24.06.2021, 09.40 Uhr

Mieten vs. Eigentum: So wohnen die Deutschen

Traditionell ist Deutschland ein Land der Mieter. Erst in den letzten Jahren hat das Interesse an Wohneigentum deutlich zugenommen. Das liegt unter anderem an den steigenden Mietpreisen und den historisch niedrigen Kreditzinsen. Während einige Immobilien für sich selbst nutzen, verstehen sie andere als Wertanlage. Welche Wohnform sich am ehesten anbietet, hängt insbesondere vom jeweiligen Wohntyp ab. Dieser Artikel stellt die Vor- und Nachteile von Mieten und Wohneigentum vor und erläutert, worauf es den Deutschen beim Wohnen ankommt.

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Wohnen ist ein hoch politisches Thema in Deutschland

Das Thema Wohnen ist in Deutschland aktuell stark politisch aufgeladen. Das liegt unter anderem daran, dass bezahlbarer Wohnraum vor allem in den Ballungszentren immer knapper wird. Die Folge ist, dass Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen immer mehr aus den Innenstädten vertrieben werden und an die Stadtränder oder in ländliche Regionen ausweichen müssen. Diese Entwicklung wird durch die Tatsache beschleunigt, dass zu wenig neuer Wohnraum gebaut wird. Außerdem stehen viele Immobilien leer und werden nicht vermietet, da sie die Eigentümer lediglich als Wertanlage erworben haben.

Die Politik hat die steigenden Mietpreise als Problem erkannt und versucht, mit verschiedenen Mitteln gegenzusteuern. Während sich einige wie die Novelle zum Baugesetz zur Nutzung von Baugrund großer Beliebtheit erfreuen, weil sie Kommunen den Kauf von Freiflächen erleichtern, stehen andere wie der Berliner Mietendeckel massiv in der Kritik. Entsprechend ist das Thema Wohnen in den Medien präsent und wird als Wahlkampfthema ausgeschlachtet.

Wohneigentum ist im Kommen

In Deutschland war Wohneigentum bis in die späten 1990er Jahre eher die Ausnahme. Lediglich im Saarland und in Rheinland-Pfalz lag die Eigentümerquote bei über 50%. In allen anderen Bundesländern waren die Mieter in der Überzahl. Schlusslicht bildete Mecklenburg-Vorpommer, wo die Quote bei gerade einmal 32,2% lag. Seither haben sich die Verhältnisse deutlich verschoben. Mittlerweile gibt es mit Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Niedersachen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland bereits sechs Bundesländer mit einer Eigentümerquote über 50%.

Ein Grund für diese Entwicklung ist die unsichere Situation am Wohnungsmarkt. In den letzten Jahren kannten die Mietpreise nicht nur in den Ballungszentren nur eine Richtung: nach oben. Gleichzeitig hat die Niedrigzinspolitik der EZB dazu geführt, dass die Kreditzinsen auf ein historisches Tief gesunken sind. Die Finanzierung einer Immobilie ist folglich so günstig möglich wie noch nie. Entsprechend sind viele Menschen auf der Suche nach Wohneigentum. Das betrifft historische Gebäude und Neubauten ebenso wie Fertighäuser und vor allem die Speckgürtel großer Ballungszentren gewinnen an Popularität.

Die meisten Deutschen wohnen nach wie vor zur Miete

Die meisten Deutschen leben nach wie vor zur Miete. Das gilt für Ballungszentren und den ländlichen Raum gleichermaßen. In den meisten Fällen handelt es sich um Mietwohnungen, aber auch Miethäuser werden von vielen Personen, Paaren und Familien bewohnt. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person liegt aktuell bei 47 m². Eine Mietwohnung hat zudem im Schnitt 91,9 m². Das liegt vor allem daran, dass neue, moderne Wohnungen tendenziell etwas größer gebaut werden. Außerdem steigt die Zahl der Wohnungen kontinuierlich an. Allerdings hat das in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt oder dem Saarland größere Auswirkungen als in Bundesländern wie Bayern oder Berlin, da in letzteren die Bevölkerungszahl steigt.

