07.08.2020, 08.12 Uhr

"Oktoberfest - 1900": "Total daneben!" Wiesn-Wirte toben wegen neuer ARD-Serie

Auch wenn das Oktoberfest 2020 ausfällt, ist der Mythos um das größte Volksfest der Welt ungebrochen. Eine neue ARD-Serie namens "Oktoberfest - 1900" beleuchtet historische Konflikte auf der Wiesn - zum Missfallen der Münchner Gastronomen.

Eine historisch angehauchte ARD-Miniserie über das Oktoberfest stößt den Wiesn-Wirten der Gegenwart bitter auf. Bild: Karl-Josef Hildenbrand / picture alliance / dpa

Das Münchner Oktoberfest hat sich längst über die Grenzen Bayern hinweg zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Um den Mythos des größten Volksfestes der Welt historisch zu beleuchten, kündigte die ARD bereits Mitte 2018 an, das Oktoberfestes in einer neuen Miniserie historisch zu verarbeiten. Doch das Ergebnis schlägt den wahren Wiesn-Wirten gehörig auf den Magen!

"Oktoberfest - 1900" in der ARD als historische Mini-Serie

Die Produktion "Oktoberfest - 1900" mit Stars wie Martina Gedeck, Mišel Matičević, Mercedes Müller, Francis Fulton-Smith oder Klaus Steinbacher in den Hauptrollen wurde ab Mai 2019 in Prag, Bayern und Nordrhein-Westfalen gedreht. Als voraussichtlichen Sendetermin nannte die ARD Ende September 2020. Demnach sollen die Doppelfolgen von "Oktoberfest - 1900" am 15., 16. und 23.09.2020 im Ersten laufen.In der Serie geht es nach ARD-Angaben um den "erbitterten Kampf zweier Brauerei-Clans um gesellschaftliche und wirtschaftliche Vormachtstellung im München des Jahres 1900".

Oktoberfest-Wirte empört über Inhalt von ARD-Serie "Oktoberfest - 1900"

Bereits im Vorfeld der TV-Ausstrahlung von "Oktoberfest - 1900" gingen die Oktoberfest-Wirte auf die Barrikaden. In der "Bild" machten Oktoberfest-Legenden wie Christian Schottenhamel oder Clemens Baumgärtner ihrem Ärger über die TV-Serie mit historischem Anstrich Luft. Mit der Realität habe die TV-Miniserie nichts zu tun, "Oktoberfest - 1900" sei vielmehr "rufschädigend" für das weltberühmte Volksfest.

"Oktoberfest - 1900": Machtgier und Korruption auf der Wiesn

Im Zentrum von "Oktoberfest - 1900" steht der machthungrige Brauer Curt Prank, gespielt von Mišel Matičević, im Focus, der zur Jahrhundertwende einen ehrgeizigen Plan verfolgt. Zum Leidwesen kleinerer Brauer aus München geht der Franke über Leichen, um sich durch Erpressung und Bestechung zum Platzhirsch auf dem Oktoberfest aufzuspielen. Obwohl "Oktoberfest - 1900" auf einem fiktiven Drehbuch basiert, wurde die Handlung von tatsächlichen Begebenheiten beeinflusst. Im Jahr 1898 sollen sich Wiesn-Wirte ebenfalls erbitterte Auseinandersetzungen im Wettstreit darum geliefert haben, wer das größte Zelt auf dem Oktoberfest errichtet.

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"Unverfroren!" Wiesn-Wirte entsetzt über fiktive Oktoberfest-Serie

Für die Wiesn-Wirte der Gegenwart ist "Oktoberfest - 1900" ein Schlag ins Gesicht. "Auch wenn es eine fiktive Darstellung sein soll, ist diese negative Darstellung schlimm", so Oktoberfest-Wirt Christian Schottenhamel zu der TV-Serie. "Denn es bleibt beim Zuschauer immer was hängen. Unsere Gäste, auch im Ausland, werden denken: Das ist heute auch so."

Der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) kritisierte in der Zeitung: "Ein Oktoberfest nur auf ein machtbesessenes Milieu zurückzudrehen, um Publikum zu generieren, ist total daneben. Es hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun." Er wolle "historisch prüfen lassen", ob es einen Wirte-Krieg, der 1898 stattgefunden haben soll und auf dem die Handlung der Serie basieren soll, wirklich gegeben hat. "Davon ist uns hier nichts bekannt."

Bayerischer Rundfunk wiest Vorwürfe von sich

Erschwerend käme hinzu, dass ausgerechnet der Bayerische Rundfunk die Produktion leitete - also der öffentlich-rechtliche Sender, der das Oktoberfest alljährlich mit Live-Sendungen begleitet. Die Anschuldigungen weist der Sender jedoch von sich - man traue dem TV-Publikum zu, zwischen realen Begebenheiten und fiktionaler Darstellung zu unterscheiden.

Der Produzent der Serie, Michael Souvignier, versuchte in der Zeitung, die Bedenken auszuräumen. Er betonte, es handele sich um eine fiktionale, historische Serie: "Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen." Der Sprecher der Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer, sagte der "Bild", er habe sich vor den Dreharbeiten mit den Filmemachern getroffen. "Ich habe gehofft, dass durch meine Erläuterungen schlimme Darstellungen verhindert werden."

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loc/news.de/dpa

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