Von Eric Leimann - 26.01.2021, 09.14 Uhr

"Impfstoff-Roulette - Die Jagd nach dem Wirkstoff" in der ARD: Eindringliche Warnung! "Impfstoff-Nationalismus" verlängert die Pandemie

Seit einem Jahr forscht die Welt fieberhaft nach Impfstoffen und Medikamenten gegen Covid-19. Zwei Radio Bremen-Autorinnen fassten das Wettrennen und den derzeitigen Stand weltweiter Bemühungen zusammen. Vor allem mit der globalen "Impfgerechtigkeit" ist es demnach nicht weit her.

Knapp acht Milliarden Menschen zählt die Weltbevölkerung. Doch wann könnten ebenso viele Impfdosen hergestellt und verimpft werden? Eine "Story im Ersten" beschäftigte sich mit Fragen wie dieser. Bild: Radio Bremen

Für "Impfstoff-Roulette - Die Jagd nach dem Wirkstoff" sprachen die Radio Bremen-Autorinnen Alexandra Hardorf und Christiane Schwarz mit Forschern, Pharmafirmen und Gesundheitsexperten. Auch Impfstoff-Probanden und eine junge Covid-19-Patientin, die als Extremsportlerin nach ihrer Infektion auf einen Rollator angewiesen war, kamen zu Wort.

Insgesamt geriet der als "Wirtschaftskrimi" angekündigte Film, der die Abläufe bei der rasanten Impfstoff-Entwicklung darstellen wollte, dann doch eher zur Corona-Gemischtwarenladen-Reportage mit Betroffenen und überlasteten Gesundheitsämtern. Spannend wurde es immer dann, wenn globale Perspektiven der Pandemie-Bekämpfung geprüft wurden. Hier die drei wichtigsten Erkenntnisse aus der ARD-Doku.

Wie schnell kann die Weltbevölkerung gegen das Coronavirus geimpft werden?

"Der Aufwand, bis die ganze Welt geimpft ist, wird mehr als ein Jahr dauern", sagt Dr. Klaus Schlüter, medizinischer Direktor des Pharmakonzerns MSD. "Es wird wahrscheinlich Jahrzehnte dauern, bis wir sagen können, wir haben dieses Virus vollständig besiegt." 14 Milliarden Impfstoffdosen, so schätzt ein anderer Experte in der ARD-Doku, bräuchte man, um die knapp acht Milliarden Menschen zählende Weltbevölkerung zu immunisieren.

Der US-Pharmakonzern Pfizer kündigte an, vom mit dem deutschen Unternehmen BioNTech entwickelten Impfstoff 2021 eine Milliarde Dosen auszuliefern. Laut jüngster Äußerungen möchte man diese Zahl nun sogar noch verdoppeln. Klar ist auch: Ein Unternehmen wird bei allem Ausbau der Kapazitäten nicht reichen. Und wie man bei der aktuell ziemlich ruckelig anlaufenden Impf-Logistik der EU sehen kann: Probleme können bei der "Verteilung" eines derart komplexen Produkts an allen Ecken und Enden entstehen.

Wird der Impfstoff gegen das Coronavirus gerecht in der Welt verteilt?

Ein Virus macht nicht an Landesgrenzen oder vor Kontinenten halt. Insofern ist es nicht nur ungerecht, sondern auch kurzsichtig, nur auf nationale Impfstrategien zu setzen. Dennoch deuten die Recherchen der ARD-Doku darauf hin, dass sich die Industriestaaten beim Impfen klar bevorzugen. "Die reichen Industrienationen haben die Hälfte der für 2021 verfügbaren Impfstoffe schon vorbestellt", heißt es im Film. Dabei machen diese Staaten gerade einmal 13 Prozent der Weltbevölkerung aus.

Kate O'Brion, Direktorin der WHO-Impfabteilung, sagt: "Wir haben eine globale Wirtschaft. Wenn nicht jedes Land sicher ist, dann ist niemand sicher." Trotzdem prognostiziert der Film nach seinen Experten-Gesprächen: "Der Impfstoff-Nationalismus wird Menschen in den Industrienationen deutlich bevorzugen, während Menschen in ärmeren Staaten bis 2022 kaum Zugang haben werden." Immerhin hat die WHO das Programm COVAX ins Leben gerufen. COVAX wird bis Ende 2021 zwei Milliarden Impfdosen kaufen und davon 75 Prozent an arme Länder verteilen.

Auch lesenswert:Angela Merkels Impfplan in Gefahr! Wo landen unsere Impfdosen wirklich?

Was ist eigentlich mit Corona-Medikamenten?

Hätte man neben der Jagd auf Impfstoffe mehr Zeit und Mühe in die Entwicklung von Medikamenten legen müssen? Im Vergleich zur Impf-Nachrichtenlage ist es rund um wirksame Covid-19-Medikamente seltsam still. Die "Story im Ersten" lässt das Braunschweiger Unternehmen Corat Therapeutics zu Wort kommen. "In Deutschland wurde sehr viel Geld für Impfstoffentwicklung ausgegeben - und kaum etwas für Wirkstoff-Entwicklung", sagt André Frenzel, wissenschaftlicher Leiter des Unternehmens.

Mittlerweile hat man mithilfe des Fraunhofer-Instituts und privater Investoren ein vielversprechendes Medikament gefunden, das Coronaviren im Hamsterlungen um 99 Prozent reduzieren half. Aktueller Stand des Projekts: 3.400 Wirkstoff-Dosen für eine erste Testphase am Menschen sind fertig produziert. Klar ist, dass Impfstoffe allein auf Jahre hinaus nicht ausreichen werden, um die Pandemie zu besiegen. Wirksame Medikamente gegen Corona-Infektionen werden nicht nur sehnsüchtig erwartet, sondern - nach den Impfstoffen - das nächste ganz große Geschäft beim Kampf gegen die Pandemie darstellen.

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