01.05.2021, 16.20 Uhr

"heute-show" im ZDF: Schweigen zu #allesdichtmachen schreit zum Himmel

GroKo-Schimpfe hier, Laschet-Mitleid da und Merz-Bashing allenthalben. Natürlich Kampf für die Menschenrechte. Und die Haustiere. Aber in der "heute-show" gab's erneut kein Wort über den Kulturaufreger #allesdichtmachen. Und dieses Schweigen schreit zum Himmel.

Wo steht die CDU? Die "heute-show" meint: "Nach 16 Jahren mit Angela ist die CDU völlig ausgemerkelt." Bild: © ZDF

Es tut gut, wie respektlos und geistreich sich die "heute-show" allfreitäglich der mitunter haarsträubenden politischen und/oder gesellschaftlichen Seltwürdigkeiten widmet und sie satirisch-genüsslich als Schildbürgerstreich enttarnt. Wer aber gekonnt austeilt, muss auch einstecken können. Den Berufsbissigen um Oliver Welke war der Aufruhr um #allesdichtmachen keinen einzigen Satz, keine Pointe, kein kritisches Wort wert. Kein "Sonderreporter", der sich der Thematik annahm. Wie kann das sein?

Schweigen zu#allesdichtmachen in "heute-show" verwundert

Dabei hätte man sich gewünscht, dass mal ein Gernot Hassknecht leidenschaftlich brüllend zwischen die 53 Videos führe, die da mit vielleicht bestem Willen, aber womöglich auch schlechtestem Erfolg als "Coronapolitikkritik" veröffentlicht wurden. Oder dass gern auch eine andere einordnende Haltung kenntlich würde.

Aber Hassknecht blieb stumm, seine Kollegen auch. Ist den Autoren der "heute-show" innerhalb einer Woche gar nichts eingefallen? Oder war ihnen das Thema, das ganz Deutschland bewegte, nicht wichtig genug? Oder war es zu heiß, weil viele selbst Schauspieler sind und es sich mit den Kollegen nicht verscherzen wollten? Normalerweise bleibt einem bei einem "heute-show"-Gag gerne mal das Lachen im Hals stecken. Diesmal hinterließ das Schweigen - das zum #allesdichtmachen-Thema übrigens auch vollumfänglich auf dem "heute-show"-Instagram-Account herrscht - gelinde gesagt Verwunderung.

Politiker und GroKo kriegten ihr Fett weg

Wenn die grenzwandelnden Kulturschaffenden also von den kulturschaffenden Late-Night-Kollegen verschont werden, bekommen die üblichen Verdächtigen ihr Fett von der "notorischen Nörgelsendung" (O-Ton Welke) weg. Die Politiker im Allgemeinen und natürlich die GroKo im Besonderen. Die spiele gerade auf Zeit, weil sie Angst vor der Zwei-Klassengesellschaft der Geimpften und Ungeimpften habe. Deshalb sei bei der letzten Ministerpräsidentenkonferenz auch nichts beschlossen worden, was wiederum zu totaler Harmonie führte. Und das "In einer Runde", so Welke, "in der sonst alle durcheinanderbrüllen, die Hälfte beleidigt ist und mindestens einer heult."

Olaf Schubert: "Ja, die Jungen impfen! Aber die Mädchen schon auch."

Den Logikbrüchen in den Bestimmungen zur Notbremse widmete sich Martin Klempnow, der unter anderem im "Hundezuhälter" einen neuen Job für Kriminelle ausmachte: Subjekte, die Hunde an Menschen zum nächtlichen Gassigehen vermieten. Olaf Schubert vom Ethikrat sah in Sachen Impfneid keine allzu großen Gefahren. "Die Belastungen sind gleich verteilt. Bisher mussten viele Menschen ungeimpft zu Hause rumsitzen. Jetzt haben wir den Fortschritt: Jetzt können sie geimpft zu Hause rumsitzen." Die vielfach geäußerte Forderung, jetzt "die Jungen zu impfen", wertete Schubert als verständlich. "Das wäre fair", aber: "Die Mädchen dann auch, das muss ich als Feminist fordern."

