Ludwigshafen: Warum Motorradfahrer so oft schwer verletzt werden
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Erstellt von Sarah Knauth
20.06.2026 09.59
Die Zahl schwer verletzter Motorradfahrer in Rheinland-Pfalz steigt nach Erfahrung des Unfallchirurgen Paul Grützner mit höheren Temperaturen wieder deutlich. "Sie können wetten, dass wir an Wochenenden, an denen schönes Wetter ist, bildlich gesprochen Tag und Nacht durch operieren", sagte der Ärztliche Direktor der BG Klinik Ludwigshafen der Deutschen Presse-Agentur.
Die Zahl der Motorradunfälle nehme nach seiner Einschätzung zwar nicht dramatisch zu. Aber während die Zahl der Verletzten bei Autounfällen kontinuierlich sinke, bleibe die Zahl der Verletzten im Zweiradbereich seit Jahren auf hohem Niveau. "Über den ganzen Sommer bis in den Herbst sehen wir praktisch fast täglich Motorradunfälle in der Klinik", sagte der Mediziner.
Zwischen Asphalt und Intensivstation
Auf den Straßen in Rheinland-Pfalz gab es 2025 so viele Tote wie seit Jahren nicht mehr. Bei diesen Unfällen kamen nach Angaben des Verkehrsministeriums 158 Menschen ums Leben, 28 mehr als im Jahr zuvor. Motorradfahrer waren insgesamt an 2.864 Unfällen auf den Straßen im Land beteiligt – 39 Menschen starben im Verkehr und damit 4 mehr im Jahresvergleich.
Von einer Schuldzuweisung an Motorradfahrer hält Grützner indes wenig. "Die werden oft übersehen." Motorräder würden wegen ihrer schmalen Silhouette und schwer einschätzbaren Geschwindigkeit von anderen Verkehrsteilnehmern zu spät wahrgenommen. Es sei falsch, alle Biker als "blinde Raser" darzustellen.
Große Bedeutung misst der Unfallchirurg der Schutzkleidung bei. Der Unterschied zwischen Fahrern mit kompletter Ausrüstung und solchen ohne sei "dramatisch". Als Beispiel schildert er den Fall eines Motorradfahrers, der eine Schutzjacke, aber lediglich eine Jogginghose getragen habe. Beim Rutschen über den Asphalt sei das Beinkleid sofort zerstört worden.
Die Folge seien schwere verbrennungsähnliche Verletzungen durch Reibung. "Am Oberkörper nix, aber dort, wo die Schutzkleidung eben nicht vorhanden war, schwere Verletzungen", sagte Grützner.
Warum Biker besonders gefährlich leben
Zu den häufigsten Verletzungen zählen nach seinen Angaben Becken-, Bein- und Kopfverletzungen. "Der Motorradfahrer sitzt ja mit gespreizten Beinen", erläuterte er. Bei einem Aufprall könne das Becken regelrecht gesprengt werden. Hinzu kämen Verletzungen der Beine und des Kopfes - trotz Helms.
Besonders häufig betroffen seien junge Männer. "Männlich bis 30 Jahre, das kann man über den dicken Daumen immer noch sagen", meinte Grützner. Zugleich beobachte er eine zweite Risikogruppe: Wiedereinsteiger im Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Viele dieser Fahrer seien früher Motorrad gefahren und erfüllten sich später erneut den Wunsch nach einer Maschine. "Das Geld ist da", sagte Grützner. Problematisch werde es, wenn die Leistung des Motorrads nicht zur aktuellen Routine passe.
Entscheidend sei aber oft gerade die Erfahrung. Routinierte Fahrer wüssten, dass sie häufig nicht gesehen würden. Jüngere Fahrer verließen sich dagegen oft auf ihr Vorfahrtsrecht und unterschätzten Risiken.
Flip-Flops statt Schutzkleidung
Besonders bedrückend seien die schwersten Folgen. Derzeit lägen zwei junge Motorradfahrer auf der Intensivstation und kämen als Organspender infrage. "Das ist schon dramatisch, wenn Sie da die Familien sehen", sagte der Arzt.
Wichtig sei, die Gefahren realistisch einzuschätzen und konsequent Schutzkleidung zu tragen. Wenn er Menschen in kurzen Hosen und Flip-Flops auf Motorrädern sehe, werde ihm "echt übel".
Grützner ist Ärztlicher Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Geschäftsführer Medizin der BG Kliniken. Er besitzt einen Motorradführerschein, fährt jedoch nicht mehr. "Das war es", habe er nach einer Urlaubsfahrt vor vielen Jahren zu seiner Frau gesagt. Das Risiko sei mit den Lebensjahren zu groß geworden.
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kns/roj/news.de