30.10.2019, 09.15 Uhr

Schiri verprügelt: Bodyguards müssen Fußball-Schiedsrichter schützen

Nach der brutalen Attacke auf einen Kreisliga-Schiedsrichter, reagiert die deutsche Fußball-Landschaft. Aus Sorge um die Unparteiischen haben einige Vereine bereits Konsequenzen gezogen.

Fußball-Gewalt: Nach der Schiedsrichter-Prügel-Attacke folgen jetzt die Konsequenzen. Bild: picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Am Montag kam es erneut zu einem Ausbruch der Gewalt auf einem deutschen Fußballplatz. Nachdem eine Gelb-Rote Karte gezückt wurde, schlug ein Spieler des FSV Münster dem Schiedsrichter ins Gesicht, so dass dieser bewusstlos zusammenbrach. Mehrere Vereine regierten nun, um ihre Referees zu schützen.

Gewalt-Eskalation auf dem Fußballplatz im News-Ticker

  • Berliner Landesligist bezahlt Bodyguards für Schiedsrichter
  • Vater des niedergeschlagenen Referees: "Sehr große Angst"
  • Fußballspieler schlägt Referee bewusstlos

+++ 30.10.2019: Berliner Landesligist bezahlt Bodyguards für Schiedsrichter +++

Angesichts zunehmender Gewalt gegen Schiedsrichter wird der Berliner Fußball-Landesligist Friedenauer TSC die Referees von Bodyguards schützen lassen. Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge engagiert der Verein ab sofort eine Sicherheitsfirma für den Sonntag, an dem bis zu fünf Männer- Mannschaften ihre Heimspiele austragen. Bis zum Ende der Hinrunde sollen die Kosten für die Sicherheitsfirma rund 5000 Euro betragen.

"Bei uns gab es keine Gewalt gegen Schiris. Aber um die Sicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten, haben wir uns dazu entschlossen", sagte Ronny Herms, Mitglied im Club-Vorstand. "Worte und Banner sind nicht genug!" Die Kosten für die Security-Firma muss der Verein selbst aufbringen. Herms: "Das fällt schwer - aber die Sicherheit ist es wert."

Am vergangenen Wochenende streikten die Berliner Schiedsrichter wegen der zunehmender Gewalt gegen Referees, ab der 6. Liga fand keine Partie statt.

+++ 29.10.2019: Vater des niedergeschlagenen Referees: "Sehr große Angst" +++

Dem bei einem hessischen Kreisliga-Spiel niedergeschlagenen Amateur-Schiedsrichter geht es "den Umständen entsprechend gut. Er hat aber noch sehr starke Schmerzen." Dies sagte der Vater des 22-Jährigen Referees in einem Interview mit Hit Radio FFH (Dienstag). "Es stehen noch weitere Untersuchungen an, was den Kiefer betrifft", erklärte er weiter. "Das andere, was seelisch in ihm vorgeht, ist noch eine andere Geschichte."

Eine Entschuldigung des Übeltäters sei bislang nicht erfolgt. Der Unparteiische war am Sonntag in der Partie FSV Münster gegen TV Semd in der C-Liga Dieburg von einem Spieler der Gastgeber bewusstlos geschlagen worden und musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Er erlitt eine Gehirnerschütterung.

Er werde "sehr große Angst" haben, wenn sein Sohn wieder auf dem Platz stehe, sagte der Vater und forderte: "Der Schiedsrichter muss wieder eine Respektsperson sein."

Derweil hat der FSV Münster seine Mannschaft aus dem laufenden Spielbetrieb abgemeldet. Zudem erhält der Spieler, der den Referee bewusstlos geschlagen hat, nach Angaben des Vereinsvorsitzende Hans-Peter Samoschkoff ein lebenslanges Hausverbot.

Gerd Schugard, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses in Hessen, macht sich Sorgen, um das Schiedsrichterwesen. "Wie sollen wir das nur jungen Leuten schmackhaft machen nach solchen Vorfällen?", sagte er der "Frankfurter Rundschau". "Solche Vorfälle als Einzelfälle zu sehen, hilft nicht weiter." Am 16. und 17. November tagen nach Angaben des Blattes in der DFB-Zentrale in Frankfurt die Obleute der Landesverbände. Da soll das Thema Gewalt gegen Unparteiische ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

+++ 29.10.2019: TSV Münster zieht Mannschaft zurück +++

Die Fußball-Mannschaft des FSV Münster meldet sich nach der Prügelattacke gegen den Schiedsrichter aus dem laufenden Spielbetrieb ab. Nach übereinstimmenden Medienberichten zieht der hessische Kreisliga-Club damit die Konsequenzen aus dem Vorfall vom Wochenende, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. Zudem erhält der Spieler nach Angaben des Vereinsvorsitzende Hans-Peter Samoschkoff ein lebenslanges Hausverbot.

"Wir haben beschlossen, dass die Mannschaft mit sofortiger Wirkung abgemeldet wird", sagte der Funktionär dem Radiosender Hit Radio FFH. "Die Spieler werden sich noch einmal treffen, nehmen ihre persönlichen Sachen mit - das war's dann." Der Spieler, der den 22 Jahre alten Referee niedergeschlagen habe, habe seinen Fehler inzwischen eingesehen: "Er kann sich vor Gericht entschuldigen, aber hier ist die Zeit für ihn vorbei."

"Außerhalb des Platzes sind sie alle ganz okay", sagte Samoschkoff der "Bild"-Zeitung. "Aber auf dem Spielfeld geht eine Lampe aus." Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat eine lebenslange Sperre für Täter gefordert, die Referees bewusstlos prügeln.

+++ 28.10.2019: Neuer Fall von Gewalt: Fußballspieler schlägt Referee bewusstlos +++

Nach einem weiteren Fall von Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfußball hält die Diskussion über ein Umdenken und Konsequenzen an. Bei einem Kreisliga-Spiel zwischen der FSV Münster und dem TV Semd hat ein Spieler den Unparteiischen bewusstlos geschlagen. Der Referee habe ihm während der Partie im hessischen Münster die Gelb-Rote-Karte gezeigt, teilte die Polizei am Sonntagabend mit.

Daraufhin habe der 28-jährige Spieler der FSV Münster den 22 Jahre alten Schiedsrichter niedergeschlagen. Nachdem er wieder bei Bewusstsein war, wurde er mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Das Fußballspiel wurde abgebrochen. Wie ein Sprecher des Hessischen Fußball-Verbandes am Montag der Deutschen Presse-Agentur erklärte, könnte in diesem Fall das Sportgericht des Kreises den Fall übernehmen, möglich sei aber auch, dass sich das Verbandssportgericht dieser Sache annehme.

"Das ist absolut inakzeptabel und natürlich extrem bedauerlich", sagte der Fußball-Klassenleiter Theo Greiner dem "Darmstädter Echo" (Online-Ausgabe). "Das macht mich wirklich sehr betroffen." Der Spieler müsse nun mit einer "massiven Strafe" rechnen. Der Berliner Verband hatte am vergangenen Wochenende wegen der zunehmenden Gewalt gegen Schiedsrichter alle Spiele einschließlich der Berlin-Liga abgesagt. Allein auf den Fußballplätzen der Stadt wurden in der aktuellen Saison 53 Fälle von Übergriffen gegen Unparteiische registriert.

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luj/kum/news.de

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