Von news.de-Redakteur Cord Krüger - 16.04.2011, 09.24 Uhr

Rita Russek: «Keine Frau der Welt trägt Negligés»

In Adel dich spielt Rita Russek eine Therapeutin, die sie selbst für «vollkommen untherapierbar» hält. Im Interview mit news.de verrät sie, was sie von Karl-Theodor zu Guttenbergs Ehrlichkeit hält, und erzählt von ihrer ganz persönlichen «Plagiatsaffäre».

In der ZDF-Krimireihe Wilsberg spielt sie Kommissarin Anna Springer. Bis 2007 war Rita Russek 15 Jahre lang im Stuttgarter Tatort die Lebensgefährtin des legendären Ermittlers Bienzle. An der Seite von Elmar Wepper und Wolfgang Böck spielt sie in der romantischen TV-Komödie Adel dich (Mittwoch, 20. April 2011, 20.15 Uhr im Ersten) die exzentrische Psychologin Lydia. News.de verriet sie, mit welchen Ideen man an einem Filmset für Wirbel sorgen kann und ob für sie im Alter ein Leben in einer Wohngemeinschaft infrage käme.

Sie spielen eine Therapeutin, die im Ruhestand Ratgeber schreibt und eine neue Beziehung mit dem besten Freund ihres Exmannes beginnt. Was ist diese Lydia für ein Charakter?

Rita Russek: Das ist eine offensichtlich von sich höchst überzeugte, ichbezogene Frau. Sehr wahrscheinlich hat sie den Beruf der Therapeutin ergriffen, weil er «in» war. Vernünftige Gründe kann sie nicht gehabt haben. Altruismus könnte diese Frau noch nicht einmal buchstabieren.

Lydia reagiert auch sehr eifersüchtig, als ihr Exmann, gespielt von Elmar Wepper, sich mit einer anderen Frau trifft.

Russek: Jaja, diese Frau wäre selbst vollkommen untherapierbar. Angeblich soll es solche Therapeuten wirklich gegeben haben. Mittlerweile soll es da eine vernünftigere Therapeutengeneration geben.

Waren die Dialoge im Drehbuch vorgegeben oder hatten Sie Raum zum Improvisieren?

Russek: Das Drehbuch war ziemlich hieb- und stichfest. Das ein oder andere entwickelt sich aber immer am Set. In einer Szene sollte meine Figur leicht bekleidet aus dem Schlafzimmer kommen. Eines dieser ewigen, doofen Negligés wollte ich aber nicht anziehen. Keine Frau der Welt trägt so was. Was nehmen wir stattdessen? Ein Bettlaken. Die Requisite war vollkommen entsetzt, weil sie nur Spannbetttücher hatte. Ist doch wunderbar, hab ich gesagt. Das war auch eine viel realistischere Herausforderung, weil man damit leichter auf die Nase fallen konnte. So was macht Spaß beim Drehen.

Das Zusammenleben Ihrer Filmfigur mit den Rollen von Elmar Wepper und Wolfgang Böck wirkt wie eine Studenten-Wohngemeinschaft. Sie beraten einander in Liebesdingen und lesen Manuskripte gegen.

Russek: Irgendwie hatte diese Konstruktion etwas sehr Modernes.

Verlängern sich Jugendprobleme heute immer weiter nach hinten?

Russek: Meine ehemalige Schwiegermutter zog mit Anfang 70 vom Land nach Berlin und lernte bei einem Tanztee einen Mann namens Karl kennen. Die beiden tanzten zusammen und das zog solche Kreise, dass ihr Sohn bei Karl anrief und ihm ins Gewissen redete. Das ist doch entzückend. Sonst läuft es genau andersherum.

Heute reden die Generationen einander in dieser Form wohl kaum noch ins Gewissen.

Russek: Meinen Sie?

Heute sagen doch eher Eltern der 1968er Generation zu ihren Töchtern: «Mach dich mal locker

Russek: Stimmt. Ich würde zu meiner Tochter auch eher sagen: «Die Hose kannst du ruhig eine Nummer kleiner kaufen.»

Im Film erleben wir eine Großfamilie, einen Alleinstehenden, ein Paar und ein mal wird sogar das Modell einer Alters-WG ins Spiel gebracht. Was halten Sie von den verschiedenen Optionen, im Alter zu leben?

Russek: In dem Haus, in dem ich wohne, bestünde zumindest die Gelegenheit, eine solche Wohngemeinschaft einzurichten. Das ist ein Hochhaus und da sind wir mindestens fünf befreundete Paare in ähnlichem Alter. Dann muss man eben ein paar Leute einstellen, die sich ums Putzen, Kochen und Pflegen kümmern. So eine Alters-WG kann ich mir unheimlich gut vorstellen. Das kann auch sehr lustig werden.

In der Familie der Gräfin Walli wird gealbert und gestichelt wie in allen anderen Familien. Glauben Sie, dass Adelsfamilien heute überhaupt noch etwas Besonderes sind?

Russek: Naja, schauen Sie sich zu Guttenberg an. Vor zwei Monaten hätte ich mir jetzt Gedanken machen können über die Sehnsucht der Deutschen nach den Windsors oder den Oranjes. Das ist jetzt alles obsolet. Da hat es jemand wieder einmal ordentlich verpatzt. Was wäre denn gewesen, wenn zu Guttenberg vor seinem Amtsantritt von sich aus die Sache mit seiner Doktorarbeit gestanden und den Titel zurückgegeben hätte? Hätte er dann auch zurücktreten müssen?

Womöglich hat er selbst daran geglaubt, dass alles korrekt abgelaufen war.

Russek: Das glaube ich nicht. Als ich ungefähr 14 war, da hab ich bei einem Schulaufsatz eine Geschichte als meine eigene ausgegeben, die ich ein Jahr zuvor gelesen hatte. Ich habe eine Eins dafür bekommen, bin nach Hause gegangen und habe das Buch, aus dem die Geschichte stammte, zerrissen und im Garten vergraben. Bis heute habe ich ab und an das Gefühl: Hoffentlich kommt mir da niemand drauf. Das schlechte Gewissen von damals habe ich bis heute.

Der TV-Film Adel dich mit Rita Russek läuft am Mitttwoch, 20. April, um 20.15 Uhr im Sehen Sie in unserer Bilderstrecke, was im Film passiert.

car/oro/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser