Von news.de-Redakteur - 13.09.2011, 08.22 Uhr

«Undercover Boss»: Der Chef schrubbt die Toilette

Mit einem Wisch ist alles weg: Bei Undercover Boss kämpft Chef Erich Peterhoff mit seinen eigenen Maßstäben. Bewaffnet mit Eimer und Lappen macht er sich daran, als Putzteufel für Hochglanz zu sorgen.

Erich Peterhoff, Chef der gepe Gebäudedienste Peterhoff GmbH, muss hoch hinaus. Bild: RTL

Neuestes Mitglied im Klub der RTL-Undercover-Bosse ist Erich Peterhoff. Das Kommando über 6000 Angestellte hat der Chef der gepe Gebäudedienste Peterhoff GmbH normalerweise, an 16 Standorten in Deutschland sorgen sie für Sauberkeit. Für RTL ist Peterhoff selbst in die Montur seiner Reinigungsbrigaden gestiegen - und der Vater von vier Kindern freut sich auf die neue Aufgabe, mit der er ein konstruktives Ziel verfolgt: «Ich sehe gerade darin den Sinn des Projekts, dass mir Sachen auffallen oder dass ich mit Unzulänglichkeiten konfrontiert werde. Ziel ist für mich auch die Überprüfung der Maßnahmen, die wir als Geschäftsführung beschließen.» Schnüffeln mit Erlaubnis? Natürlich nicht!

Peterhoff betont ausdrücklich, dass es ihm nicht darum geht, die Mitarbeiter zu bespitzeln. Trotzdem muss eine lupenreine Tarnung her, wie unsere Fotostrecke beweist: Eine Strubbelfrisur, eine Brille und ein Drei-Tage-Bart sollen es richten. Ob er die Maskerade nötig hat? Wie viele seiner 6000 Angestellten würden ihn denn überhaupt erkennen?

FOTOS: Undercover Boss Chefs im Praktikum
zurück Weiter Undercover Boss (Foto) Foto: news.de-screenshot (rtl.de) Kamera

Das bisschen Haushalt ...

Fünf Aufgabenfelder muss Peterhoff unter dem Decknamen Andy Henning absolvieren. Gleich die erste Station in Düsseldorf hat es in sich: Der Chef darf als Industriereiniger ran und merkt schnell, dass die von ihm gesetzten Maßstäbe nur schwer zu erreichen sind. Er ist einfach zu langsam. Das Fazit des für ihn zuständigen Sebastians: «Der Andy vergisst sehr viel. Das ist keine Arbeit für ihn!»

Auch beim zweiten Einsatz geht Andy alias Erich fix die Puste aus. Angelernt von 400-Euro-Kraft Waltraud gilt es, ein Schwimmbad zu reinigen - nachts. Der Chef muss den Boden wischen, Staubsaugen und die Toiletten schrubben. Für die ganze Arbeit hat die gutherzige Dame 90 Minuten Zeit. Peterhoff ist am Ende: «Das ist schon anstrengend, hätte ich nicht gedacht.» Der Undercover-Boss schwitzt, hat Rückenschmerzen und ist trotzdem zu langsam.

Entspannter scheint es da beim Sicherheitsdienst zuzugehen. Als Fachkraft bei einem Reitturnier begleitet der getarnte Boss den 21-jährigen Tim, der auf dem Gelände mit seinem Hund eine Runde nach der anderen dreht. «Das verlangt den Menschen ganz schön was ab», stellt Peterhoff fest. Das scheint zu seinem Standardspruch zu werden, denn auch bei den letzten beiden Aufgaben, einer Krankenhausreinigung und einer Fassadenreinigung in luftiger Höhe, kramt der Geschäftsführer die 08/15-Floskel hervor.

Gelästert wird nicht

Es ist schon eigenartig, dass der verkleidete Chef stets auf überaus loyale Mitarbeiter und Kollegen trifft. Meist haben die dann auch noch eine bewegende Geschichte zu erzählen. So kämpft der eine mit dem Geld, die andere hat eine schwere Krankheit überlebt und die nächste muss zwei Jobs annehmen, damit sie ihre Kosten decken kann.

Kritische Töne finden nicht statt. Da wirken wohl die Kameras zu abschreckend. Einzig Gebäudereiniger Heino sagt mit einem Schmunzeln: «Die Fristen, die wir einhalten müssen, sind hart. Der das entschieden hat, soll mir das erst einmal vorputzen.»

Dass macht Peterhoff nun gerade nicht. Er begleitet einen Mitarbeiter für ein paar Stunden und fällt dann erschöpft ins Bett. Seine Angestellten rackern da noch weiter. Tag für Tag, Nacht für Nacht.

Eine 60-minütige Werbesendung

Aber es ist doch schön zu sehen, dass der Chef voll des Lobes für seine Angestellten ist. Nur: Angetreten ist er mit einer anderen Maßgabe. Peterhoff wollte überprüfen, wie die Entscheidungen der Chefetage umgesetzt werden. Doch diese Aufarbeitung fällt unter den Tisch.

Was hat ihm sein Aufenthalt an der Basis denn wirklich gebracht? Greifen seine Maßnahmen denn? Wird er Fristen verlängern? Peterhoff hat ja angeblich am eigenen Leib erfahren, dass die Zeiten oft zu knapp kalkuliert sind. Schlagen sich die Loyalität und der Fleiß der Mitarbeiter eventuell auch auf deren Geldbeutel nieder? Diese Fragen bleiben leider unbeantwortet.

Wollte Peterhoff also doch nur spitzeln und sich in den angesagten Klub der RTL-Undercover-Bosse einreihen? Immerhin lief zur (fast) besten Sendezeit eine 60-minütige Werbesendung für sein Unternehmen, an dem es ja augenscheinlich nicht viel auszusetzen gibt und an dessen Spitze ein Chef und Kumpeltyp steht. Wenn dem so ist, kann man Peterhoff und seiner Marketingabteilung zu einem gelungenen Coup gratulieren.

Die aktuelle Folge von Undercover Boss gibt es an dieser Stelle in ganzer Länge.

Bestes Zitat: «Toiletten putzen macht keiner gern.» (Erich Peterhoff weiß um die Beliebtheit seiner nächsten Tätigkeit.)

cvd/news.de

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