11.11.2019, 17.05 Uhr

Martins-Gans: Die Wahl der Qual! Tradition oder unverantwortlich?

Es ist eine lukullische Tradition, die ihren Ursprung in der Religion hat: Das Martins-Gans-Essen! Ist das Essen noch zeitgemäß?

Eine viertel Gans mit Knödeln und Blaukraut steht auf einem gedeckten Tisch. Bild: picture alliance/Tobias Hase/dpa

Der Martinstag am 11.11. war seit dem Mittelalter bis in die Neuzeit hinein der Beginn der Fastenzeit vor Weihnachten. Gleichzeitig hingegen das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Die Untertanen und Leibeigenen mussten ihren Lehensherren Steuern, Pacht und andere Abgaben zahlen - zumeist in Naturalien, wie beispielsweise durch die Gänse, die nicht durch die Winterszeit gefüttert werden konnten. Dort folgte dann das große Festmahl. Auch heute noch steht die Gans rund um den Martinstag auf nahezu jeder Speisekarte. Allerdings kommt sie zuhauf nicht mehr aus heimischer Landwirtschaft sondern aus Ländern wie Polen und Ungarn.

Gequälte Tiere auf dem Festtagstisch

Während in Deutschland die Stopfmast oder der Lebendrupf verboten sind, gelten in anderen Ländern andere Gesetze. Bei der Stopfmast wird dem Tier dreimal täglich ein Metallrohr in den Rachen gestoßen, durch das eine immer grösser werdende Mischung aus Mais und Fett eingetrichtert wird. Die Fütterung dauert drei Sekunden, die Tortur zieht sich über drei Wochen hinweg. Beim Lebendrupf werden der Gans bei vollem Bewusstsein drei- bis viermal in ihrem kurzem Leben die Daunen (feine Unterfedern) und Federn aus der Haut gerissen. Daraus entstehen Daunenjacken oder Kopfkissen. Diese Quälerei ist eigentlich in der ganzen EU verboten. Dennoch besteht ein hoher Bedarf an Daunen. Beide gequälte Tierarten landen als Tiefkühlware auch in heimischen Gefrierschränken.

Bio-Weidegans - geschmacklich wesentlich besser

Experten raten deshalb beim Kauf genauestens auf die Herkunft und die Haltung der Gans zu achten. Die preislich teurere, heimische Bio-Weidegans wird sich vor allem im Geschmack bemerkbar machen. Leider kommen rund 80 % der Gänse nach wie vor aus dem Ausland. In Deutschland bestehen jedoch gesetzliche Vorgaben, ab wann eine Gans als Weidegans verkauft werden darf. So muss sie u.a. als Weidetier über entsprechenden Auslauf außerhalb des Stalles auf Grünland verfügen (etwa 70 qm), die Mast ist eine Lang- oder Spätmast (21 bis 33 Wochen). Daneben gilt die Weidegans als „Wiederkäuer", sie besitzt keinen Kropf, dafür jedoch einen Weideschnabel (für das Gras) und einen sog. „Muskelmagen" mit weitaus höherem Druck als im Magen eines Huhnes. Das Schlachtgewicht beläuft sich auf rund sieben Kilogramm. Dabei besitzt die Weidegans einen immens höheren Anteil an Muskelfleisch anstelle des Fetts. Für die Biohaltung gelten zusätzlich entsprechende Kriterien.

Es lohnt sich somit allemal, heimische Gänse der gequälten Billigvariante aus dem Ausland vorzuziehen!

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US/add/news.de

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