Uhr

"Kannste Kanzleramt?" bei Sat.1: Scholz, Laschet oder Baerbock - Wer konnte Deutschlands Schüler überzeugen?

Auf SAT.1 trafen am Donnerstagabend die drei Kanzlerkandidaten von SPD, CDU und Grünen auf neugierige Schüler. Alles nur ein Kinderspiel? Von wegen - das war ziemlich gute Unterhaltung! Armin Laschet sah sich unversehens genötigt, das Tanzbein zu schwingen.

Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz (von links) mussten am Donnerstag kindgerecht ihr Wahlprogramm präsentieren. Wer konnte die Schüler am Ende überzeugen? Bild: SAT.1 / André Kowalski

Nicht Mathe, nicht Deutsch und auch kein Bio: Auf dem Stundenplan von 17 Schülern aus ganz Deutschland, die sich in einem Klassenzimmer in Berlin-Pankow zusammengefunden haben, stand ausnahmsweise etwas anderes: Kanzlerkandidaten auf Herz und Nieren checken. Für jeweils eine Schulstunde stellten sich nacheinander Annalena Baerbock (Die Grünen), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) den neugierigen Fragen der 8- bis 13-Jährigen. Die charmante Idee hinter der SAT.1-Sendung "Kannste Kanzleramt?": Wie verständlich können die drei Spitzenpolitiker ihre Ideen den Kindern übermitteln? Und wie überzeugt sind die Wähler von morgen nach dem hohen Besuch?

"Kannste Kanzleramt?" bei Sat.1: Schüler nehmen Kanzlerkandidaten in die Mangel

Die Schüler redeten, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: Armin Laschet wurde von einem Jungen "auf ungefähr 74 Jahre" geschätzt, Annalena Baerbock von einem Mädchen dafür gelobt, dass sie "nicht nur Schmini-Schminki im Kopf hat", und Olaf Scholz wurde gefragt, warum er denn eigentlich "nie ausrastet" ... - Ein auffallend schick gekleideter kleiner Junge mit weißem Hemd und grüner Fliege wollte von Baerbock ("Ich war ganz schon nervös, bevor ich hier rein gekommen bin!") wissen, ob sie sie ihr Wahlprogramm in einem Satz zusammenfassen könne. "Puh, so eine schwierige Frage habe ich von Journalisten noch nie bekommen", stöhnte die grüne Kanzlerkandidatin. - "Ein Satz? Für ein gutes Klima, für starke Kinder und für ein Europa, in dem alle gern leben", antwortete sie.

Dass sie die Frau fürs Klima ist, wussten alle im Klassenzimmer. Dass sie noch nie ein Regierungsamt inne hatte, ebenfalls: "Jeder hat mal klein angefangen, vielleicht war sie schon mal Klassensprecherin?", mutmaßte ein Junge. Ein anderer sagte, er wolle mit 18 Jahren "schon ein bisschen Heizen auf der Autobahn", warum sie denn für ein Tempolimit sei? Baerbock: "Bei Tempo 130 gibt es viel weniger Tote. Das wissen wir durch viele Studien".

Baerbock singt Karaoke

Doch es ging in dieser Sendung auch um Persönliches: "Haben sie schon mal geweint,wenn in der Presse etwas Böses über sie geschrieben stand?", fragte ein Mädchen. Baerbock verneinte, erzählte aber, dass sie sich sehr darüber geärgert habe, dass sie einmal bei einer Rede geflucht habe, während noch die Kameras liefen. "Wenn man merkt, man hat was falsch gemacht, muss man das auch sagen", gab die 40-Jährige dann auch gleich die Antwort auf die Frage, ob sie sich geschämt habe dafür, das sie beim "Abschreiben" für ihr Buch erwischt wurden sei.

Doch das nächste Fettnäpfchen wartete schon: Die Kinder haben Baerbock ein Karaoke-Set geschenkt und wollten es gleich testen: "Wenn ich jetzt singen muss, verliere ich ganz bestimmt die Bundestagswahl!", scherzt die Grüne, ließ es sich dann aber doch nicht nehmen, gemeinsam mit den Kids "We Will Rock You" zu skandieren. Das kam gut an. "Ich fand sie auch ein bisschen verrückt", freute sich ein Mädchen und ein anderes ist sich sicher, dass sie gerade die nächste Kanzlerin kennengelernt hat: "Sie ist dafür gemacht!"

Armin Laschet über seine Grundschulliebe

 

Ob der CDU-Kandidat als Kanzler taugt? "Der ist so ein bisschen wie Merkel, nur als Mann", befand ein Schüler. Im Gegensatz zu Merkel möge er aber eins besonders: Karneval. Doch kann er in 60 Sekunden die Begriffe konservativ und liberal erklären? "Konservativ kommt aus dem Lateinischen conservare, das bedeutet erhalten", holte Laschet aus. Ein Mädchen konnte da nicht so ganz folgen: "Entschuldigen Sie! Es wäre gut, wenn sie die Tafel benutzen würde!"

