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01.08.2011, 12.43 Uhr

Medizincheck: Da muss jeder Profi durch(kommen)

Ein Fußballprofi, der auf dem Platz kollabiert, ist ein absolutes Schreckensszenario. So einer Gefahr soll der ausführliche Medizincheck vorbeugen. EKG und Blutanalyse sind vor der Saison nicht nur für Neuzugänge, sondern für alle Spieler ein Muss.

Gerald Asamoah ist trotz eines festgestellten Herzfehlers als Profifußballer aktiv. Bild: dpa

Der Schreckensmoment der Saison 2008/2009 ging am Ende glimpflich aus. Am 3. Spieltag brach der Kölner Abwehrspieler Ümit Özat in der Partie beim Karlsruher SC zusammen und musste noch auf dem Rasen wiederbelebt werden. Ärzte stellten bei ihm anschließend eine Herzmuskelentzündung fest, Leistungssport dürfe der türkische Nationalspieler nicht mehr betreiben. Einige Monate später beendete Özat seine Karriere.

Um solche Gefahren so weit wie möglich auszuschließen, muss sich jeder Fußballprofi vor der Saison einem ausführlichen Medizincheck unterziehen - wie auch vor einem Vertrag bei einem neuen Verein. «Da wird er von Kopf bis Fuß untersucht», sagt Wilfried Kindermann, früherer Mannschaftsarzt der deutschen Nationalelf.

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Vereine sichern sich ab

Gelenke wie Hüfte und Knie, Muskeln und Bänder werden unter die Lupe genommen. Zudem gehören ein Ruhe- und Belastungs-EKG, eine Blutanalyse und Ultraschalluntersuchung des Herzens dazu, listet der 70-Jährige auf. Der untersuchende Arzt fragt nach Vorerkrankungen, Krankheiten in der Familie und aktuellen Beschwerden.

In manchen Fällen, etwa wenn ein Kreuzband verletzt sein könnte, zieht sich der normalerweise rund zwei Stunden dauernde Check in die Länge. «Wenn bestimmte Auffälligkeiten an Gelenken vorhanden sind und man sich nicht im Klaren darüber ist, was dahinter stecken könnte, können zusätzliche Röntgen- oder Kernspinuntersuchungen notwendig sein», sagt Kindermann. So kann vermieden werden, dass eine Neuverpflichtung erst einmal wochen- oder gar monatelang ausfällt.

Und könnte man auch etwas vertuschen? «Vortäuschen könnte man bei der Krankheitsvorgeschichte, dass man zum Beispiel bestimmte Dinge weglässt», sagt der Saarbrücker Kindermann. Auch aktuelle Beschwerden könne ein Profi verneinen, wenn er einen Vertrag unbedingt haben möchte. «Das wird auch immer wieder vorkommen», glaubt er.

Asamoah spielt mit Herzfehler

Ob der Profi den Medizincheck besteht, liegt in der Verantwortung des Arztes, der Verein bestätigt den Check dann der Deutschen Fußball-Liga. Durchfallen könne ein Profi zum Beispiel mit auffälligen Knorpelschäden, sagt Kindermann. «Wenn der Arzt ihn sportuntauglich schreibt, wird der Vereinswechsel ins Wasser fallen. Oder der Spieler kann zu Beginn einer Saison nicht spielen.» Wegen Problemen am linken Knie platzte im Januar etwa der Wechsel des Brasilianers Caio von Eintracht Frankfurt zu Dynamo Moskau.

«Dass ein Profi wegen internistischer Erkrankungen komplett durchfällt, ist aber selten», berichtet der Mannschaftsarzt von Borussia Mönchengladbach, Heribert Ditzel. Gelegentlich erforderten internistische Befunde aber weitere Untersuchungen. «Die Sportler mit solchen Befunden werden noch intensiver medizinisch überwacht.»

Wie etwa Gerald Asamoah. Ärzte entdeckten bei dem derzeit vereinslosen Stürmer schon 1998 einen angeborenen Herzfehler und rieten ihm vom Leistungssport ab. Nachdem ein Kardiologe aus den USA das Risiko als gering einstufte, spielte Asamoah auf eigene Verantwortung weiter - für alle Fälle steht ein Defibrillator parat.

hem/phs/news.de/dpa

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