerzen einhergeht. Klassische Auslöser - in der Fachsprache auch "Trigger" genannt - sind unter anderem:
- Stress oder Stressabfall
- Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf
- hormonelle Schwankungen
- grelles Licht (ähnlich wie bei Epileptikern) oder starke Gerüche
- bestimmte Lebensmittel wie Alkohol oder reifer Käse
Die Trigger für eine Migräne sind allerdings individuell und können von Mensch zu Mensch variieren. Bei einigen können auch eine starke Pollenbelastung in der Luft, plötzliche Wetterumschwünge, Feinstaub oder andere Umwelt-Faktoren einen Anfall auslösen. Bei Migränepatienten mit Heuschnupfen sind die Kopfschmerzen nachweislich sogar oftmals stärker als bei anderen, wie eine Studie der Universität von Cincinnati zeigt.
Betroffene leiden unter dem gesellschaftlichen Umgang mit Migräne
Abseits der körperlichen Belastungen durch die Schmerzen, Taubheitsgefühle, Sehstörungen und andere Migräne-Symptome gibt es aber auch noch die Seite der Erkrankung, über die bisher nur wenige gesprochen haben: Die psychische Belastung durch Migräne. "Dabei wird uns immer unterstellt, dass wir lügen würden, dass wir 'übertreiben' würden", erzählt Quantius. "Und wisst ihr was? Wir lügen sehr viel. Wir lügen darüber, dass es uns gut geht, dass wir es aushalten, nur damit wir irgendwie reinpassen, damit uns nicht angemerkt wird, dass wir gerade leiden [...]."
Betroffene haben demnach oft damit zu kämpfen, dass Menschen, die nicht unter Migräne leiden, sich die Schmerzen nicht vorstellen können - und entsprechend wenig Verständnis zeigen. Daher, so Heidi Reichinnek, sei es "dringend notwendig, dass diese unsichtbaren Krankheiten endlich sichtbar werden."
Was können Betroffene tun, um ihre Lebensqualität zu verbessern?
Wer unter Migräne leidet, dem ist zu empfehlen, sich an einen Neurologen zu wenden. Gute Behandlung ist individuell und benötigt häufig Zeit und viel Abstimmung mit dem behandelnden Arzt, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Bei akuten Attacken helfen Maßnahmen wie:
- Rückzug in einen ruhigen, dunklen Raum
- Schlaf oder Ruhe
- Kälte oder Wärme (je nach Vorliebe) auf Stirn oder Nacken
- Reizreduktion - keine Gerüche, kein Lärm, kein Bildschirm
- Im schlimmsten Fall Schmerzmittel (Ibuprofen, Naproxen) - diese sollten allerdings nicht zu häufig eingenommen werden, da Organschäden drohen
Wichtig ist es, auch bei Familie, Freunden und Bekannten ein Bewusstsein für die Erkrankung zu schaffen. Im besten Fall können diese bei plötzlichen Attacken helfen - besonders wenn Orientierungslosigkeit oder Ohnmacht Symptome sind, sind Betroffene während der Migräneanfälle oftmals hilflos. Mehr Informationen bietet unter anderem die Webseite des MigräneLiga e.V. - dort gibt es auch Hinweise zu Selbsthilfegruppen sowie passenden Ärzten und Kliniken.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
Hier lesen Sie mehr über ähnliche Gesundheitsthemen:
- Fußballer-Frau an Hirntumor verstorben - woran erkennt man die Krankheit?
- Wie der Wetterwechsel Ihr Schlaganfall-Risiko steigert
- Bei diesen Symptomen sollten Sie unbedingt den Notruf wählen
- Diese Kopfschmerzen können auf einen Schlaganfall hinweisen
- Immer mehr Menschen entwickeln Parkinson - so beugen Sie vor