30.01.2021, 08.25 Uhr

"heute-show" vom 29.01.2021: "Haltet sie nicht auf!" ZDF-Show gratuliert der AfD

Wer gerade aufgewacht ist, ist selten topfit. So ging's auch der "heute-show" (ZDF). In der ersten Sendung nach der Winterpause waren einige Gags noch im Winterschlaf. Aber, immerhin: Oliver Welke präsentierte den neuen deutschen Kanzler!

Der AfD graut's vor nichts: Sie kupfert sogar Ideen von Donald Trump ab - und hetzt gegen die Briefwahl. Oliver Welke ist fassungslos. Bild: ZDF

Bei ein paar Gags, eher Kalauern, schien Oliver Welke in der ersten Ausgabe der "heute-show" im neuen Jahr selbst Magengrimmen zu haben. Dass sich Mecklenburg-Vorpommern wegen der Gaspipeline Nord Stream 2 in "Mecklenburg-Rohrpommern'' umbenennt. Muhaha. Oder: Weil es mancherorts zu der sonderbaren Coronakapriole kommt, dass Blumen nur per telefonischer Vorbestellung, nicht aber im Laden gekauft werden können, will Welke künftig nur noch bei Amazon Primel bestellen. Tätä! Und "Pandemiecoach" Olaf Schubert bemühte doch tatsächlich einen Gag aus der Witzesteinzeit: "Wenn einer bis zum Hals in der Jauche steht: Nicht den Kopf hängen lassen."

"heute-show" am 29.01.2021 im ZDF: Mit Kalauern aus der Winterpause zurück

An Welkes flapsiger Selbstkritik zum Thema Joe Biden ("Wir müssen endlich inhaltlich relevante Gags über Biden finden statt der durchgenudelten Opa-Witze") war also wirklich was dran (die inhaltlich relevanten Gags blieben nämlich aus). Aber: Es ist Jammern auf hohem Niveau. Erstens gab es auch ein paar schöne Schenkelklopfer beziehungsweise Wadlbeißer. Und zweitens: Ist Humor nicht, wenn man trotzdem lacht?

Schutz vor Corona: "Arbeiten Sie, als ginge es um ihr Leben!"

Auch wenn Welke feststellte "Immer noch Lockdown, immer noch leeres Studio, immer noch Homeschooling", hat sich durchaus was geändert: Impfstoffentdeckung und Impfungsmöglichkeit führten Deutschland direkt in die Impfpannen: "Der einstige Coronastreber Deutschland wurde zum verhaltensauffälligen Problemkind", metapherte Welke. Unglaublich sei, dass den Deutschen ihr Talent als "Organisationsweltmeister und Effizienzkönige" abhanden gekommen sei.

Dass ausgerechnet Kanzlerin Angela Merkel kritisiere - "Die Schnelligkeit des Handelns lässt zu wünschen übrig" -klinge, als hätte sie gerade ihr Abtrittszeugnis formuliert. Welke: "Wer hat denn regiert, als die Gesundheitsämter in den letzten Jahren kaputtgespart wurden?" Da gäbe es auf der einen Seite riesige Rückstände in der Digitalisierung der Verwaltung und andererseits zu viel Bürokratie, die regelrechte Schildbürgerstreiche generiere. Was direkt zum Brüller mit Amazon Primel führte.

"Warum", wunderte sich Welke, "ist das Privatleben strengstens durchreguliert", wogegen es am Arbeitsplatz lediglich "Appelle" gäbe? Des Rätsels Lösung: "Arbeitgebernahe Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Virus nicht überall ansteckend ist. Es spürt instinktiv, wo Geld verdient wird." Und dann verzichte es aus Respekt vor dem Bruttinlandsprodukt auf Ansteckung. Logische Konsequenz: "Arbeiten Sie, als ginge es um ihr Leben!"

"Die AfD labert sich selbst ins Abseits!"

