13.03.2019, 11.44 Uhr

Boeing 737 Max 8 als Todes-Flieger: Muss Boeing für den Todes-Flieger 737 Entschädigungen an Airlines zahlen?

ine Boeing 737 MAX 8 steht vor dem Boeing Fertigungswerk. Bild: dpa

Zur Frage möglicher Kompensationszahlungen für den Ausfall wollte sich Tui zunächst nicht äußern. Die vom Hersteller Boeing in Aussicht gestellten Updates für eine möglicherweise problematische Steuerungssoftware der Boeing 737 Max 8 werden in den nächsten Tagen erwartet und sollen dann auf die Bordcomputer geladen werden. Eine eigene Schulung der Tui-Besatzungen dafür sei nicht nötig.

Norwegian will Kosten für Flugstopp von Boeing wiederbekommen

Die norwegische Fluggesellschaft Norwegian pocht wegen des Flugstopps ihrer Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max 8 bei dem US-Flugzeugbauer auf Schadenersatz. Es sei offensichtlich, dass die Kosten, die durch das vorübergehende Startverbot für brandneue Flugzeuge entstünden, auch von denjenigen getragen würden, die diese Maschinen hergestellt hätten, teilte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur mit. Norwegian versuche nun, die Ausfälle mit anderen Flugzeugen, Umbuchungen und möglichst wenig Unzulänglichkeiten für die Passagiere aufzufangen.

Nach dem Entschluss zum Stopp der 737 Max 8 am Dienstag mussten nach Konzernangaben bislang insgesamt 19 Flüge nach und von Norwegen aus gestrichen werden. Die Fluglinie setzt ihre 18 Modelle von dem Typ auf Langstrecken ein. Insgesamt starten täglich rund 650 Norwegian-Flüge.

Norwegian hatte sich nach dem tödlichen Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien mit 157 Toten dazu entschlossen, alle Boeing 737 Max 8 ihrer Flotte bis auf Weiteres aus der Luft zu holen. Aufgrund von Empfehlungen der europäischen Luftfahrtbehörden blieben die Maschinen bis auf Weiteres am Boden, hatte die Airline am Dienstag mitgeteilt.

Experten: Boeing-Sperre bringt zunächst nur geringe Probleme

Das weitgehende Flugverbot für das Mittelstreckenflugzeug Boeing 737 Max bleibt für die Passagiere zunächst ohne gravierende Folgen. Nach Einschätzung von Experten sind derzeit ausreichend Ersatzflugzeuge und Reserven vorhanden, so dass größere Störungen im Flugbetrieb verhindert werden dürften. Das erst 2017 eingeführte Modell sei noch nicht so stark im Markt vertreten, sagte der Airline-Berater Gerd Pontius der Deutschen Presse-Agentur.

Wartungsereignisse bei den anderen Maschinen könnten verschoben werden, eigene und angemietete Ersatzmaschinen an Stelle der Boeings fliegen. Vereinzelt würden die Airlines sicherlich auch Flüge streichen und die Gäste umbuchen.

"Wir befinden uns noch in der Wintersaison, in der es ausreichend Flugzeuge gibt", meinte auch Gerald Wissel von der Airborne-Beratung. Es komme jetzt darauf an, wie schnell der Unfall in Äthiopien aufgeklärt und die richtigen Folgerungen daraus gezogen werden könnten. Sollte sich das Flugverbot bis in die Osterferien ziehen, werde es erste spürbare Kapazitätsprobleme geben, meinte der Experte.

Nach seinen Angaben waren in Europa bis zur Sperre 70 Flugzeuge des Typs bereits im Einsatz und weitere 17 in der Auslieferung. Das falle bei gut 5.300 Kurz- und Mittelstreckenjets auf dem Kontinent nur zu absoluten Saison-Höhepunkten ins Gewicht. "Im Sommer könnte es eng werden", meinte Wissel, der allerdings mit einem nur wenige Wochen dauernden Flugverbot rechnet. Die entsprechende Verfügung der Deutschen Flugsicherung ist auf drei Monate bis zum 12. Juni befristet, könnte aber bei neuer Sachlage auch aufgehoben werden.

