13.03.2019, 11.44 Uhr

Boeing 737 Max 8 als Todes-Flieger: Umstrittenes System zur Flugkontrolle soll Rolle bei Crash in Indonesien gespielt haben

ine Boeing 737 MAX 8 steht vor dem Boeing Fertigungswerk. Bild: dpa

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 im Oktober in Indonesien mit 189 Todesopfern Jahr gab es der FAA zufolge bereits zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen. Im Zentrum der Untersuchungen stand bislang ein umstrittenes System zur Flugkontrolle, das laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Crash in Indonesien gespielt haben könnte. Boeing versprach nun eine Verbesserung der Steuerungssoftware, die in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen aufgespielt werde.

Die Piloten der in Äthiopien verunglückten Boeing hatten der Flugsicherung kurz vor dem Absturz von Problemen berichtet, die Maschine unter Kontrolle zu halten, sagte der Chef von Ethiopian Airlines, Tewolde GebreMariam, dem Nachrichtensender CNN.

US-Politiker fordern Konsequenzen der Luftfahrtbehörde FAA

US-Politiker forderten unterdessen Konsequenzen der Luftfahrtbehörde FAA. Spitzenvertreter beider großer Parteien sprachen sich am Dienstag für ein Startverbot des betroffenen Flugzeugtyps aus. Alle Flieger sollten am Boden bleiben, bis die Ursachen der jüngsten Abstürze und die Flugtauglichkeit geklärt seien, forderte etwa der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney.

Donald Trump zu Boing-Diskussion: "Ich will keinen Albert Einstein als meinen Piloten"

US-Präsident Donald Trump sprach sich derweil gegen den Einsatz von zu viel Computertechnologie in der Luftfahrtbranche aus. "Flugzeuge werden viel zu kompliziert zum Fliegen", schrieb Trump am Dienstag auf Twitter, ohne Boeing zu erwähnen. Statt Piloten brauche es heutzutage Computerspezialisten. Doch diese Komplexität berge Gefahren, so Trump. "Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich will keinen Albert Einstein als meinen Piloten. Ich will großartige Flugprofis, die einfach und schnell die Kontrolle über ein Flugzeug übernehmen dürfen", schrieb er.

FAA sieht weiter keinen Grund für Startverbot für Boeing-Jet

Trotz internationaler Startverbote für Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 nach dem Absturz in Äthiopien sieht die US-Luftfahrtbehörde FAA weiter keinen Anlass für eine solche Maßnahme. Bislang hätten die Überprüfungen der FAA keine "systemischen Leistungsprobleme" bei dem Flugzeugtyp und keine Grundlage für ein Startverbot ergeben, teilte der amtierende Behördenchef Daniel Elwell am Dienstag auf Twitter mit. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die Maßnahmen erforderlich machten.

Weiter hieß es in der Mitteilung, die "dringende Auswertung" der Daten der am Sonntag abgestürzten Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines dauere an. Sollten sich dabei Hinweise ergeben, die die Flugtauglichkeit der Maschinen in Frage stellten, werde die FAA "sofortige und angemessene Maßnahmen" ergreifen. Knapp fünf Monate vor dem Crash in Äthiopien am Sonntag war bereits eine Boeing 737 Max 8 in Indonesien abgestürzt. Die Unglücke ereigneten sich jeweils kurz nach dem Start.

In Europa, Australien und weiten Teilen Asiens haben Luftfahrtbehörden Flugverbote für alle baugleichen Maschinen verhängt. Zahlreiche Airlines legten die Flugzeuge am Dienstag wegen Zweifeln an der Sicherheit der Baureihe ebenfalls zunächst still.

US-Flugbegleiter für Startverbot für Boeing 737 Max 8

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien haben sich Flugbegleiter in den USA bis zur Klärung der Ursache für ein Startverbot für baugleiche Maschinen ausgesprochen. Die Gewerkschaft APFA (Vereinigung der Professionellen Flugbegleiter), die die mehr als 27 000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, forderte den Chef der größten US-Fluggesellschaft am Dienstag zu einem solchen Schritt auf. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU), in der unter anderem die Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, verlangte ein Startverbot.

Knapp fünf Monate vor dem Crash in Äthiopien am Sonntag war bereits eine Boeing 737 Max 8 in Indonesien abgestürzt. In Europa, Australien und weiten Teilen Asiens haben Luftfahrtbehörden Flugverbote für alle baugleichen Maschinen verhängt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA, in deren Aufsichtsbereich 74 Boeing 737 Max 8 im Einsatz sind, hat aber kein Startverbot ausgesprochen. Zahlreiche Airlines legten die Flugzeuge am Dienstag wegen Zweifeln an der Sicherheit der Baureihe ebenfalls zunächst still. Unter anderem die US-Fluggesellschaften American Airlines und Southwest Airlines halten aber an den Maschinen fest.

APFA-Präsidentin Lori Bassani teilte mit: "Die Sicherheit unserer Crews und Passagiere hat Priorität." Flugbegleiter würden sich nicht dazu zwingen lassen zu fliegen, wenn sie sich unsicher fühlten. Die TWU schrieb auf Twitter, Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 sollten nicht mehr starten dürfen, bis die Daten des Absturzes in Äthiopien ausgewertet seien und geprüft worden sei, ob es einen Zusammenhang mit dem Crash in Indonesien gebe. "Menschen müssen immer über Profite gestellt werden." Nach Angaben der TWU sind 17.000 ihrer 150.000 Mitglieder Flugbegleiter bei Southwest Airlines.

Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Der US-Hersteller hat bereits mehr als 350 Maschinen ausgeliefert und sitzt auf prall gefüllten Auftragsbüchern mit Tausenden Bestellungen.

An der Börse in New York sackte die Boeing-Aktie wieder ab. Am frühen Nachmittag stand sie mit sieben Prozent in Minus. Die Papiere des europäischen Erzrivalen Airbus profitierten hingegen leicht, hier näherte sich der Kurs mit einem Plus von gut einem Prozent dem Rekordhoch vom 1. März.

Nicht das erste Sicherheitsrisiko beiBoeing-Maschinen

Es ist nicht das erste Mal, dass Boeing-Maschinen wegen Sicherheitsrisiken in großem Stil nicht starten. Im Januar 2013 hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA nach einer Reihe von Pannen ein Flugverbot für Boeings damaligen Vorzeigeflieger "Dreamliner" verhängt. Vorausgegangen war eine Notlandung des Langstreckenjets in Japan, nachdem eine Batterie durchgeschmort war. Diesmal dürften die Folgen jedoch deutlich schwerwiegender sein, Boeing hatte damals lediglich 50 "Dreamliner" ausgeliefert, die 737-Max-Jets sind wesentlich stärker verbreitet.

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sba/news.de/dpa

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