24.02.2021, 11.08 Uhr

Markus Lanz: Twitter entsetzt nach ZDF-Talk: Virologe soll als "Versuchskaninchen eigene Kinder nehmen"

Am Dienstagabend hatte Talkmaster Markus Lanz den Virologen Alexander Kekulé im ZDF-Talk zu Gast. Doch statt "epidemiologischer Einschätzungen" bekamen die Zuschauer eher "subjektiv politische" Meinungen präsentiert, darunter ein Vorschlag zum Öffnen und "Schauen, was passiert". Auf Twitter entbrannte ein Shitstorm, der gleich mehrere Aussagen Kekulés scharf kritisierte.

Am Dienstagabend hatte Talkmaster Markus Lanz u. a. den Virologen und Epidemiologen Alexander Kekulé im ZDF-Talk zu Gast. Doch statt "epidemiologischer Einschätzungen", bekamen die Zuschauer eher "subjektiv politische" Meinungen präsentiert. Bei Twitter entbrannte ein Shitstorm sondersgleichen, der neben der Verunglimpfung des Astrazeneca-Impfstoffs durch Kekulé vor allem den Aufruf zum Öffnen und "Schauen, was passiert" kritisierte.

Virologe spricht über Psychologie statt über Virologie

Ein sozialer und psychologischer Kollateralschaden wäre nach Ansicht des Virologen Alexander Kekulé der Preis für die von der Bundesregierung angestrebte Inzidenz von 35. Außerdem erklärte der Mediziner bei "Markus Lanz" die Bedeutung von Schnelltests.

Kommunikation ist seit Beginn der Corona-Krise entscheidend, wenn es darum geht, Verständnis für ergriffene Maßnahmen zu schaffen. Entsprechend sorgen Anpassungen wie die Senkung des angestrebten bundesweiten Inzidenzwerts von 50 auf 35 häufig für Unmut in der Bevölkerung. Am Dienstagabend stellte Markus Lanz in seiner ZDF-Sendung angesichts einer bei einem Wert von etwa 60 stagnierenden Inzidenz die Frage, ob niedrigere Zahlen überhaupt realistisch seien. Virologe Alexander Kekulé zeigte sich mehr als skeptisch. Dieses Ziel sei hierzulande nur erreichbar "unter Opfern, die die Gesellschaft nicht mehr mitmacht".

Kekulé spricht von sozialen Kollateralschäden - dabei ist das nicht sein Fachgebiet

Vier Monate "Lockdown light" und - für deutsche Verhältnisse - harter Lockdown haben Spuren hinterlassen. Die landesweite Inzidenz "jetzt runterzuquetschen auf die 35 hätte zu viel Kollateralschaden - sozialen, psychologischen Kollateralschaden", so Kekulé. "Wir haben geblutet sozusagen, um an diesen Punkt zu kommen", erklärte der Mediziner. Dabei spiele es kaum eine Rolle, ob der Inzidenzwert nun bei 50 oder 60 liege. Dies sei "bei einer Sache, die ohnehin nur mit dem großen Raster erhoben wird, nicht relevant".

Lockdown nachschärfen, oder "selektiver vorgehen"?

Der Virologe führte aus, dass Lockdown-Maßnahmen im Prinzip ab dem Moment ihrer Einführung wirksam seien - teils sogar zuvor, wenn sich die Menschen anpassen -, aber die Effekte erst später sichtbar würden. Mit den aktuellen Lockdown-Bedingungen in Deutschland würde man die Inzidenz demnach nicht weiter drücken können. "Es hat keinen Sinn zu sagen, wir hungern jetzt weiter bis zum Sommer oder ähnliches oder bis alle durchgeimpft sind", stellte der 62-Jährige klar. "Jetzt müssten wir entweder nachschärfen, wenn wir unbedingt auf die 35 wollen, oder, was ich vorschlage, viel selektiver vorgehen."

