Von Julian Weinberger - Uhr

"Markus Lanz" am 16.11.2021: Stiko-Chef enthüllt: Booster-Empfehlungen werden ausgeweitet

Bewahrt die Booster-Impfung Deutschland vor einer weiteren Eskalation der Corona-Lage? Stiko-Chef Thomas Mertens stellte im ZDF-Talk "Markus Lanz" nun in Aussicht, die Auffrischimpfungen werden schon bald für alle Menschen ab 18 Jahren empfohlen.

Die Empfehlung für Booster-Impfungen könnte laut Stiko-Chef Thomas Mertens bald auf 18 Jahren herabgesetzt werden. Beratungen sind für Mittwoch geplant. Bild: ZDF

Die Corona-Lage in Deutschland bleibt ernst: Seit Tagen steigt die Sieben-Tage-Inzidenz auf neue Rekordwerte, am Mittwochmorgen (17.11.2021) meldete das Robert Koch-Institut (RKI) einen Wert von 319,5. Auch die Anzahl von Neuinfektionen befand sich mit mehr als 52.000 auf einem neuen Rekordhoch. Um die Pandemie wieder in den Griff zu bekommen, rückt vermehrt die Booster-Impfung in den Mittelpunkt des Interesses. Bislang war sie für Menschen ab 70 Jahren empfohlen. Nun überraschte der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, im ZDF-Talk "Markus Lanz" mit einer neuen, deutlich davon abweichenden Ansage.

"Markus Lanz" am 16.11.2021: Stiko-Chef offenbart neue Altersempfehlung für Booster-Impfungen

Zunächst räumte Mertens ein, die Stiko werde am Mittwoch über die Altersgrenze bei Booster-Impfungen diskutieren. "Das wird nicht lange dauern, und dann wird die jetzt von Ihnen reklamierte Empfehlung auch kommen", entgegnete er die Frage von Gastgeber Markus Lanz nach einer neuen Ansage zu dem Thema. Doch Lanz wollte es genauer wissen und bohrte nach: "Runter wie weit?" Nach einem kurzen Zögern antwortete der Stiko-Chef kurz und knapp: "Bis 18", nicht ohne schuldbewusst nachzuschieben: "Das ist jetzt auch wieder gegen die Regeln, denn normalerweise äußern wir uns dazu nicht."

Stiko-Chef enthüllt Meinungsverschiedenheiten mit Jens Spahn

Mertens betonte in der ZDF-Sendung, dass im Augenblick nur etwa elf Prozent der über 60-Jährigen eine Booster-Impfung bekommen hätten. In Bezug auf Bekannte und Freunde in seinem Alter sagte Mertens: "Sie haben ihren Impftermin beim Hausarzt für Anfang, Mitte Dezember bekommen. (...) Das ist das Problem, verstehen Sie, und nicht das Problem, jetzt noch zu sagen, alle sollen zum Hausarzt laufen." Das Problem seien im Augenblick die Kapazitäten - "die Hausärzte sind stark gefordert im Augenblick". Anders als im Lockdown seien deren Praxen nun wieder voll - nicht nur mit Corona-Patienten. "Aus meiner Sicht hätte man die Impfzentren nicht schließen müssen", hielt Mertens fest. "Es war ein Fehler, die Maßnahmen der Übertragungshemmung so schnell zurückzunehmen."

Booster-Impfung gegen Corona: Wer darf die Auffrischungsimpfung bekommen?

Bund und Länder hatten sich bereits vorletzte Woche verständigt, Auffrischungsimpfungen grundsätzlich für alle ermöglichen zu wollen. Sie sind frühestens sechs Monate nach vollständiger Impfung vorgesehen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, allen Menschen ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus zu ermöglichen - auch wenn die letzte Impfung noch nicht sechs Monate her ist. Auch die Gesundheitsminister der Länder betonten aber in einem Beschluss, dass besonders Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie medizinisches und pflegerisches Personal die Booster erhalten sollen.

Thomas Mertens versuchte nun bei "Markus Lanz", diese kommunikative Unwucht auszuräumen, indem er betonte, die Empfehlungen der Stiko und die der Gesundheitsminister der Länder seien übereinstimmend.

Lanz ließ jedoch einmal mehr nicht locker und bemängelte das Kommunikationsdefizit: "Warum sagen Sie dann nicht dasselbe, wenn Sie doch im Grunde dasselbe meinen?" Mit der harten Nachfrage lockte er sein Gegenüber aus der Reserve. "Das habe ich Herrn Spahn genau so gesagt", wehrte sich Mertens. "Warum sagen wir es nicht sozusagen so, wie wir es meinen?" Wie schon bei der ersten Impf-Runde seien Schutzbedürftige bei der Verabreichung von Booster-Impfungen priorisiert. Spahn habe aber lieber die Formulierung in Bezug auf die Sechs-Monatsfrist beibehalten, erläuterte Mertens.

FDP-Politiker erwägt "einrichtungsbezogene Impfpflicht"

Auch bei einem weiteren Thema redete der Stiko-Chef nicht lange um den heißen Brei herum. "Sie ist leider sehr viel schlechter, als sie sein müsste", urteilte Mertens ganz allgemein über die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie. Noch seien deutlich zu wenige Menschen via Impfung gegen das Virus immunisiert. Um eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern, sei eine deutlich höhere Impfquote als die bislang erreichten 70 Prozent nötig. "Wir müssen sicher irgendwo um 90 Prozent oder besser noch darüber. Je höher, desto besser", machte Mertens deutlich.

Ob eine Impfpflicht dabei helfen kann, wird derzeit heiß diskutiert. Bei der FDP könnte sich dahingehend ein Kurswechsel ankündigen. Während Generalsekretär Volker Wissing zuletzt im "Handelsblatt" trotz vierter Welle eine Impfpflicht noch kategorisch ausgeschlossen hatte, machte dessen Parteikollege Alexander Graf von Lambsdorff bei "Markus Lanz" nun die Tür ein Stück weit auf: "Ich bin dafür offen." Man könne "eine einrichtungsbezogene Impfpflicht durchaus diskutieren", befand der Politiker. Eine unzumutbare Verschärfung der Arbeitsschutz- und Hygieneregeln sei nach Einschätzung des FDP-Mannes dadurch nicht gegeben. Einzig die Frage bezüglich etwaiger Kündigungen von Pflegepersonal bleibe offen.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

Dieser Inhalt wurde news.de vonswyrl.tv zur Verfügung gestellt.

loc/news.de/swyrl.tv/dpa