TV: Ein Märchen im Kaurismäki-Stil: "Fallende Blätter"
Der vorerst letzte Spielfilm des finnischen Kultregisseurs Aki Kaurismäki feierte in Cannes seine Weltaufführung. Bei Arte ist die spröde Liebesgeschichte nun im Fernsehen zu sehen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Finnische Melancholie auf Schritt und Tritt: eine Großstadt, die aus Baustellen, Supermärkten und Hinterhofwohnungen zu bestehen scheint. Menschen, die dort leben und in prekären Jobs schuften, bis sie von fiesen Chefs gefeuert werden. Und dann Trost bei Drinks in einer Karaoke-Bar suchen.
In dieser in fahlen, manchmal dunklen Farben gemalten und zugleich seltsam zeitlos anmutenden Umgebung scheint es leidenschaftliche Gefühle vor allem in alten Kino-Streifen zu geben. Und in der Musik, die vom Schubert-Lied bis zu Tango und Elektrosound auf der Bühne oder aus der Jukebox erklingt.
Somit ist der Regie-Altmeister Aki Kaurismäki (68) also auch in seinem 20. und vorerst letzten Spielfilm "Fallende Blätter", der den Abschluss seiner Reihe "proletarischer" Filme bilden soll, seiner Handschrift treu geblieben.
Uraufführung 2023 in Cannes
Und die gilt vor allem seinen vielen eingeschworenen Fans längst als Kult. Manch anderer könnte sich dabei allerdings auch langweilen. Uraufführung feierte das nur 77 Minuten kurze Werk im Mai 2023 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes und gewann den "Preis der Jury". Weitere Auszeichnungen kamen später dazu. Am Mittwoch (25. Februar) um 20.15 Uhr ist der Film erstmals auf Arte im Fernsehen zu erleben.
In einer Spezialmischung aus eher kruder Sozialstudie, Liebesdrama und Märchen, versetzt mit Prisen lakonischen Humors, erzählt Kaurismäki die Geschichte der beiden nicht mehr jungen Gelegenheitsarbeiter Ansa (Alma Pöysti) und Holappa (Jussi Vatanen). Trotz all ihrer Schüchternheit kommen die Außenseiter einander am Ende nahe.
Wenn sie nämlich wie einst Charlie Chaplin und Paulette Goddard in "Moderne Zeiten" (1936) samt einem zugelaufenen Hund gemeinsam dem Horizont möglichen Glücks entgegenwandern. Oder im Fall von Hannes humpeln, da er gerade von einer Straßenbahn erfasst wurde.
Kaurismäki schrieb auch das Drehbuch und produzierte den Film. Seinem Stil entsprechend agieren beide Hauptdarsteller äußerst zurückgenommen, verstohlene Blicke inklusive. Dialoge gibt es ohnehin nur spärlich.
"Ich mag die Einsamkeit", sagt Holappa etwa eingangs. Doch dank der intensiven Ausstrahlung von Pöysti und Vatanen – letzterer ähnelt übrigens der Hollywood-Legende James Stewart (1908-1997) – kann man die Zwei gut und gern bei ihrer unbeholfenen, aber letztlich zielstrebigen Annäherung begleiten.
Spröder Zauber
Als sie sich in einer Bar zum ersten Mal sehen, sind sie wieder einmal arbeitslos – Holappa wegen seines Alkoholismus. Eine große Hürde, denn Ansa will nach einschlägigen Erfahrungen in ihrer Familie keine Beziehung mit einem Trinker. Tatsächlich wird der zunächst beleidigte Bauarbeiter daraufhin "trocken wie 'ne Wüstenratte", wie er ihr am Telefon erklärt. Auch andere Hindernisse wie lange Phasen des Getrenntseins überwinden die beiden auf ihre lakonisch konsequente Art.
In langen, ruhigen Einstellungen, die ein wenig wie "fallende Blätter" aufeinanderfolgen, entfaltet Kaurismäki den spröden Zauber, für den er berühmt ist. Übrigens: Der Film nimmt auf das gleichnamige Chanson von Jacques Prévert und Joseph Kosma Bezug.
Einzig Nachrichten vom Grauen in der Ukraine, die aus 60er-Jahre-Designerradios dröhnen, platzen regelmäßig in die Romanze. Die Welt ist eben kein Märchenspiel – doch kleine Wunder gibt es immer wieder. Man sollte an sie glauben.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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