06.05.2020, 21.30 Uhr

Tiger King: Begnadigung für Joe Exotic? Das sagt ein US-Anwalt dazu

Der inhaftierte Star der Netflix-Doku "Tiger King", Joe Exotic, möchte Donald Trump um eine Begnadigung bitten. So stehen seine Chancen wirklich.

Joe Exotic in der Netflix-Dokumentation "Tiger King" Bild: Netflix/spot on news

Während der Corona-Krise gibt es für viele Streaming-Fans keine faszinierendere Serie als die Netflix-Doku "Tiger King" (in Deutschland "Großkatzen und ihre Raubtiere"). Diese handelt in weiten Teilen von Joe Exotic (57), dem ehemaligen Betreiber eines US-Privatzoos voller Großkatzen. Exotic wurde 2019 unter anderem wegen der Erteilung eines versuchten Auftragsmordes an seiner Rivalin Carole Baskin (58) zu einer Haftstrafe von 22 Jahren verurteilt und sitzt derzeit in einem Gefängnis im texanischen Fort Worth.

Medienberichten zufolge möchte sein Anwaltsteam, das derzeit die entsprechenden Unterlagen vorbereiten soll, US-Präsident Donald Trump (73, "Der Weg nach oben") um eine Begnadigung bitten. Doch gibt es für Exotic damit überhaupt eine Aussicht auf Erfolg? Die Nachrichtenagentur spot on news hat bei US-Anwalt Dr. Nick Oberheiden nachgefragt.

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"Die Chancen einer präsidialen Begnadigung von Exotic liegen derzeit bei null", erklärt Oberheiden, "Personen der Zeitgeschichte, insbesondere allgemein bekannte und geschätzte Künstler, wenden sich bei Rechtsproblemen - zumeist über die Medien - immer wieder mit einem Appell an den jeweiligen Präsidenten." Insbesondere während eines laufenden Verfahrens beziehungsweise einer eingelegten Berufung hätten derartige Ansuchen jedoch lediglich medienwirksame, nicht jedoch juristische Erfolgschancen.

"Tausende Gnadengesuche" gingen laut Oberheiden jedes Jahr beim amtierenden US-Präsidenten ein: "Historisch üblich sind zirka 50-100 Begnadigungen pro Jahr, wobei in jüngster Vergangenheit Präsident Obama mit fast 2.000 und Präsident Trump mit bislang lediglich 35 angenommenen Gesuchen die volle Spannweite an Beurteilungsermessen repräsentieren."

Weitere Einblicke in den gesamten Prozess

Aber kann der Präsident theoretisch einfach sagen, dass Exotic jetzt ein freier Mann sein soll? Oberheiden klärt auf: "In der Tat haben amerikanische Präsidenten früher handschriftliche Briefe der Gefängnisentlassung verfasst." Heutzutage, angesichts der Flut an Gesuchen, sei der Prozess bürokratischer. Mitarbeiter des Weißen Hauses würden das Gnadengesuch im Rahmen eines protokollierten Vorverfahrens prüfen. "In Ausnahmefällen initiiert der Präsident das Verfahren selbst", so der Rechtsexperte.

Exotics Strafe von 22 Jahren, die von einem amerikanischen Bundesgericht verhängt worden sei, liege "im Rahmen der Erwartungen". Im Gegensatz zu US-Staatengerichten, wie beispielsweise im Fall des ehemaligen Filmproduzenten Harvey Weinstein (68), "wurde für Insassen die Möglichkeit der bedingten Strafaussetzung 1984 abgeschafft". Das bedeute, dass Exotic, mehr oder weniger, selbst bei guter Führung, die volle Strafe absolvieren müss. Der Netflix-Star dürfte also weit über 70 Jahre alt sein, bevor er voraussichtlich entlassen wird.

Befangenheit spielt keine Rolle

Einer der Hauptzeugen im Prozess von Joe Exotic, Allen Glover, gelte laut einem Bericht des US-Promi-Portals "TMZ" als voreingenommen. Außerdem hatte der Großkatzenhalter mehrfach herausposaunt, dass er Baskin töten lassen wolle. Würde dies jemand tun, der tatsächlich einen Auftragsmord plant? Derartige Zweifel haben keinerlei Auswirkungen auf eine mögliche Begnadigung, erzählt Oberheiden, denn ein "Tatsachenrichter" sei der Präsident nicht. "Die Frage der Befangenheit eines Zeugen und der Möglichkeit eines Fehlurteils könnten jedoch Gegenstand der Berufung werden."

spot on news

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