20.12.2010, 15.12 Uhr

«Fremdgehen»: Ein auswegloses Liebesdrama

Es beginnt mit einem Kuss. Doch Nikolas will mehr von seiner türkischen Putzfrau. An der Affäre zerbricht seine Ehe. Das ZDF zeigt den Film Fremdgehen - eine Geschichte, die spannend bis zum Schluss bleibt.

Nach vielen Jahren Ehe haben sich Lilith (Antje Schmidt) und Nikolas (Thomas Sarbacher) auseinandergelebt. Bild: ZDF/Alida Szabo

Ihre Ehe ist nach 20 Jahren in Routine erstarrt, zu sagen haben Nikolas (Thomas Sarbacher) und Lilith (Antje Schmidt) sich schon lange nichts mehr. Sie sind eigentlich nur noch aus Gewohnheit zusammen. Als Nikolas eine Affäre mit seiner türkischen Putzfrau Meryem (Tanya Barut) anfängt, die verheiratet ist und einen Sohn hat, beginnt eine neue Zeitrechnung. Die betrogene Ehefrau Lilith ist zutiefst getroffen, fällt in einen mehrtägigen Schlaf, und wacht als eine andere, selbstbewusstere Frau wieder auf.

Das lakonische, gut besetzte Beziehungsdrama Fremdgehen läuft in der Nacht von Montag auf Dienstag um 0.10 Uhr in der ZDF-Reihe Das kleine Fernsehspiel. Die Regisseurin Jeanette Wagner, die 2005 mit dem Inzestdrama Liebeskind debütierte, gibt sich keinen Illusionen hin. Ihr ganz von Alltagsgrau und Monotonie dominiertes Ehedrama entwickelt sich bis zum tragischen Ende mit eiskalter Konsequenz. Dabei unterläuft der subtile Film immer wieder herkömmliche Erwartungshaltungen, und in manchen Szenen kann man sogar etwas Humor der allerdings bitteren Sorte entdecken.

Nachdem Nikolas die Affäre gebeichtet hat und sein neues Leben mit Meryem plant, entdeckt er paradoxerweise Gemeinsamkeiten mit seiner Frau. Beide kommen sich nach den Jahren der Sprachlosigkeit wieder näher, scheinen sich auszusprechen, so als hätte der Seitensprung sie aus ihrer Alltagslethargie aufgerüttelt. Aber als Meryems Ehemann Rohad (Özgür Karadeniz) Verdacht schöpft und Nikolas zur Rede stellt, scheint es keinen Ausweg mehr zu geben.

Manchmal wirkt die Symbolik in Wagners Drama zu holzschnitthaft, weiße Pferde im Garten stehen für Hoffnung, ein angefahrener Hund dagegen verheißt nichts Gutes. Aber die starken Darsteller machen einige Schwächen wett: Thomas Sarbacher überzeugt als einsamer Kämpfer in der Midlife Crisis, der noch etwas mehr vom Leben verlangt als einstudierte Routine. Anja Schmidt oszilliert als betrogene Ehefrau klug zwischen Depression und neuem Selbstbewusstsein, Tanya Barut ist die schwächste Figur in diesem Beziehungspuzzle, aber besticht durch ihren Freiheitswillen.

Titel:Fremdgehen
Regie: Jeanette Wagner
Darsteller: Frank Sarbacher, Antje Schmidt, Tanya Barut
Sendetermin: Montag, 20. Dezember, 0.10 Uhr, ZDF
 

car/ivb/news.de/dpa

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