17.02.2020, 12.06 Uhr

Rassismus-Skandal in der 3. Liga: "Nazis raus!" Rassistischer Pöbler (29) bekommt Stadionverbot + Anzeige

Das Drittliga-Spiel zwischen  Preußen Münster und den Würzburger Kickers wurde von einer rassistischen Attacke überschattet. Das Publikum reagierte jedoch umgehend und sorgte dafür, dass der Pöbler festgenommen wurde.

Beim Drittligaspiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers kam es zu einem Rassismus-Eklat. Bild: Friso Gentsch / picture alliance / dpa

Mit einer bemerkenswerten Aktion und lautstarken "Nazis raus"-Rufen haben Fans des Bundesliga-Gründungsmitglieds Preußen Münster auf einen Rassismusvorfall reagiert. In der Schlussphase des Drittliga-Spiels gegen die Würzburger Kickers am Freitagabend (0:0) hatte ein Mann auf der Tribüne den Gäste-Profi Leroy Kwadwo beleidigt und Affenlaute in dessen Richtung gemacht. Nach Vereinsgaben zeigten daraufhin andere Fans auf den Zuschauer, damit dieser von Ordnungskräften ausfindig gemacht werden konnte. Zudem riefen zahlreiche Fans "Nazis raus", wie der Club mitteilte.

Rassismus-Eklat überschattet Drittliga-Spiel zwischen Preußen Münster und Würzburger Kickers

Ein Sprecher der Polizei bestätigte dem "Spiegel" die Beleidigungen. Der Mann sei vor dem Stadion in Gewahrsam genommen und auf das Präsidium gebracht worden. Demnach soll gegen den Mann eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden. Wie der "Spiegel" weiter schreibt, soll der Mann nach Informationen der Polizei Kwadwo auch zugerufen haben: "Geh zurück in dein Loch."

Rassistisch beleidigter Drittligaspieler bedankt sich bei Fußballfans für Unterstützung

Auf Fotos auf der Preußen-Vereinsseite ist zu sehen, dass der 23 Jahre alte Abwehrspieler mit ghanaischen Wurzeln die FIFA-Schiedsrichterin Katrin Rafalski auf den Vorfall aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte. "Sowas gehört nicht ins Stadion. Ich habe nicht gedacht, dass mir so etwas mal passieren würde", wurde Kwadwo von den "Westfälischen Nachrichten" zitiert und bedankte sich für die Reaktion der Fans.

Zuletzt hatte es auch im DFB-Pokalspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC einen Rassismus-Vorfall gegeben. Am 4. Februar hatten Schalker Fans Hertha-Profi Jordan Torunarigha beleidigt. Schalke wurde zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt.

Preußen Münster entschuldigt sich nach Rassismus-Attacke bei Leroy Kwadwo

In Münster entschuldigten sich die Gastgeber bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg. "Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht. Wir distanzieren uns ganz klar von solchen Äußerungen", sagte Vereinspräsident Christoph Strässer.

Leroy Kwadwo bei Würzburger-Kickers-Spiel beleidigt - Publikum zeigt klare Kante

Die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Club hervor. "Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war", sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz.

Der Würzburger Kapitän Sebastian Schuppan äußerte sich "schockiert". "Mal wieder kamen Affen-Laute von den Rängen. Aber anders als in vielen vorherigen Situationen hat das Stadion sehr gut reagiert. Die Polizei hat ihn festgenommen und ich hoffe, er darf nie wieder ein Fußballspiel besuchen", twitterte der 33 Jahre alte Routinier.

DFB verurteilt Rassismus-Vorfall in Münster und lobt Reaktion

Der Deutsche Fußball-Bund hat den Rassismusvorfall in der 3. Liga verurteilt und die Reaktionen darauf hervorgehoben. "So traurig und beschämend der rassistische Vorfall gegenüber Leroy Kwadwo" gewesen sei, "so vorbildlich waren die sofortigen Reaktionen darauf", twitterte der DFB am Samstagmorgen auf seinem Account zur 3. Liga.

Rassismus-Vorfall in Münster: Drei Jahre Stadionverbot

Nach dem Rassismus-Vorfall beim Drittliga-Fußballspiel in Münster ist gegen den Tatverdächtigen ein bundesweites Stadionverbot von drei Jahren ausgesprochen worden. Das gab der Club Preußen Münster am Montag bekannt. "Das Mindeste, das wir nun tun können, ist, dass diese Person nicht mehr in unser Stadion kommt", erklärte Vereinspräsident Christoph Strässer.

Zuvor hatte die Polizei die Identität des Mannes bestätigt und weitere Ermittlungen eingeleitet. Bei dem Tatverdächtigen, der am Freitag im Drittligaspiel von Preußen Münster gegen die Würzburger Kickers den Gäste-Spieler Leroy Kwadwo mit Affenlauten beleidigt hatte, handelt es sich um einen 29-Jährigen aus dem Kreis Steinfurt. Wie eine Polizeisprecherin am Montag bestätigte, wurde der Mann wegen Volksverhetzung angezeigt.

"Es werden weitere Zeugen vernommen und der Beschuldigte wird zur Sache befragt", sagte die Sprecherin. Danach werde sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall beschäftigen. Beim Grundtatbestand der Volksverhetzung ist eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren möglich. Auch finanziell wird der Vorfall für den Zuschauer Konsequenzen haben. Neben einer Geldstrafe aus dem Strafverfahren wird auch Preußen Münster die von Seiten des DFB zu erwartende Strafe auf den Täter umlegen. Die teilte der Club mit.

DFB-Kontrollausschuss ermittelt nach Rassismus-Vorfall in Münster

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) leitet nach dem Rassismusvorfall gegen Leroy Kwadwo beim Drittliga-Spiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers Ermittlungen ein. Dies teilte ein Sprecher des DFB am Montag auf Anfrage mit.

Kwadwo spricht sich nach Rassismusvorfall für Spielabbrüche aus

Fußball-Profi Leroy Kwadwo hat nach den rassistischen Beleidigungen gegen ihn ein noch entschlosseneres Handeln aller Beteiligten gefordert. "Der Fußball hat eine große Macht. Wir sollten dann alle zusammenrücken, sagen, so geht es nicht weiter, dann spielen wir nicht", sagte der 23 Jahre alte Profi der Würzburger Kickers am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF auf die Frage, ob Spielabbrüche eine angemessene Reaktion sein könnten.

Kwadwo war am Freitag im Drittligaspiel bei Preußen Münster (0:0) von einem Zuschauer mit Affenlauten beschimpft worden. Andere Zuschauer reagierten mit "Nazis-raus"-Rufen und zeigten auf den Mann, so dass dieser in Polizeigewahrsam genommen werden konnte. Die Reaktion sei "fast eine Genugtuung" für ihn gewesen, sagte Kwadwo. "Nochmal einen großen Dank an die Fans von Preußen, die da schnell und gut gehandelt haben", fügte der Fußballer mit ghanaischen Wurzeln hinzu.

Nach den Beleidigungen sei er "sauer, verwundert und enttäuscht", gewesen. "Es ist das erste Mal, dass mir so etwas widerfahren ist. Es war ein Erlebnis, das man nicht in Worte fassen kann, das man niemandem zumuten möchte", sagte Kwadwo.

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loc/news.de/dpa

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