Von news.de-Mitarbeiter Ayke S├╝thoff - 29.04.2011, 08.20 Uhr

Denise Zich: «Wir Frauen sind belastbar!»

Denise Zich hat den Schritt vom GZSZ-Starlet zur ernstzunehmenden Schauspielerin gemeistert. Jetzt ist sie im ARD-Film Die geerbte Familie zu sehen. Darin muss sie sich zwischen Karriere und Kindern entscheiden. Im Interview erkl├Ąrt sie, warum es so wichtig ist, Kinder zu bekommen.

Angefangen hat ihre Karriere mit 16 Jahren und einem eher zuf├Ąllig zustande gekommenen Engagement als Model f├╝r Calvin Klein. Damals war Denise Zich als Austauschsch├╝lerin in Los Angeles und wurde - wie im Film - auf der Stra├če entdeckt. Zur├╝ck in Deutschland bekam sie ein Engagement in der RTL-Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ). Seit Ende der 1990er ist Zich nun regelm├Ą├čig in Fernseh- und Kinofilmen zu sehen, in Die geerbte Familie spielt sie die Hauptrolle.

Sie verk├Ârpern in Die geerbte Familie die toughe, junge und h├╝bsche Karrierefrau Isabell Tanner – ist Ihnen die Rolle auf den Leib geschrieben?

Denise Zich: Nein, was die Frau durchmacht, das hab ich so noch nicht erlebt. Sie erf├Ąhrt ├╝ber Nacht, dass ihr Vater gerade gestorben ist, von dem sie dachte, dass er schon seit ihrer Kindheit tot ist. Dazu kommt, dass sie pl├Âtzlich von ihren zwei Blutsgeschwistern erf├Ąhrt, die noch dazu nicht in ihrem Alter sind, sondern viel j├╝nger, f├╝r die sie also Verantwortung ├╝bernehmen muss. Und das dritte ist, dass ihre Gro├čeltern sie so lange belogen haben, statt sich mal mit ihr hinzusetzen und ihr zu erz├Ąhlen, was wirklich mit ihrem Vater passiert ist. Das ist f├╝r die Figur am heftigsten, weil ihr famili├Ąrer Halt wankt.

FOTOS: GZSZ in Zahlen 5000 Folgen Hass und Liebe

Zugleich kommt sie ja auch ins Schwimmen, was ihre beruflichen Ambitionen angeht.

Zich:
Richtig, denn sie beginnt gerade, die Karriereleiter nach oben zu steigen. Eigentlich hatte sie das sehr zielstrebig und ganz genau geplant und auch ihr Privatleben darauf ausgelegt: Sie wohnt in einer sehr sterilen Wohnung und hat einen Freund, der ebenfalls sehr karrierem├Ą├čig unterwegs ist. Da ist gar kein Platz f├╝r Kinder. Und pl├Âtzlich muss sie dann doch die Verantwortung f├╝r ihre Geschwister ├╝bernehmen.

In dem Film sieht man, dass alle M├╝tter im Beruf Probleme haben, w├Ąhrend die starken Karrierefrauen sich von Kindern komplett abwenden. Sind Kinder im Beruf hinderlich?

Zich:
Ich pers├Ânlich denke, dass sie nicht hinderlich sind. Im Gegenteil, ich finde es extrem wichtig, Kinder zu bekommen und eine eigene Familie zu gr├╝nden. Das ist wichtig f├╝r die pers├Ânliche Entwicklung und es geh├Ârt ja auch zur Natur, sich fortzupflanzen. Ich denke, dass man einfach gut organisiert sein muss. Das ist extrem wichtig. Es w├Ąre gelogen zu sagen, das funktioniert alles von selbst und man kriegt das Kind schon unter. So einfach ist das nicht.

Isabell Tanner entscheidet sich in Die geerbte Familie letztlich gegen die ganz gro├če Karriere und f├╝r die Familie. Ist das eine Entscheidung, die man treffen muss?

