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"Markus Lanz" am 17.11.2021: So düster ist die Vierte-Welle-Prognose von Karl Lauterbach

Die aktuelle Zahl an Corona-Neuinfektionen könnte laut Karl Lauterbach noch schlimmer sein als gedacht. Außerdem legte sich der SPD-Gesundheitsexperte im ZDF-Talk "Markus Lanz" mit einem CDU-Politiker an.

Laut Karl Lauterbach werden die hohen Infektionszahlen in den kommenden "zwei, drei Wochen" noch nicht sinken. Bild: ZDF

Die Anzahl von Corona-Neuinfektionen hangelt sich derzeit von einem Negativrekord zum nächsten. Mehr als 65.000 neue Fälle meldete das Robert Koch-Institut am Donnerstag (18.11.2021).

Karl Lauterbach zu Gast bei "Markus Lanz": Sind die aktuellen Infektionszahlen zu niedrig angegeben?

Nach Meinung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach könnte aber selbst diese Zahl deutlich zu niedrig angesetzt sein. Schon jetzt seien die Fallzahlen inklusive der Dunkelziffer wohl bei über 100.000 Infektionen täglich liegen, schätzte Lauterbach in der Mittwochssendung von "Markus Lanz". "Wir sind momentan in einer katastrophalen Situation", betonte der Sozialdemokrat.

Keine Kehrtwende in Sicht: Gesundheitsexperte befürchtet weiter steigende Neuinfektionen

Man werde in den kommenden "zwei, drei Wochen" das "Ruder noch nicht rumreißen können", prognostizierte Lauterbach. Wo das noch hingehen solle, wollte Gastgeber Markus Lanz daraufhin wissen. "Ob die Fallzahlen noch steigen werden, weiß ich nicht", räumte der SPD-Mann ein, sinken würden sie laut seiner Einschätzung aber vorerst nicht. Das bedeute täglich 200 bis 300 Intensivpatienten und bis zu 150 Tote: "Das ist eine menschliche Katastrophe." Dazu kämen die Folgen durch Long-Covid. "Das hätte nicht passieren müssen", urteilte Lauterbach.

Intensivpfleger: "Ich halte immer viel von den Prognosen von Herrn Lauterbach"

Ähnlich schlimm bewertete der Intensivpfleger Ralf Berning die Lage, der Lauterbach beipflichtete. "Ich halte immer viel von den Prognosen von Herrn Lauterbach, weil ich glaube, dass er einer der wenigen Menschen in Berlin ist, der verstanden hat, wie die Lage ist." Die derzeitige Lage mache "einen sehr, sehr nachdenklich", so Berning. Die Stationen seien schon jetzt "am Limit" - auch deswegen, weil es im Vergleich zum Vorjahr wegen Personalmangel im Pflegewesen etwa 6.300 Intensivbetten weniger zu besetzen gebe. "Wir könnten, wenn wir wollten, aber wir haben einfach zu wenig Personal."

Weniger eindeutig als seine Prognose hinsichtlich der Falllzahlen war Lauterbachs Einschätzung zur "epidemischen Lage von nationaler Tragweite", die die Ampel-Koalition auslaufen lassen will. Zunächst stellte der Epidemiologe im ZDF-Talk klar, Jens Spahn bei dessen Ankündigung mitgeteilt zu haben, "das ist ein schlechter Gedanke, das wird nicht funktionieren". Rhetorisch legte Lauterbach nach: "Die epidemische Lage wird absurderweise beendet. Kommunikativ ist das ein Super-GAU!"

Allgemeiner Lockdown für Geimpfte laut Lauterbach nicht sinnvoll

Umso überraschender war, was Karl Lauterbach folgen ließ: Er räumte ein, den Beschluss gemeinsam mit Grünen und FDP zu tragen. Trotz Unverständnis und Kritik in der Diskussionsrunde blieb der SPD-Politiker bei seiner Meinung - auch wegen pragmatischer Gründe: "Ich bin Arzt und Politiker. Ich versuche doch, das Beste aus der Situation zu machen." Nun müsse der Blick in die Zukunft gerichtet werden, um auszuloten, was umsetzbar sei.

In diesem Zusammenhang brachte Lauterbach einen "Instrumentenkasten" unterschiedlicher Maßnahmen ins Spiel, auf den die Länder dann nach Bedarf zugreifen könnten. Die Tatsache, dass das Auslaufen der epidemischen Lage Ausgangssperren und Geschäftsschließungen ausschließt, sei verschmerzbar, sagte er. Ein allgemeiner Lockdown für Geimpfte würde nach Meinung Lauterbachs keine signifikante Besserung der Corona-Lage bedeuten.

Lauterbach wirft CDU "billige Parteipolitik" vor

Ganz anders sah dies der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß, der ebenfalls bei "Markus Lanz" zu Gast war. Ein "fatales Signal" sei es, die Notlage für beendet zu erklären, widersprach er Lauterbach vehement. "Mit Sommerreifen in den harten Corona-Winter zu fahren", halte er für fahrlässig, führte Ploß aus. Er zog gar den Vergleich heran, die Bundesländer im Kampf gegen die Pandemie zu beschneiden sei, als würde man Feuerwehrleuten ihre Löschwerkzeuge wegnehmen.

Das wollte Karl Lauterbach so nicht stehen lassen und gab pikiert zurück: "Normalerweise sage ich so etwas nicht. Aber das, was Sie eben gesagt haben, das ist einfach unseriös." Die Verhältnismäßigkeit von Ausgangssperren sei laut Juristen angesichts der gegebenen Impfquoten nicht vorhanden, begründete er.

Einmal mehr machte sich Lauterbach dagegen für eine bundesweite 2G-Regel, besser 2G+, stark. Es sei "die einzige Möglichkeit". Würde dieses Vorgehen die Fallzahlen nicht eindämmen, "können wir die Katastrophe nicht beherrschen", befürchtete er. Bei der CDU machte er hingegen wegen deren permanenter Kritik an der anvisierten Beendigung der Notlage "billige Parteipolitik" aus.

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Dieser Inhalt wurde news.de vonswyrl.tvzur Verfügung gestellt.

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