Und natürlich: "Warum wurde so spät Impfstoff bestellt?" Welkes Rechnung: "Hätte man im Sommer von jedem der sechs aussichtsreichsten Impfstoffe auf Verdacht für 60 Prozent der EU-Bürger Impfstoff bestellt und gekauft, hätte das 36 Milliarden Euro gekostet. So viel wie ein Lockdown-Tag in Europa." Klar, jetzt hätten "Uschi und ihre Leute" für die EU erfolgreich gefeilscht, aber was tun mit dem bisschen gesparten Geld: "Davon können wir Kränze kaufen oder Kerzen zum ins Fenster stellen." Böse geht auch direkt nach dem Winterschlaf!

Und gegen die AfD, denn "natürlich verachten weite Teile der AfD die parlamentarische Demokratie". Aus diesem Grund gratulierte Welke der Partei zu ihrer "Beförderung": vom rechtsextremen Prüffall zum rechtsextremen Verdachtsfall. Der Verfassungsschutz trägt sich mit dem Gedanken, die AfD zu beobachten. Davon riet Till Reiners in seinem "Schluss-Plädoyer" ab: "Die AfD labert sich selbst ins Abseits, haltet sie nicht auf." Mit jedem Interview sänken die Umfragewerte, weil die AfD bei Corona nicht ihre bisherige Taktik (zu allem Nein sagen) beibehalten könne und sich die Politiker deshalb permanent widersprächen. Reiners: "Die AfD braucht dringend mehr Raum, sich selbst zu zerlegen."

 

Trump: veganer Grillabend mit Wendler und Hildmann?

Dass die AfD sich nun ausgerechnet auf das Thema Briefwahlen einschieße und von Betrugsmöglichkeiten fasele, ließ Welke fast angeekelt reagieren: "Wie erbärmlich ist das denn: abgelegte Trump-Ideen klauen!" Damit war der Bogen geschlagen zu Donald Trump, der, so Welke, wohl grade am Pool in Florida liege und sich vom Wendler zum veganen Grillabend mit Attila Hildmann einladen lasse.

Aber Trump war nicht wichtig, wichtiger: "US-Präsident Joe Biden - wie fremd und zugleich wunderbar das klingt." In der deutsch-amerikanischen Freundschaft wieder Friede, Freude, Eierkuchen herzustellen, werde aber dauern. Mit dem Verschwinden Trumps, der "als Bösewicht sehr praktisch" gewesen sei, werde wieder offensichtlich, wo Deutschland nur an sich denke. Etwa beim Thema Handelsüberschuss oder bei Nord Stream 2, der Gaspipeline von Russland nach Deutschland.

Abgesehen davon, dass die deutsche Russland-Politik "schizo" (Welke) sei ("Wir halten einerseits die Hand über Nawalny und andererseits über Nord Stream 2, also die Politik Putins!"), werde die Pipeline auch Joe Biden ein Dorn im Auge sein, denn "Amerika will uns sein teures Flüssiggas verkaufen".

 

US-Agenten sicher? "Next Kanzler is the crazy King of Bavaria!"

Aber: Obwohl die Pipeline "von Anfang an ein Fehler" gewesen sei und man das Russen-Gas, so Forschermeinung, auch gar nicht wirklich benötigte: Erstens mache jetzt ein Bauabbruch keinen Sinn mehr und zweitens wolle auch Deutschland das Projekt. Vor allem Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Deren gefrustete Äußerung, wonach die Aufregung viel kleiner wäre, wenn die Pipeline aus Skandinavien käme, bestätigte Welke: "Ja, weil Skandinavien insgesamt wesentlich weniger Oppositionelle umbringen lässt."

Dass Schwesig eigens die "Stiftung Klima & Umweltschutz" gründete, damit diese den Pipelinebau sichere, sieht Welke als "Wahnsinn". "Das ist so, als ob sich Tönnies umbenennt in 'Stiftung für Kälberwohlergehen und Arbeitsplätze in Bulgarien".

Joe Biden bereitet sich wohl schon auf einen neuen Verhandlungspartner im Kanzleramt vor. Er ließ die potenziellen Nachfolger von Angela Merkel checken. Erkenntnis, laut Bericht aus der "Geheimakte": "Forget Armin. Der wird nie Kanzler. The next Kanzler is the crazy king of Bavaria!" Dazu gab's Bild von Markus Söder im Kini-Style à la Ludwig II. Herrlich.

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bua/news.de/swyrl.tv

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