Zich:
Das ist schwer zu sagen. In diesem Fall kommt das Jugendamt ins Haus und sagt: ‹Wir werden die Kinder ins Heim stecken, wenn niemand da ist, der sich um sie k├╝mmern kann.› Isabell selbst hat das ja auch durchlebt – nur dass ihre Gro├čeltern da waren und sie aufgenommen haben. Nun steht sie an einem ├Ąhnlichen Punkt, aber aus der gegenteiligen Perspektive. Da muss sie diesen Schritt gehen, gerade eben weil es ihre Familie ist und ihre Halbgeschwister noch so klein und hilfebed├╝rftig sind. Sie lernt die Kinder in den Tagen, die sie mit ihnen verbringt, auch sch├Ątzen.

Wenn man sich Isabells Arbeit und ihr Privatleben ansieht und wie dieses umgekrempelt wird, als die Kinder dazu kommen, gibt es da Parallelen zu pers├Ânlichen Erfahrungen von Ihnen?

Zich:
Ja, ich denke da an meine Freunde, die mit mir gemeinsam Abitur gemacht haben und danach gleich ins Studium gegangen sind, Jura, BWL oder Medizin und danach gleich versucht haben, einen Beruf zu bekommen und Karriere zu machen. Das geht alles sehr schnell und man vergisst dabei alles Wichtige drum herum. Isabell st├Â├čt in dem Film an diesen Punkt, an dem sie realisiert: Es gibt auch etwas anderes. Nicht nur das sterile, glatte Karrieredenken.

Allerdings kann es gerade f├╝r Frauen sehr schwierig sein, Kinder und Beruf erfolgreich zu verbinden. Sie haben ja selber auch einen eigenen Sohn und arbeiten viel – wieso funktioniert das?

Zich:
Ganz einfach: Wir sind wirklich gut organisiert.

Was bedeutet das konkret?

Zich:
Ich spreche mich genau mit meinem MannDenise Zich ist mit ihrem Schauspielkollegen Andreas Elsholz verheiratet. ab, wer wann aufpasst. Und wenn das nicht geht, sind meine Eltern noch da und wenn das auch nicht geht, gibt es im Notfall auch noch eine Nanny. Die hat sich mein Sohn selbst ausgesucht, mir ist das ganz wichtig, dass alles zu seinem Wohle ist und er nicht von uns abgestellt wird.

Gibt es Zeiten, in denen Sie Ihren Sohn zu selten sehen, weil Sie zu viel arbeiten?

Zich:
Ja, aber das hat jede Mutter und jeder Vater. Sobald man ein Kind hat, hat man immer irgendwo ein schlechtes Gewissen. Eigentlich w├Ąre es ja sch├Ân, 24 Stunden mit seinem Kind zusammen zu sein, aber das geht nicht. Ich versuche, nicht l├Ąnger als f├╝nf Tage von meinem Sohn getrennt zu sein.

Anfang des Jahres wurde in Deutschland viel ├╝ber die Einf├╝hrung einer Frauenquote diskutiert, wie sehen Sie pers├Ânlich die Problematik: Kann eine Quote die Nachteile, die M├╝tter haben, wett machen?

Zich:
Ich denke, dass sich momentan schon sehr viel tut. Viele M├Ąnner nehmen Auszeiten, denn man kann die Elternzeit problemlos zwischen Vater und Mutter teilen. Letztlich ist es nur eine Frage der Organisation. Klar hat die Frau die neun Monate der Schwangerschaft, aber in dieser Zeit kann sie ja arbeiten. Es ist ja nicht so, dass sich die Frauen neun Monate auf die faule Haut legen und sagen, so, jetzt bin ich mal schwanger.

Fehlt vielleicht auch in den Chefetagen noch die Flexibilit├Ąt, die Offenheit? Muss dort noch umgedacht werden?

Zich:
Das passiert meiner Meinung nach auch schon. Es gibt immer mehr Firmen, Betriebe oder Kliniken, die einen hauseigenen Kindergarten einf├╝hren. Ich denke, die Zukunft geht immer mehr dahin, dass Arbeiten und Kinderbetreuung verbunden wird. Wir Frauen sind ja belastbar! Es ist ein langer Weg, aber es ver├Ąndert sich sehr zum Positiven.

Der TV-Film Die geerbte Familie l├Ąuft am Freitag, 29. April 2011, um 20.15 Uhr im Ersten.

car/news.de

Empfehlungen f├╝r den news.de-Leser