Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner - 15.10.2013, 11.39 Uhr

Sexistische Werbung: Kopfwäsche mit Ärschen, Titten und langen Beinen

Frauen tragen hübsche Unterwäsche, machen schön Frühstück oder schwingen Putzlappen. Männer fahren schnelle Autos. Werbung bedient alte Klischees. Wir haben die krassesten Beispiele gesammelt, wie uns die Werbebilder beeinflussen.

FOTOS: Gerügt Wie Werbung über die Stränge schlägt

Kennen Sie den – Tschuldigung – Arsch über'm Axe Deo? Lange Beine, knappes Höschen. Der Spruch: «Reizt Frauen, nicht die Haut». Kennen Sie die beiden Bikini-Popos, die sich dem armen dunkelhaarigen Männerkopf geradezu aufdrängen? Auch wieder Axe - «Achtung, Duschen mit diesem Produkt macht ‹Muchas Maracas›».

Werbung beherrscht unseren Alltag, digital und analog, im Fernsehen, im Internet, auf Plakaten oder Litfaßsäulen. Bilder prasseln auf uns ein. Und ob wir wollen oder nicht, sie haben Macht, transportieren Botschaften, die bei uns hängen bleiben. Sexistische Werbung steht dabei immer wieder in der Kritik. Männer kommen meist noch gut weg. Sie treten als schöne, muskulöse und duftende Helden auf, die tolle Autos fahren und, wenn sie modern sind, Frauen zeigen wie man richtig putzt.

Frauen werden meist in Teilen gezeigt

Frauen dagegen haben Glück, wenn sie als Personen gezeigt werden. Allerdings sind sie dann meistens weiß, schlank und schönes Accessoir, strampeln wie Sylvie van der Vaart in neuer niederländischer Hunkemöller Unterwäsche glücklich auf einem Polster oder räkeln sich am Strand. Sind sie korpulenter, erzählen sie uns, wie wir am besten abnehmen können. Schnelle Autos fahren sie meistens nicht. Oft nutzen Werbung und Medien nur Teile von ihnen, würzen Botschaften mit Hintern, Titten und langen Beinen. Die umgeben uns dann, auf Litfaßsäulen, wenn wir zur Arbeit gehen, im Internet, in den Werbepausen im Fernsehen.

FOTOS: Kuschelzeit! Sylvie zeigt sexy Dessous

Der Deutsche Werberat hat ein Auge auf sexistische Werbung, will uns davor schützen, dass Bilder suggerieren, Frauen seien zur Benutzung da und ständig sexuell verfügbar. Und die gibt es: Beispielsweise dieses Werbeplakat: Ein Autoanhänger, darauf junge Frauen, spärlich bekleidet in Lack und Leder: «Miet mich, benutz mich», ein weißes T-shirt, die Brüste zeichnen sich ab: «Spende mich nass». Oder die Hostel-Werbung mit dem knappen Bikini-Höschen: «24 h Open, sexy Preise. »Wer sexistische Werbung sieht, kann sie dort melden.

Werbung mit Augenzwinkern?

Werbung wie den Arsch überm Axe Deo findet der Deutsche Werberat aber lustig. Manche Werbung sei mit einem Augenzwinkern zu sehen, so die Begründung. Frauenrechts-Organisationen wie Pinkstinks oder Terre des Femmes machen sich derzeit stark für eine Online-Petition, die sexistische Außenwerbung verbieten soll. Vorranging wird dabei der Kinderschutz angeführt. «Kinder verstehen Ironie frühestens mit dem Schulalter. Darstellungen von überzogenen Geschlechterrollen treffen Kinder unvermittelt und direkt», heißt es dort.

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Aber Werbung kann fies sein, dringt auch ins Unterbewusstsein von Erwachsenen ein. Was macht es mit uns, wenn wir Non-Stop von Bildern mir Brüsten und Hintern umgeben sind? Wie gehen wir damit um, wenn Frauen in der Werbung strahlend das Frühstück für ihre Liebsten präsentieren, als gäbe es kein größeres Glück auf der Welt? Wie wirken Texte auf uns, die über die Karrierechancen von Frauen sprechen und diese mit langen Beine in hochhackigen Schuhen illustrieren? Fraglich, wer da stets mit den Augen zwinkern kann.

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jag/news.de

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