Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber - 15.01.2010, 15.01 Uhr

Audioformat HD-AAC: HD für die Ohren

Es soll auf jeden Player und durch alle Leitungen passen: HD-AAC. Wenn es nach seinen Entwicklern vom Fraunhofer Institut geht, wird es das universelle Audioformat der Zukunft. Wir verraten, was dahinter steckt.

Mit dem neuen HD-AAC sollen auch die Ohren in den Genuss hochauflösenden Sounds kommen. Bild: iStockphoto

MP3 ist der beliebteste Standard für Musik aus dem und im Internet. Einziges Problem: Bei dem  Kompressionsverfahren verliert der Sound an Qualität. Diesem Nachteil wollen die Audiospezialisten vom Fraunhofer Institut nun begegnen. 

Studioqualität für jedermann

Und zwar mit dem neuen Format High-Definition-AAC, kurz HD-AAC. Es soll eine Musikqualität weit über der einer CD bieten und so auch den Otto-Normalverbraucher in den Genuss von echtem Studio-Sound kommen lassen. Dort wird heute in der Regel mit einer Bandbreite von 24 bit und einer Abtastrate von 96 kHz produziert. Auch Profi-Soundkarten für zu Hause bieten diese Qualität. Das neue Fraunhofer-Format schafft das und hat noch Reserven bis 192 kHz. Zum Vergleich: Eine normale Musik-CD beherbergt aber maximal Inhalte mit einer Güte von 16-bit bei 44,1 kHz - ein Teil der Musikinformation kommt also gar nicht beim Nutzer an.

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«Wann Musik im HD-AAC-Format auch für Endkunden zu hören sein wird, ist bisher noch unklar. Wir stehen gerade besonders mit kleineren Musiklabels und Produzenten in Kontakt, um Inhalte zu schaffen, die der Kunde dann über Musikdownloadshops herunterladen kann», erklärt Virgilio Bacigalupo vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen.

Das universell einsetzbare Format

HD-AAC basiert auf AAC, dem Format, das zum Beispiel iTunes nutzt. Unterstützt wird es aber mittlerweile nicht nur vom iPod, sondern auch von vielen anderen MP3-Player und Handys. «Im Gegensatz zu MP3 bietet AAC eine wesentlich bessere Tonqualität bei gleichen oder niedrigeren Bitraten», erklärt Bacigalupo.

Der große Vorteil von HD-AAC liegt aber in seiner Abwärtskompatibilität. So kann jedes Gerät, das heute AAC unterstützt, auch Inhalte in seiner hochauflösenden Weiterentwicklung abspielen.

Vorstellen muss man sich HD-AAC wie ein Ferrero-Küsschen: Der Nusskern des Naschwerks wäre auch allein essbar. Doch wer will das schon, wenn er auch noch einen leckeren, cremigen Schokoladenüberzug dazu haben kann - er macht das Ferrero-Küsschen erst perfekt.

Im Falle von HD-AAC ist der Nusskern eine normale verlustbehaftete komprimierte AAC-Datei - sie ist auch allein abspielbar. Erst in Kombination mit den verlustfreien Informationen in Form des leckeren Schokoladenüberzugs  wird die Originalaufnahme Bit für Bit wiedergegeben und macht die Datei perfekt.

Hat man also einen AAC-fähigen MP3-Player, hört man unterwegs nur die verlustbehaftete Version. Hat man aber beispielsweise zu Hause ein HD-AAC-Abspielgerät, dann bekommt man das ganze verlustfreie Paket.

So braucht man nur ein Audioformat und kann es auf unterschiedlichen Geräten mit verschiedenen Bandbreiten und Speicherkapazitäten abspielen: «Wir haben HD-AAC als universelles Audioformat konzipiert. Man bekommt immer die bestmögliche Audioqualität bei variablen Bandbreiten», sagt Bacigalupo.

Auf das Ausgangsmaterial kommt es an

Christine Tantschinez vom Magazin audio findet verlustfreie Audioformate grundsätzlich gut, warnt aber vor Euphorie: «Es kommt immer auf das Ausgangsmaterial an. Wenn Sie beispielsweise Musik auf einer CD in HD-AAC umwandeln, heißt das nicht, dass sie die Musik so aufwerten können. Auch seine MP3's umzuwandeln bringt für die Tonqualität nichts. Die Daten sind nun einmal weg», erklärt die Musik-Expertin, «eine hohe Auflösung bedeutet nicht automatisch auch eine bessere Tonqualität.»

Praktisch biete HD-AAC wie auch AAC bei gleicher Bitrate eine bessere Soundqualität als MP3, doch das allein sei nicht entscheidend dafür, dass sich ein Standard durchsetze: «MP3 ist ein Format, das sich seit 20 Jahren auf dem Markt etabliert. Die Menschen haben sich daran gewöhnt und ihre Musik in diesem Format archiviert. Gewohnheiten abzulegen ist schwierig», so Tantschinez.

Chancenlos sei HD-AAC aber nicht, da es bereits von vielen aktuellen Playern abgespielt werden kann. Allerdings müssten vor allem Plattenlabels und Downloadshops mitziehen und ihre Musik vorrangig in diesem Format anbieten.

Das news.de-Fazit: HD-AAC wird es schwer haben, sich gegen den Platzhirsch MP3 zu behaupten. Zweifelsohne ist es das qualitativ bessere Format. Aber für die Heerscharen, die ihre Musik schon in MP3 archiviert haben, ist es nutzlos.  Andererseits vereint HD-AAC viele Vorteile in sich und das Fraunhofer-Institut hat mit dem MP3-Format schon einmal den Durchbruch geschafft - warum sollte es nicht auch dieses Mal klappen. Immerhin sind wir auch schon im hochauflösenden Fernsehzeitalter angekommen.

kab/news.de

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