Die Mietwohnungen verteilen sich auf ganz unterschiedliche Eigentümer. Große Wohnungsgesellschaften zählen zu den Hauptvermietern in Ballungszentren, aber auch private Vermieter sind anzutreffen. Die Mieten steigen seit längerer Zeit kontinuierlich an. Das liegt unter anderem an der großen Nachfrage nach Wohnraum. Wie stark die Mieten ansteigen dürfen, hängt unter anderem vom regionalen Mietspiegel und den Vergleichsmieten ab. Außerdem hat der Gesetzgeber vorgeschrieben, dass Mieten in einem bestimmten Zeitraum nur bis zu einer klar definierten Obergrenze ansteigen dürfen.

Verschiedene Vor- und Nachteile beim Mieten und bei Eigentum

Zu den Vorteilen von Wohneigentum gehört die Gestaltungsfreiheit. Die Eigentümer können grundsätzlich frei entscheiden, wie ihr Haus aussehen und welche Besonderheiten es besitzen soll. Lediglich in bestimmten Bereichen wie dem Klimaschutz macht der Staat Vorgaben. Außerdem müssen sich Haus- oder Wohnungsbesitzer keine Sorgen um steigende Mieten machen. Im Gegenteil profitieren sie von den sich erhöhenden Wohnungspreisen, wenn sie selbst als Vermieter auftreten. Nicht zuletzt dient eine Immobilie dem Vermögensaufbau, da sie in der Regel über die Jahre hinweg an Wert gewinnt. Dafür müssen sich Eigentümer eigenständig um Reparaturen und Instandsetzungen kümmern und die Kosten hierfür übernehmen. Nicht zuletzt werden Immobilien in der Regel über Kredite finanziert, weswegen sich die Eigentümer über Jahre verschulden.

Eine Wohnung zu mieten bringt eine große Flexibilität mit sich. Mieter binden sich nicht langfristig an ein Gebäude, sondern können jederzeit leicht umziehen. Außerdem können sie eventuelle Reparaturmaßnahmen in die Hände der Vermieter oder Hausverwaltung legen und müssen sich weder um die Organisation kümmern noch die Kosten tragen. Zwar bleiben Mieter schuldenfrei, da sie keinen Finanzierungskredit aufnehmen müssen, dafür sehen sie sich mit steigenden Mietpreisen konfrontiert und müssen andere Formen des Vermögensaufbaus finden. Nicht zuletzt sind sie in der Gestaltung ihrer Wohnung nicht frei, sondern müssen sich bei vielen Veränderungen die Erlaubnis der Vermieter einholen.

Mieten oder Kaufen ist immer eine Typfrage

Ob ein Mensch Wohneigentum erwerben oder lieber zur Miete wohnen sollte, hängt immer stark vom individuellen Typ ab. Wer seinen Wohnort gerne wechselt und regelmäßig neue Ecken und lebenswerte Städte oder sogar Bundesländer kennenlernen will, sollte sich nicht langfristig an eine Immobilie binden. Die Suche nach einem geeigneten Käufer und der Verkaufsprozess an sich erweisen sich häufig als schwierig und kosten eine Menge Zeit und Mühe.

Wer hingegen eine Familie gründen, Vermögen über Immobilien aufbauen und den eigenen Lebensbereich nicht verlassen möchte, macht mit einem Immobilienkauf vermutlich nichts falsch. Wichtig ist, zu bedenken, dass auch bei Wohneigentum Kosten anfallen. Hierzu gehören beispielsweise die Grundsteuer, Gebäudeversicherungen und gelegentlich notwendige Reparaturen. Ein Richtwert besagt, dass immer rund 2% der Kaufsumme jährlich für unerwartete Ausgaben zur Verfügung stehen sollten.

Fazit

Nach wie vor leben die meisten Deutschen zur Miete, das Pendel schlägt aber immer mehr in Richtung Eigentum aus. Die Niedrigzinspolitik der EZB und kontinuierlich steigende Mietpreise sind hierfür verantwortlich. Wer mit dem Gedanken spielt, in Wohneigentum zu investieren, sollte die eigenen Wohnvorlieben genau ins Auge fassen. Außerdem müssen die Vor- und Nachteile von Wohneigentum und dem Wohnen zur Miete abgewogen werden.

lic/news.de