Von news.de-Volontär Ayke Süthoff - 06.09.2011, 07.42 Uhr

«Hart aber Fair»: Patchwork-Glück bei den Schweigers

Neuer Sendeplatz, neues Konzept: Frank Plasbergs Hart aber fair bietet weiche Themen aus der Gesellschaft statt hartem Polittalk. Und der Moderator tut sich gleich zu Beginn mit dem Thema Patchwork-Familie schwer.

Patchwork-Erfahrung mit vier Kindern: Til Schweigers Noch-Ehefrau Dana. Bild: WDR/Oliver Ziebe
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Frank Plasberg hat noch eine Woche Gnadenfrist, erst dann beginnt Günther Jauchs Sonntagstalkshow. Die Gefahr, die für Plasberg vom Neu-Talker ausgeht, ist nicht zu unterschätzen: Jauch könnte ihm Themen, Gäste und Zuschauer streitig machen. Themen, weil alles, was sonntags im Ersten diskutiert wurde, nicht montags wieder auf der Agenda stehen kann. Gäste, weil der Sonntagstalk im Ersten Tradition hat und Jauch aus Berlin sendet. Und Zuschauer, weil kaum jemand zwei Abende hintereinander politischen Talk sehen möchte.

Plasberg hat jetzt also ein Problem. Bis zur Sommerpause war die Woche gut aufgeteilt - sonntags Anne Will, mittwochs Hart aber Fair. Zwei echte Polittalks, dazwischen Beckmann und Menschen bei Maischberger für die softeren Themen. Der neue Sendeplatz ist für Plasberg jedenfalls eine echte Herausforderung. Er selbst findet ihn «nicht so toll». Und seine Redaktion?

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Die muss jetzt kreativ nach Themen suchen, die nicht so offensichtlich sind, dass Jauch sie schon am Tag vorher verbrät. Und obwohl Jauch erst nächste Woche beginnt, wurde genau dieses Konzept schon gestern geprobt. Thema: Meine, deine, unsere Kinder - wie verlogen ist das Patchwork-Glück?

Plasberg, der schweigsame Patchwork-Experte

Ein eher gesellschaftliches als ein politisches Thema also. Mit einem Moderator als Experten - Plasberg hat zwei Kinder aus erste Ehe und seit Anfang dieses Jahres einen Sohn mit der Moderatorin Anne Gesthuysen. Aber das kommt in der Sendung nicht zur Sprache. Stattdessen reden andere Patchwork-Profis: Til Schweigers Noch-Ehefrau Dana, der Schauspieler Ingo Naujoks, der Familientherapeut Robert Hagen und Dieter Thomas Heck. Ja, auch Heck lebt in zweiter Ehe - allerdings schon seit 35 Jahren.

Auslöser für die Debatte ist der wichtigste Gast: Die Journalistin Melanie Mühl mausert sich gerade zu einem Medienstar. Offenbar hat sie mit ihrem Buch Die Patchwork-Lüge einen wunden Punkt getroffen. Dabei richtet sie sich in ihrer Streitschrift gar nicht so sehr gegen die Idee, aus zwei Trennungsfamilien eine zu machen, sondern gegen die Verherrlichung dieses Konzepts in den Medien.

Die Bild herzt den Bundespräsidenten Wulff, der mit zweiter Ehefrau, je einem Kind aus erster Ehe und einem gemeinsamen Kind in Bellevue wohnt. Das Kino feiert größte Erfolge mit Filmen, in denen Patchwork-Familien ihr gemeinsames Glück finden und die Werbung baut ebenfalls auf das Familienkonzept der Zukunft. Mühl zweifelt an dieser Verklärung. Zu Recht, wie selbst Ingo Naujoks findet, der mit drei Kindern zusammenlebt, von denen nur eins sein eigenes ist, während seine zweite eigene Tochter bei seiner Ex-Frau wohnt. Klingt verzwickt, wie er selbst sagt, aber «so kompliziert ist es nicht, denn die wohnen alle in meinem Herzen».

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Leider kommt bei Plasberg, trotz vieler Gefühle und unterschiedlicher Meinungen, kaum Stimmung auf. Die Debatte um das vermeintliche Patchwork-Glück bleibt ruhig, um nicht zu sagen langweilig. Vielleicht ist die Problematik zu privat, keiner traut sich für seine Meinung laut zu werden, keiner will den anderen falschen Umgang mit den Kindern vorwerfen.

Nur einmal wird ausgerechnet der Märchenonkel Dieter Thomas Heck laut. Der glänzt bis dahin durch pointiert erzählte Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit, doch als die Rede auf die katholische Kirche kommt, gibt es kein Halten mehr - der Altmeister der Abendunterhaltung wettert gegen das Verbot von Kondomen. Passt zwar nicht zum Thema, sollte aber in jeder guten Talkshow mal angesprochen werden.

Für Kinder ist eine Trennung immer Schmerz

Wichtigere Fragen bleiben dafür fast den ganzen Abend außen vor. Zum Beispiel: Was bedeutet eine Trennung eigentlich für die Kinder? Dana Schweiger ist von ihrem Patchwork-Glück überzeugt. Weihnachten und Geburtstage feiert sie fröhlich im Kreis der Familie, mit Til und ohne neue Partner. Ansonsten leben die beiden getrennt. «Wir sagen uns, wir haben beide das Recht, glücklich zu sein», sagt Schweiger. Wie es ihren Kindern damit geht, traut sich Plasberg nicht zu fragen. Auch die anderen scheinen darüber mit ihren Sprösslingen kaum zu reden.

Die Frage, ob Patchwork gut ist oder böse kann die Runde so nicht klären. Aber eine Tendenz stellt sich im Laufe der Diskussion doch heraus: Eltern finden eine Trennung oft okay, Kinder gehen daran kaputt. Es geht letztlich nur darum, die Wunden zu heilen. Das ist nicht einfach, das braucht Zeit. Aber es ist möglich, sagt Familientherapeut Robert Hagen ganz am Ende. Eine schwierige Sendung. Will Plasberg daraus eine Lehre ziehen, dann erinnert er sich hoffentlich an seine Kernkompetenz: Hart aber Fair ist am besten, wenn es um knallharte Politik geht. 

Bestes Zitat: «Wenn wir schon von Buch reden, dann möchte ich sagen: Es kommt auch von mir noch eins. Das ist ganz einfach die Biographie.» Dieter Thomas Heck, Verkaufstalent.

kls/news.de

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