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Homeoffice: Von der Notlösung zum neuen Arbeitsmodell?

Die Corona-Krise hat vieles verändert - allen voran die Akzeptanz für mobiles Arbeiten oder Homeoffice: Um die Infektionsketten wirkungsvoll zu unterbrechen, mussten sich viele Unternehmen faktisch über Nacht dramatisch umstellen.

Foto: Giorgio Fochesato/Westend61/dpa-tmn Bild: Giorgio Fochesato/dpa

Die Mitarbeiter, deren Tätigkeit es erlaubte, verlagerten ihre Arbeitsplätze nach Hause. Neben den technischen Problemen, denn viele Unternehmen mussten aus dem Stand digitalisieren, ergaben sich aber auch zahlreiche andere Herausforderungen. Neue Führungsqualitäten waren gefragt, eine neue Arbeitsorganisation und ein neues Miteinander trotz Distanz. Doch in vielen Fällen hat sich dieses aus der Not geborene Modell bewährt, sodass Unternehmen nun damit befasst sind, die nicht unumstrittene Möglichkeit der Heimarbeit eventuell auf Dauer einzuräumen.

Homeoffice - Vor- und Nachteile gründlich abwägen

Bis zur Corona-Krise löste das Thema Homeoffice unterschiedliche Reaktionen aus - und das sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite. Es liegt in der Natur der Dinge, dass ohnehin nicht alle Beschäftigten mobil arbeiten können, Produktionsstrecken müssen zum Beispiel im Unternehmen bedient werden, viele andere Berufe sind ebenfalls an einen Arbeitsplatz vor Ort gebunden: Ganze vier Prozent der Beschäftigten in Deutschland nutzten vor der Corona-Pandemie die Möglichkeit der Heimarbeit. Doch mit der Pandemie wurde zuvor nur schwer Vorstellbares sehr schnell gelebte Praxis - und hat weiterhin Bestand: Der Anteil der zu Hause Arbeitenden stieg bereits im ersten Lockdown im April 2020 auf 27 Prozent und im Januar 2021 nach einem Abflauen wieder auf 21 Prozent. Wie also ist diese neue Arbeitsform auf Dauer einzuordnen?

Aus Sicht der Arbeitgeber eröffnen sich einige gravierende Vorteile, wie zum Beispiel:

  • ortsunabhängige Beschäftigung möglich: Unternehmen können auch überregional Mitarbeiter beschäftigen und so deutlich mehr Fachkräfte für eine Beschäftigung gewinnen.
  • Motivationsschub für Mitarbeiter: Heimarbeit beruht auf Vertrauen - und das hat durchaus positive Effekte auf die Motivation und damit die Arbeitsleistung und die Ausfallzeiten.
  • Einsparung von Kosten: Neben den geringeren Ausfallkosten ist es vor allem der zurückgehende Bedarf an Büroflächen und -ausstattung, die die Kosten des Unternehmens reduzieren.

Nicht zuletzt gewinnt das Arbeitgeberimage - und das kann angesichts des Wettbewerbs um Fachkräfte gar nicht hoch genug bewertet werden. Letztendlich kann die Produktivität gesteigert werden, was für viele Unternehmen vor der Corona-Krise nicht vorstellbar war: Die technischen Möglichkeiten erlauben es längst, sich auch über eine Distanz hinweg effektiv auszutauschen, Arbeiten zu koordinieren und hervorragende Ergebnisse zu erzielen.

Denn auch die Arbeitnehmer profitieren: Viele schätzen die Ruhe, in der sie an ihrem heimischen Arbeitsplatz ihre Aufgaben erledigen können - ein Großraumbüro bedeutet nämlich auch Ablenkung durch Hintergrundgeräusche, Gespräche mit Kollegen oder den Gang zur Kaffeemaschine. Gleichzeitig lässt sich die Arbeit im Homeoffice flexibler gestalten. Ob die Arbeit am Abend erledigt wird oder am frühen Morgen, spielt keine Rolle, solange die vereinbarten Termine eingehalten werden. Da der Arbeitsweg ohnehin wegfällt, sparen Arbeitnehmer nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Wichtig ist jedoch, dass die Trennung von Beruf und Privat konsequent eingehalten wird. Aber auch das lässt sich mit einem zeitgemäßen Führungsstil der jeweiligen Vorgesetzten unterstützen und trainieren.

Neue Regeln etablieren: Homeoffice - Potenziale geschickt ausschöpfen

Es ist also abzusehen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen an diese neuen Gegebenheiten angepasst werden. Wahrscheinlich ist ein Kompromiss, der Homeoffice möglich macht, aber gleichzeitig einen Arbeitsplatz im Unternehmen sichert. Dieser kann dann nicht mehr personengebunden sein, sodass die privaten Bilder und Gegenstände, die viele Schreibtische zieren, über kurz oder lang verschwinden werden. Diese Entwicklung stößt naturgemäß auf geteilte Meinungen. Allerdings zeigen die Erfahrungen, dass das Modell Homeoffice durchaus interessante Potenziale eröffnet.

Sinnvoll ist es daher, die Argumente pro und contra sorgfältig abzuwägen und dabei sowohl das Unternehmen als auch die Beschäftigten mit ins Boot zu holen. Gerade für Menschen mit Behinderung, junge Eltern oder weiter entfernt wohnende Beschäftigte kann Homeoffice die optimale Lösung sein. Selbst eingefahrene Hierarchien, die oft genug die internen Prozesse behindern, lassen sich auf diese Weise und dank neuer Kommunikationswege abbauen. Insbesondere die jüngeren und gut qualifizierten Fachkräfte werden Unternehmen daran messen, ob sie sich den agilen und mobilen Arbeitsmodellen öffnen - und genau das sollte zum Nach- und Umdenken anregen.

lic/news.de