25.07.2020, 14.18 Uhr

Werkvertrag-Verbot : Preis-Kracher angekündigt! So teuer könnten Fleisch und Wurst bald sein

Die Bundesregierung will gegen miese Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft vorgehen und Werkverträge sowie Leiharbeit verbieten. Doch die Branche fühlt sich ungerecht behandelt und warnt vor steigenden Preisen.

Die Politik will die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie verbessern, doch die droht mit höheren Preisen. Bild: dpa

Die deutsche Fleischwirtschaft hält das von der Bundesregierung geplante Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in ihrer Branche für verfassungswidrig. Außerdem rechnet sie dadurch mit deutlich steigenden Fleischpreisen. Das geht aus einer Stellungnahme des sozialpolitischen Ausschusses der Branche zum Gesetzesvorhaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hervor, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet.

Verbot von Werkverträgen geplant! Fleischindustrie warnt vor höheren Preisen

In dem Schreiben heißt es, es sei nicht erklärbar, warum beim Portionieren und Verpacken von Käse künftig anderes Arbeitsrecht gelten solle als bei Wurst. "Das Gesetz geht zu weit." Es stelle eine "abstruse Ungleichbehandlung" gegenüber anderen Branchen dar. Als Konsequenz aus einem Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies hatte die Bundesregierung angekündigt, dass mit Beginn des Jahres 2021 Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie abgeschafft werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will den entsprechenden Gesetzentwurf bis Ende dieses Monats vorlegen.

So teuer könnte Fleisch in Deutschland bald sein

Die Fleischwirtschaft sei auch künftig auf Leiharbeiter angewiesen, um Produktionsspitzen etwa zur Grillsaison abfangen zu können. Würden Werkvertrag und Leiharbeit verboten, verteure das die Produktion. "Der Verbraucherpreis dürfte demzufolge um 10 bis 20 Prozent je Kilo und Produkt ansteigen", heißt es in der Stellungnahme. Es sei ferner damit zu rechnen, dass die Produktion ins Ausland abwandere - inklusive der Tierhaltung.

Hubertus Heil will durch diese Drohung der Fleischindustrie aber nicht einknicken. "Erst kündigt die #Fleischwirtschaft an, 'freiwillig' auf Werkverträge zu verzichten - wenn es per Gesetz verboten wird, droht sie mit Preissteigerungen. Von diesem plumpen Lobbyismus werde ich mich nicht davon abhalten lassen, für anständigen #Arbeitsschutz zu sorgen", schreibt der Politiker auf Twitter.

Sie können den Tweet von Hubertus Heil nicht sehen? Dann hier entlang.

"Das deutsche Fleischwirtschaftssystem ist kaputt bis in die kaputten Knochen vom Mensch und Tier. Ein anständiger Mindestlohn würde 20 Cent pro Kilo Fleisch kosten, noch einmal 20 Cent für ein bessere Tierhaltung", fasst ein Twitter-Nutzer die Drohung der Fleischindustrie zusammen. "Billigfleisch würde 40¢ teuer pro Kilo? Das wäre dann ja noch immer billiger als Veggie Burger... Und die Leute meinen noch immer nicht, dass da was falsch läuft?", fügt ein anderer hinzu. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Fleischpreise entwickeln. 

Lesen Sie auch: "Maximale Ausbeutung!" Tönnies-Mitarbeiter reden jetzt Klartext.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bua/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser