01.11.2019, 21.31 Uhr

Die TSG Hoffenheim 1899: DAS ist die Erfolgsstory des Ausnahmevereins

Die TSG Hoffenheim 1899 ist einer der Traditionsvereine, ohne die im Profifußball nichts mehr läuft. Was es mit dem Verein auf sich hat, lesen Sie hier.

TSG 1899 Hoffenheim - eine Erfolgsstory Bild: picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Seit elf Jahren hat sich mit der TSG Hoffenheim eine Mannschaft in der ersten Fußballbundesliga etabliert, die anfangs nicht so richtig ernstgenommen wurde und nun zum festen Inventar des deutschen Fußballoberhauses zählt.

Der Aufstieg vom TSG Hoffenheim 1899

Nachdem das baden-württembergische Kollektiv aus Sinsheim zur Jahrtausendwende in der Oberliga, gleichbedeutend mit dem fünftklassigen Fußballniemandsland, spielte, konnte man sich nahezu von Jahr zu Jahr verbessern und eine Meisterschaft nach der anderen gewinnen.

Als die TSG Hoffenheim im Jahr 2008 in die erste Fußballbundesliga aufstieg, wusste niemand von den gestandenen Erstligavereinen, wer oder was auf sie erwartet. Die Jungs zeigten einen frechen und frischen Angriffsfußball und zeigten vor allem in der Hinrunde, was ihnen steckt. Nach einem Punktgewinn am 17. Spieltag gegen den FC Schalke 04 überwinterte die Mannschaft rund um Mäzen Dietmar Hopp für viele überraschend als Herbstmeister.

In der Rückrunde mussten die Hoffenheimer jedoch Federn lassen. Zwölf sieglose Begegnungen in Folge ließen den sensationellen Höhenflug schnell beenden. Am Ende reichte für den siebten Rang. Hätten die Sinsheimer zwei Siege mehr auf dem Konto gehabt, hätte es auf Anhieb mit einem Platz auf der europäischen Fußballbühne gereicht. Auch wenn das Leben nicht im Konjunktiv stattfindet, hatte jeder etablierte Verein im deutschen Fußballoberhaus Respekt von der Mannschaft, die relativ schnell junge Akteure im Kreise des DFB-Kaders integrieren konnte.

Die Erstligasaison - eine Lektion nach der anderen

In der zweiten, dritten und vierten Erstligasaison wurde die Anfangseuphorie der Baden-Württemberger sehr schnell vom Ligaalltagsgrau abgelöst. So konnte man an die teils überraschenden Ergebnisse in der Debütspielzeit nicht anknüpfen. Am Ende einer jeder Saison reichte es für Position elf. In der Folge wurden die Anhänger des etwas anderen Vereins im Spiel gegen Borussia Dortmund nicht gerade nett empfangen; Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp waren zu hören. Auch in der Bundesliga lief es nicht nach Plan. In der Spielzeit 2012/13 gastierte mehrfach das vielfach zitierte Abstiegsgespenst beim Klub, der traditionsgemäß in leuchtend blauen Dressen aufläuft. Am Ende konnte man dank zweier Siege in der Relegation gegen den 1. FC Kaiserlautern den Abstieg in die zweite Bundesliga verhindern.

Transferpolitik ändert alles

In der Saison 2013/14 erkannte der Fußballlaie, dass sich bei der TSG aus Hoffenheim rein von der Transferpolitik etwas getan hatte. Nach einer schwachen Herbstrunde konnte man sich im Verlauf des Frühjahrs verbessern. Der neunte Rang in der Abschlusstabelle reichte nicht für einen Platz im europäischen Bewerb. Im DFB-Pokal erwies sich Ligakonkurrent VfL Wolfsburg in der Runde der letzten Acht als zu stark. Im Folgejahr konnte man sich sowohl personalpolitisch als auch in der Rangliste etwas verbessern. Wie in der Debütsaison landeten die Jungs aus dem Südwesten der Republik auf Position sieben. In der darauffolgenden Spielzeit reichte es für Platz acht.

TSG Hoffenheim 1899 - DAS wollen die Fans

Die Fans in Sinsheim und auch Dietmar Hopp erwarteten sich in der Folge, endlich einmal auf internationalem Parkett zu spielen. Doch es kam (noch) ganz anders. Nach zehn Spieltagen befanden sich die Sinsheimer im tiefen Tabellenkeller. Mit Huub Stevens wurde im Hinblick auf die Saison 2015/16 ein erfahrener Trainer verpflichtet. Der Niederländer wurde rund zwei Jahrzehnte zuvor mit dem FC Schalke 04 UEFA-Cup-Sieger. Doch der erfahrene Mann an der Linie konnte seine Mission nur zum Teil erfüllen, gesundheitliche Probleme ließen ihn das Handtuch werfen. Der junge A-Junioren-Coach Julian Nagelsmann übernahm die Kampfmannschaft und führte sie ansatzweise aus dem Abstiegssumpf und erreichte am Ende mit seiner Einheit den rettenden 15. Rang.

In der Spielzeit 2016/17 lief von Beginn alles nach Plan. In der Vorrunde kassierten die in der Vorsaison noch abstiegsbedrohten Südwestdeutschen keine Niederlage. Man fand sich auf Position drei wieder. Einige Fans verglichen diese Zeit mit der Debütsaison. Doch dieses Mal konnte man im Frühjahr die gute Form behalten. Der vierte Abschlussrang bescherte den Hoffenheimern einen Platz in der Champions-League-Qualifikation. Hier zog man zweimal gegen den englischen Vertreter aus Liverpool den Kürzeren. In der Europa League, dem Nachfolgerbewerb des UEFA-Cups, reichte es nur zum letzten Gruppenplatz.

TSG Hoffenheim 1899 - auf Erfolgskurs!

In der Folgesaison übertrafen die Sinsheimer alle Erwartungen. Mit einem Sieg am 34. und letzten Spieltag gegen den direkten Konkurrenten Borussia Dortmund beendete man die Spielzeit 2017/18 auf Position drei. Die Schmähgesänge der nordrhein-westfälischen Anhänger waren längst verstummt und nicht nur Dietmar Hopp konnte zufrieden sein. Sein Kollektiv schaffte nämlich den direkten Einzug in die Königsklasse des europäischen Vereinsfußballs. Nach einer knappen Niederlage gegen den ukrainischen Vertreter aus Donezk war in der Vorrunde Schluss.

Europa League? DER Traum ist2019 ausgeträumt

In der vergangenen Saison sah man wie ein sicherer Europa League-Teilnehmer aus, doch nach einer Niederlage gegen Mainz und Erfolgen der direkten Rivalen musste man anderen Kollektiven den Vortritt lassen. Auch wenn es nicht zum dritten Mal in Folge für einen Platz auf der europäischen Fußballbühne gereicht hat, haben sich die Sinsheimer im deutschen Fußballoberhaus etabliert. Auch wenn sie nicht als Traditionsverein angesehen werden, muss man sie immer ernstnehmen.

Klimaschutz und Sports for Future

Außerdem hat die TSG aus Hoffenheim eine Initiative ins Leben gerufen, die auch von anderen Vereinen übernommen werden kann. Der Klub aus dem Kraichgau gehört zu den Sports for Future-Gründungsmitgliedern. Der Klimaschutz wird großgeschrieben. Denn es ist der Sport, der in Fragestellungen der viel zitierten Nachhaltigkeit, noch keine vernehmbare Stimme hat. Es gibt selbstredend einige Widersprüche, aber man will sich der Verantwortung stellen und nachhaltig denken und leben.

AR/add/news.de

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