Norwegian als größter Betreiber der Max-Flugzeuge in Europa kündigte den Einsatz anderer Flugzeuge an. Flüge würden auch zusammengelegt, um die Folgen für die Passagiere möglichst gering zu halten, teilte die Gesellschaft mit. Die Gäste würden persönlich und über die Website informiert.

Pontius warnte vor zu schnellen Schuldzuweisungen an Boeing. Die Verantwortlichkeiten für den Unfall seien noch nicht geklärt. Dass Norwegian bereits Schadenersatz für die Flugausfälle verlange, zeige die hohe Nervosität der Gesellschaft.

Auch Hongkong sperrt Luftraum für Boeing 737 Max

Hongkong hat seinen Luftraum und Flughafen für Passagiermaschinen des Typs Boeing 737 Max 8 gesperrt. Das Verbot gilt ab Mittwoch 18 Uhr (Ortszeit), teilte die Luftfahrtbehörde der chinesischen Sonderverwaltungszone mit. Die Finanzmetropole, die ein wichtiges Drehkreuz für Flüge in Asien ist, reagierte damit auf die Abstürze zweier Boeing-Passagiermaschinen des gleichen Typs in Indonesien und Äthiopien innerhalb weniger Monate mit insgesamt mehr als 340 Toten. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hatte am Dienstagabend den gesamten europäischen Luftraum für Maschinen des Boeing-Typs gesperrt. Davor hatten bereits China und andere Staaten mit Verboten reagiert.

Auch indischer Luftraum für Boeing 737 Max gesperrt

Indien hat seinen Luftraum für Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max gesperrt. Dies gelte ab 16.00 Uhr Ortszeit (11.30 Uhr MEZ), teilte das indische Ministerium für zivile Luftfahrt am Mittwoch mit. Zuvor hatten zahlreiche andere Länder, darunter auch Deutschland, ihren Luftraum für Maschinen des Typs gesperrt oder Start- und Landeverbote verhängt. Eine wichtige Ausnahme sind die USA. Zunächst hatte Indiens Luftfahrtbehörde DGCA ab Dienstag eine Flugerfahrung von mindestens 1000 Stunden für Piloten des Flugzeugtyps vorgeschrieben.

USA lassen Boeing 737 Max 8 weiterfliegen

Viele Länder folgen diesmal nicht - wie üblich - der Linie der US-Luftfahrtbehörde FAA. "Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen, und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA am Montag (Ortszeit) mit. Die US-Behörde kündigte jedoch an, sie werde "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist".

Vereinigte Arabische Emirate verhängen Flugverbot für Boeing 737 Max

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben nach vielen anderen Ländern nun ebenfalls die Maschinen des Typs Boeing 737 Max nach dem jüngsten Absturz eines solchen Flugzeugs in Äthiopien aus ihrem Luftraum verbannt. Das Verbot gilt ab (dem heutigen) Mittwoch, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ENA unter Berufung auf eine Sicherheitserklärung der Zivilluftfahrtbehörde. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um die öffentliche Sicherheit in der Luft und auf dem Boden zu gewährleisten, hieß es. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein wichtiges internationales Luftfahrtdrehkreuz.

Neuseeland verhängt Flugverbot für Boeing 737 Max

Nach vielen anderen Ländern hat auch Neuseeland ein Start- und Landeverbot gegen alle Maschinen des Typs Boeing 737 Max verhängt. Die Entscheidung gilt zunächst ohne Befristung, wie die nationale Flugsicherheitsbehörde CAA am Mittwoch in Wellington mitteilte. Betroffen ist davon allerdings nur die Fluggesellschaft der Fidschi-Inseln, Fiji Airways. Andere Gesellschaften fliegen Neuseeland mit Boeings 737 Max nicht an.

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