22.04.2020, 21.08 Uhr

Coronakrise belastet Handel: Gibt es bald öfter verkaufsoffene Sonntage in Deutschland?

Viele öffnen, manche warten, andere verkleinern sich: Der Handel stellt sich in der Coronakrise auf die neuen Vorgaben der Politik ein, doch die wirtschaftliche Not bleibt groß. Auch die Debatte zum verkaufsoffenen Sonntag ist neu entbrannt.

Im deutschen Einzelhandel wird die Forderung nach mehr Flexibilität beim verkaufsoffenen Sonntag laut (Symbolfoto). Bild: Patrick Pleul / ZB / picture alliance / dpa

Das weltweit grassierende Coronavirus hat den Handel schwer getroffen - etliche Läden mussten wochenlang geschlossen bleiben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Trotz der Wiedereröffnung vieler Geschäfte in der Corona-Krise bleibt die wirtschaftliche Situation des Handels angespannt.

Coronakrise in Deutschland: Umsatzeinbußen im Einzelhandel trotz Wiedereröffnung

"Da, wo viele Läden am Montag wiedereröffnen durften, blieben die Umsätze im Vergleich zu den Zeiten vor Corona eher gering", teilte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Dienstag mit. "Ursache ist sicherlich die insgesamt sehr schlechte Konsumstimmung. Die Menschen haben Angst um ihre Jobs oder sind bereits in Kurzarbeit."

Debatte um Sonntagsöffnung durch Coronakrise neu entbrannt - bald mehr Sonntagsöffnungen?

Wegen der wochenlangen Schließung von Geschäften jenseits des Lebensmittelhandels in der Corona-Krise sind dort die Erlöse weggebrochen. Deshalb werden erneut Forderungen nach neuen Regeln für die Sonntagsöffnungszeiten laut - zuletzt geäußert vom Chef der Buchhandelskette Thalia Bücher, Michael Busch. "Um die Kundenströme zu entzerren, wünsche ich mir eine Flexibilisierung an Sonntagen, befristet bis Ende Januar des nächsten Jahres", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Der Einzelhandel könnte auf diese Weise den verlorenen Umsatz ein Stück weit zurückholen."

Mehr Sonntagsöffnungen sollen Umsatzverluste im Handel kompensieren

Auch der Handelsverband hatte in einem Positionspapier vor wenigen Wochen eine ähnliche Forderung erhoben. "Bei der Sonntagsöffnung geht es darum, den Nicht-Lebensmittelhändlern die Möglichkeit zu geben, wenigstens einige der durch die Ladenschließungen weggefallenen Umsätze zu kompensieren", teilte HDE-Chef Genth auf Anfrage mit. Dem Verband schwebt ebenfalls eine auf das laufende Jahr befristete Regelung vor.

Allerdings sei die Einzelhandelswelt in der Frage gespalten, teilte Genth weiter mit. "Während die Sonntagsöffnung im Non-Food-Bereich eine sinnvolle Maßnahme sein kann, brauchen die Lebensmittelhändler mit ihrem Personal und der Logistik sicherlich eher einen freien Sonntag zum Durchschnaufen."

Gewerkschaft Verdi stemmt sich gegen mehr verkaufsoffene Sonntage

Die Gewerkschaft Verdi wies die Forderungen dennoch umgehend zurück. "Die Corona-Krise wird jetzt missbraucht, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen", teilte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Dienstag mit. "Die Behauptung, man könne Arbeitsplätze durch eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten sichern, ist eine Mär." Die Ausweitungen der Ladenöffnungszeiten hätten in der Vergangenheit Arbeitsplätze gekostet. "Dazu wurden viele Vollzeitarbeitsplätze auch noch in Teilzeitarbeitsplätze umgewandelt."

Im Rahmen der Wiedereröffnungen im Handel betonte Nutzenberger, der Schutz der Beschäftigten müsse "höchste Priorität haben". Dafür müssten bundesweit einheitliche Maßnahmen zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern beschlossen werden.

Ladenöffnung trotz Coronavirus: Wann hat welches Geschäft geöffnet?

Was die Regeln für die Öffnungen jenseits des Lebensmittelhandels angeht, war die Situation in den Bundesländern am Dienstag weiter äußerst unterschiedlich. In Berlin wurde erst am Nachmittag darüber beraten, welche Maßnahmen in der Hauptstadt überhaupt gelten sollten. Unklar war vor allem, ob auch Warenhäuser mit reduzierter Fläche öffnen dürfen.

Hintergrund ist die Einigung zwischen Bund und Ländern aus der vergangenen Woche, worin Ladenöffnungen nur für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern zugelassen sind. In einigen Bundesländern können aber auch größere Geschäfte öffnen, sofern sie ihre Flächen entsprechend reduzieren.

Galeria Kaufhof und Ikea öffnen nach Coronavirus-Beschränkungen wieder ihre Verkaufsflächen

Die Essener Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat unter dieser Vorgabe inzwischen bundesweit knapp 50 ihrer insgesamt 170 Filialen mit eingeschränkter Verkaufsfläche wieder geöffnet. Unter anderem in Hessen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stehen Standorte den Kunden wieder zur Verfügung, wie aus einer Übersicht des zur österreichischen Holding Signa gehörenden Unternehmens hervorgeht. Auf einer reduzierten Verkaufsfläche werde das gesamte Sortiment angeboten, heißt es dort.

Der Möbelriese Ikea hat inzwischen angekündigt, in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch seine Möbelhäuser wieder zu öffnen. NRW ist das einzige Bundesland, in dem das für Möbelgeschäfte wieder möglich ist.

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loc/news.de/dpa

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