Welke: "Deutsche Profite durch Inkaufnahme von Kinderausbeutung"

Corona mache traurig, aber nicht einmal Schokolade, so Welke, biete Freude. Nur acht Prozent des weltweit produzierten Kakaos werde unter fairen Bedingungen geerntet, keiner der Marktführer könne Schokolade ohne Kinderarbeit, Armut und Umweltschäden garantieren.

Passend habe die GroKo auf Druck der Wirtschaftsverbände auch noch das Lieferkettengesetz verstümmelt, um das jahrelang gestritten wurde und das zum Kompromiss degeneriert sei. "Schutz der Menschenrechte, der nix kostet?", meinte Welke, "Das klingt sehr nach 'Abnehmen mit der Mayonnaise-Diät'."

"Kampf für Menschenrechte ist also linke Ideologie?"

Und trotzdem werte der CDU-Wirtschaftsrat das Gesetz noch immer als zu streng und als "linksideologisches Projekt". "Aha", wütete Welke, "Kampf für Menschenrechte ist also linke Ideologie?" Nein, das Lieferkettengesetz in der jetzigen Version falle nicht nur hinter die Standards der UN-Kinderrechtskonvention zurück, sondern sichere deutsche Profite durch billigende Inkaufnahme von Ausbeutung.

Wahnsinn: Ein Lob für einen Politiker! Es trifft Gerd Müller!

Wie man so was richtig macht, also Gesetze zu blockieren, zeigten Birte Schneider (Christine Prayon) und Oli Welke in der "Lobbythek". Wichtig sei eine Kanzlerin, die für Wirtschaftsverbände immer und für Gewerkschaftler selten zu sprechen sei. Aber vor allem ein "Doppelagent der Kinderausbeuter", wie Hans Michelbach. Der sei nämlich nicht nur in der CSU, sondern auch im Präsidium des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Das sei toll, denn so konnte "der Hansi" als Wirtschaftslobbyist direkt bei sich selbst als Politiker gegen das ach so strenge Lieferkettengesetzt protestieren.

Eher schlecht geeignet für die Verhinderung eines solchen Gesetztes seien Leute wie der CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller. Denn die setzten sich viel zu engagiert für die richtige Sache (in diesem Fall die Menschenrechte) ein. Zum Glück, gebe es nicht so viele von der Sorte. Und Müller - der erste Politiker, den Welke in diesem Jahr öffentlich lobte! - leider auch nicht mehr lange. Im Herbst hört er auf.

Dabei geht's im Herbst erst richtig los. Nur in welche Richtung, das weiß derzeit auch Armin Laschet nicht. Und auch nicht seine Partei.

Markus Söder, "der fränkische Obama", piesackt Armin Laschet

"Warum begibt sich der Laschet auf diesen Weg der Leiden?", fragte sich Dietmar Wischmeyer in seiner Reihe "Menschen im Abseits" und rief aus: "Ist denn niemand da, der den armen Armin einfach mal in den Arm nimmt?" Der habe es nicht leicht, wenn er vom "siegreichen Verlierer Markus Söder, dem fränkischen Obama, gepiesackt" werde. "Selbst wenn er Kanzler wird, gibt's dauernd Gequake aus München."

CDU völlig "ausgemerkelt" - Partei auf Irrwegen

Aber nicht nur Laschet hat's nicht leicht. Und indem er Friedrich Merz ins Team holt, den, so Oliver Welke, "kommenden Wirtschafts-, Verkehrs-, Finanz- und Familienminister", werde es nicht leichter. Die ganze Partei sei nach 16 Jahren Angela völlig "ausgemerkelt". Das führe zu Irritationen und Irrwegen, letztere vor allem im Osten, wo vielerorts gar nicht mehr so heimlich von Kooperationen der CDU mit der AfD geträumt werde.

Ein Albtraum wurde schon wahr: Ex-Bundesverfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen kandidiert für die CDU in Thüringen für den Bundestag. Oliver Welke: "Glückwunsch, CDU, jetzt habt ihr auch euren Sarrazin."

Dieser Inhalt wurde news.de von swyrl.tv zur Verfügung gestellt.

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