Von news.de-Mitarbeiterin Lisa Straube - 13.10.2013, 11.11 Uhr

Quoten-Flop beim ZDF: Haben es die «Borgia» zu wild getrieben?

Schlechter geht's kaum: Nicht einmal eine Million Zuschauer haben am vergangenen Mittwoch «Borgia» gesehen. Kein Wunder - bei dem miserablen Sendeplatz. Doch warum haben zuvor so Wenige eingeschaltet? An Skandalösem hat es doch wahrlich nicht gemangelt. Liegt es vielleicht genau daran?

Schon bei der ersten Staffel von «Borgia» haben die Kritiker geunkt, als die Quote bei der dritten Folge absackte: Von den anfänglich 6,2 Millionen Zuschauern waren nur 4,6 Millionen am Ball geblieben. Dass es für die zweite Staffel so dicke kommt, hat aber sicherlich niemand vorhersehen können. Im Durchschnitt hatten bei den sechs Folgen im Oktober 2011 noch knapp über 5 Millionen Menschen eingeschaltet - ein Marktanteil von immerhin 15,5 Prozent. Die fünfte Folge der zweiten Staffel allerdings sahen am vergangenen Mittwoch nur noch 0,73 Millionen Menschen - der Tiefpunkt ist erreicht.

Die Sendeplätze verschärften die Quoten-Spirale

Klar, die zuletzt unterirdischen Quoten verdanken sich zum großen Teil den undankbaren Sendeplätzen, auf die die Serie abgeschoben wurde. 22.15 Uhr und 23.15 Uhr, das ist für die arbeitende Bevölkerung eindeutig zu spät. Das Staffelfinale am heutigen Sonntag kommt sogar noch eine Viertelstunde später. Die Wenigen, die nach wie vor wissen wollen, wie es mit Papst Alexander VI. und seiner Sippe weitergeht, sind empört. Und das zu Recht! Geht es denn wirklich nur noch um die Quote, auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Ja, das ist leider die Lehre, die alle Beteiligten aus dieser unerfreulichen Entwicklung mitnehmen.

Doch warum ist «Borgia» überhaupt so dramatisch in der Zuschauergunst gesunken? Zu langweilig ist die aufwändige Produktion bestimmt nicht geraten. An Sexszenen hat es nicht gemangelt, auch nicht an Gewaltausbrüchen und ekelerregenden Foltermethoden. Dem intriganten Borgia-Clan wurde ein mindestens ebenso durchtriebener Hofstaat an die Seite gestellt - unschuldig ist in diesem Renaissance-Gemälde so gut wie niemand. Wir haben nicht nur unzählige nackte Frauen gesehen, selbst John Doman alias Rodrigo Borgia hat vollkommen blank gezogen - mehr geht doch nun wirklich nicht!

War es einfach zu viel des Guten?

Vielleicht wäre etwas weniger besser gewesen - und das schon in der ersten Staffel. Bei vielen Zuschauern hat die wohl keinen allzu guten Eindruck hinterlassen. Ein durch und durch verdorbener Vatikan, das muss man mögen. Nur 2,91 Millionen Deutsche konnten sich zum Auftakt der zweiten Staffel aufraffen, für den Rest war es 2011 eine kurze Liaison gewesen: Wenn man einmal in einer Serie drinsteckt, schaut man sie meist auch bis zum Ende - ob man allerdings zwei Jahre später wieder einschaltet, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Die Borgia
Der Papst-Clan
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Vielleicht wähnten einige Zuschauer die Geschichte nach der ersten Staffel auch auserzählt. Was soll schon noch kommen, was man noch nicht gesehen hat? Wer so an die Sache herangegangen ist, tat der Serie Unrecht: Im zweiten Anlauf stand vor allem Cesare, der Sohn des Papstes, im Fokus, und er hat eine Entwicklung erfahren. Tatsächlich hat man sich jetzt erst gebührend diesem Charakter gewidmet - Cesare hat neue Facetten gewonnen, sodass der Zuschauer auch endlich mit einem Protagonisten, nicht nur mit den armen Gestalten auf der Folterbank, mitleiden kann.

Bedeutet die Schlappe das Serien-Aus?

Für die dritte Staffel wurde bereits angekündigt, dass Lucrezia stärker ins Blickfeld geraten soll - auch das verspricht, interessant zu werden. Ob das ZDF bei der dritten Runde noch an Bord ist, scheint angesichts der herben Enttäuschung allerdings fraglich. Ein Aus für die Serie würde das aber nicht bedeuten. Das Projekt, das bisher 55 Millionen Euro verschlungen hat, ist eine europäische Gemeinschaftsleistung, bei der insgesamt sieben Produktionsunternehmen mitmischen. Und international ist «Borgia» ein Erfolg: Die erste Staffel wurde mittlerweile in 85 Ländern ausgestrahlt. Hartgesottene Fans müssen die Köpfe also nicht hängen lassen - so leicht haut man die Borgia nicht aus der Bahn.

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zij/news.de