Selektiver Vorgehen - das bedeutet in diesem Fall den Einsatz von Schnelltests, die nun wohl doch nicht wie zunächst von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt am 1. März kommen. Nach Ansicht des Virologen sind die Tests aber eine große Hilfe bei körpernahen Dienstleistungen oder um die Schulen offenzuhalten. Die Schnelltests standen lange aufgrund ihrer nicht optimalen Sensitivität und der Befürchtung, man könne nicht alle Corona-Positiven identifizieren, in der Kritik.

Kekulé: Nicht jeden aufspüren, "der noch drei Viren in der Nase hat"

Doch Kekulé erklärte, warum dieses vermeintliche Problem auch Vorteile habe: "Das ist eigentlich gut, dass die nicht alles erkennen, für die epidemiologische Situation." Schließlich wolle man ja nicht jeden aufspüren, "der irgendwie noch drei Viren in der Nase hat". Stattdessen sei etwa entscheidend, ob ein Schulkind ansteckend sei und aus dem Unterricht genommen werden müsse.

Schließlich wollte Gastgeber Markus Lanz noch wissen, ob Kekulé die aktuellen Schulöffnungen in zehn Bundesländern befürworte. "Ich würde nicht in zehn Bundesländern die Schulen öffnen, und schauen was passiert", entgegnete der Mediziner. Er hätte es bevorzugt, zuvor Tests unter "streng wissenschaftlicher Kontrolle" in zwei oder mehreren Schulen in Gebieten mit hohen und niedrigen Inzidenzen durchzuführen. Doch wie der Virologe selbst einräumen musste, wäre dies eine sehr akademische Herangehensweise gewesen.

Twitter entsetzt über Kekulés Vorschlag zum "Menschenexperiment"

Mit dem, was eher einer persönlichen Meinung eines Privatmannes als einer wissenschaftlichen Beobachtung eines Virologen entsprach, zog Kekulé den Unmut der Twitter-Nutzer auf sich. Die kritisieren zum einen Kekulés unwissenschaftliche Verunglimpfung des Astrazeneca-Impfstoffs und zum anderen die Verharmlosung der Pandemie mit dem Aufruf zu "Menschenexperimenten."

"Unter streng wissenschaftlicher Kontrolle" baut jetzt auch #Kekule ein schönes Menschenexperiment nach.Wunderbar!", schimpft etwa ein User auf Twitter. Ähnlich sieht es diese Nutzerin: "#Lanz wenn Kekule Versuchskaninchen will, soll er seine eigenen Kinder nehmen.Ich bekomme gerade die Krise bei dem was ich höre. Die Moral in diesem Land ist echt am Arsch."

Kekulé erntet scharfe Kritik für "subjektiv politische Einschätzung"

"#Kekulé geht mir mit seinem Zerreden des #AstraZeneca Impfstoffes so auf die Nerven! Versuche selbst in meinem Umfeld klar zu machen, dass der Impfstoff auch sehr gut ist und dann kommt er mit "Gibt auch bessere Impfstoffe" "Impfstoff 2. Klasse" vor einem Millionenpublikum. #lanz", schreibt eine andere Twitter-Nutzerin.

"#lanz ob Kekule das „Experiment" auch an den Schulen gemacht hätte, in dem seine Kinder sitzen?", fragt diese Userin in ihrem Tweet zu Lanz.

Folgender Herr meint: "Wer Kekulè als Experten einlädt um eine epidemiologische Einschätzung zu bekommen ,bekommt eine subjektiv politische Einschätzung."

"Puh... Kekulé ist ja mal ganz auf der Linie mit Streeck und möchte kontrolliert Schulen für wissenschaftliche Zwecke öffnen ohne Masken, weil er das für "pädagogisch als Virologe schwierig hält". Mann schlägt sich die Hand vors Gesicht #Lanz", tönt es dieser Herr ähnlich. Bleibt zu hoffen, dass Herr Kekulé mit seinen Einschätzungen nicht zur Verharmlosung der Pandemie beigetragen hat.

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Dieser Inhalt wurde news.de von swyrl.tv zur Verfügung gestellt.

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