Aufmerksamer waren die Schüler, als Laschet erzählte, wie er seine Frau kennengelernt hat: Nämlich tatsächlich schon in der Grundschule. "Unsere erste Begegnung war aber nicht ganz so nett. Ich habe sie geschubst", so der 60-Jährige. "Also, wenn du einen Jungen triffst, den du nicht ganz so nett findet, könnte es sein, dass du ihn vielleicht noch heiratest, wer weiß", so Laschet lächelnd.

Lesen Sie dazu auch:

Laschet entschuldigt sich für Lacher im Flutgebiet

"Mich würde interessieren, über was sie den bei der Flutkatastrophe gelacht haben?", legte ein Junge nach. Laschet gab sich reumütig: "Nee, das war blöde. Der Bundespräsident stand ganz vorne und habe kein Wort verstanden, und da hat dann irgendeiner eine blöde Bemerkung gemacht. Da sind dann dies Bilder entstanden, das tut mir auch leid". So wichtig sei das aber auch nicht gewesen, "es lohnt nicht, das zu vertiefen", so Laschet.

Kinder feiern Laschet als "sympathischen Kerl"

Eher lieber nicht vertieft hätte der CDU-Mann augenscheinlich auch das Spiel, bei dem er gesummte Lieder erkennen sollte. Weder bei "Viva Colonia" fiel der Groschen noch bei "So ein schöner Tag". "Stehen Sie auf!", forderte eine Schülerin Laschet zum Mittanzen auf. Stark gebremst wedelte der CDU-Spitzenkandidat mit den Armen und hüpfte nur ein ganz kleines bisschen mit. Die Macht der Bilder - in diesem Moment war der Gedanke an das, was die Presse ihm daraus wieder für einen Strick drehen könnte offensichtlich stärker als die Lust auf den harmlosen Kinderspaß. "Die haben mich zu ganz ungewöhnlichen Dingen gebracht", freute sich Laschet danach dennoch. Und was dachten die kritischen Kids? "Sympathischer Kerl und seine Politik ist auch ganz okay", sagt Einer.

Olaf Scholz: "Ich habe auch ein Herz"

 

Der Letzte in der Runde war SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Auch bei den Kids eilte ihm sein Ruf voraus: "Er ist ziemlich ruhig", sagt ein Junge. Früher sei er "ziemlich links" gewesen, wusste ein anderer. "Und ich hatte deutlich mehr Haare", sagte Scholz. Was auffiel: Im Gegensatz zu Baerbock und Laschet nannte der Finanzminister die Kinder nicht bei ihren Namen, rief sie mit "Du da hinten" auf. Dafür überzeugte er die Noch-Nicht-Wähler mit Sachkenntnis - auch wenn die Aufgabe so schwer war, wie diese: Scholz sollte "globale Mindeststeuer" in einer Minute erklären. Es gelang ihm. Die Kids anerkennend: "Das haben sie sehr gut erklärt!"

Ob er denn auch mal mit anderen Politikern streite, lautete eine Frage. "Ich schreie nie rum, ich versuche, die Leute zu überzeugen", übte sich Scholz in Selbstanalyse. Dann wurde er noch mal härter auf die Probe gestellt: "Sie bezeichnen sich als Feminist, was machen sie denn für Frauen?", wollte ein Mädchen wissen. Scholz parierte auch da, sprach davon, dass er in seiner Regierung die Hälfte aller Posten mit Frauen besetzen will, sich für gleiche Löhne und mehr Kitas und Ganztagsangebote einsetzen will. Und wie würde er sich in drei Worten beschreiben? Scholz zögerte, bevor er eine überraschend emotionale Antwort gab: "Ich bin ruhig, entscheidungsstark, und ich habe auch ein Herz." Dass Markus Söder gesagt habe, er würde "schumpfig grinsen", hätte er auch "ganz lustig gefunden", erklärte Scholz. "Seitdem kriege ich ganz oft Schlümpfe geschenkt."

Scholz scheitert an Wissensfrage

Gar nicht lustig fand Scholz hingegen, dass er eine Wissensfrage der Schüler nicht korrekt beantworten konnte. Was ist das deutsche Wort für konjugieren? Scholz: "Fälle bilden?" Die richtige Antwort wäre beugen gewesen. "Das mit dem Beugen wurmt mich, das hätte ich wissen müssen", ärgerte sich Scholz.

"Er war sehr nett und hat auch offen geredet", so das Urteil eines Mädchens. "Dadurch, dass er sehr ruhig ist und gelassen wirkt, hat er eine gute Chance aufs Kanzleramt", glaubt ein Junge. Den Stresstest im Klassenzimmer haben alle drei Kandidaten also überstanden. Am 26. September wissen wir dann, wer sich außerhalb von Tafel, Pult und Schulbänken am besten geschlagen hat.

Dieser Inhalt wurde news.de von swyrl.tv zur Verfügung gestellt.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

sba/news.de/swyrl.tv