Von news.de-Volontärin Lisa Volkmann - 08.08.2015, 08.00 Uhr

Betrunken an Bord: Nach Axt-Vorfall im Flieger: Wie viel Alkohol ist erlaubt?

Drastische Maßnahmen ergriff der Pilot eines schwedischen Inlandsfluges: Ein Betrunkener hatte sich auf der Toilette verschanzt. Da griff der Kapitän zur Axt und schlug damit auf die Tür ein. Wie gehen Airlines mit betrunkenen Passagieren um und wieviel Alkohol ist an Bord erlaubt?

Alkohol im Flieger - was ist erlaubt, was nicht? Bild: Picture Alliance/dpa

Auf einem Inlandsflug von der schwedischen Hauptstadt Stockholm nach Gideå hat ein betrunkener Mann für mächtig Ärger gesorgt. Der 53-Jährige hatte sich in der Toilette eingeschlossen und sich geweigert, herauszukommen. Weil sich während der Landung niemand in den Toilettenräumen aufhalten darf, schlug der Pilot die Tür mit einer Axt ein und holte den Mann heraus. Er wurde in Gewahrsam genommen und am Flughafen seiner Frau übergeben.

Betrunken an Bord des Flugzeugs: Wieviel Alkohol ist erlaubt?

Der Zwischenfall heizt einmal mehr die Diskussion an, wieviel Alkohol im Flieger erlaubt ist und wo die Grenzen sind. Gerade jetzt zur Haupt-Urlaubszeit häufen sich betrunkene Passagiere an Bord der Airlines: Sei es die Partycrew beim Vorglühen auf dem Weg nach Malle, ein Passagier, der seine Flugangst ertränkt, oder ein Mitreisender, der einfach nur so zu tief ins Glas geschaut hat.

"Jeder reagiert anders auf Alkohol", sagt Carola Scheffler vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Betrunkene werden laut, anstrengend, teils sogar aggressiv. Manche werden schon nach einem Bier auffällig, daher gebe es bei den meisten Airlines keine festgelegte Promillegrenze, wie Ali Genc von Turkish Airlines erklärt. Dennoch werden vorbeugende Maßnahmen getroffen, denn ein Betrunkener kann auch bei den übrigen Passagieren an Bord für Angst oder Beunruhigung sorgen. So beobachtet das Flugpersonal die Mitreisenden bereits vor Abflug aufmerksam. Steffi Jarosch von Ryanair bestätigt, dass betrunkene Gäste bereits in der Warteschlange abgewiesen werden können.

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Betrunkene Passagiere im Flieger können zur Gefahr werden

Sobald ein angetrunkener Passagier aber an Bord des Flugzeugs zur Gefahr für sich oder andere wird, heißt es für das Kabinenpersonal: Eingreifen! Zunächst wird versucht, den Betrunkenen zu beruhigen, so Scheffler. Das Flugpersonal sei geschult und habe mehrere Taktiken, mit betrunkenen Gästen umzugehen. Bei Turkish Airlines wird dem Fluggast beispielsweise Kaffee angeboten.

Pilot hat oberste Entscheidungsgewalt: Zwischenlandung, Verhaftung, Flugverbot

Schlagen diese Methoden fehl, muss - wie im Falle des schwedischen Inlandsfluges - der Kapitän handeln. Mit seiner obersten Entscheidungsgewalt kann er bestimmen, ob ein Zwischenstop eingelegt werden muss, um den randalierenden Passagier loszuwerden. Für den kann das mächtig ins Geld gehen. Reiserechtler Paul Degott sagt, ein Betrunkener müsse für einen Zwischenstop leicht 100.000 Euro zahlen. Bei einem Verstoß gegen die Luftsicherheitsvorschriften erwartet den Verursacher bei der Zwischenlandung zudem die Polizei. Im Ausland wird das strenger geahndet, "es kommt schon vor, dass randalierende Passagiere ins Gefängnis müssen", so Degott. Ein Zwischenstop ist aber die absolute Ausnahme, Lufthansa und Air Berlin tun dies eigenen Angaben zufolge äußerst selten. Auch ein Flugverbot auf Lebenszeit ist hierzulande unüblich.

Welche Strafe den betrunkenen Schweden erwartet, ist bislang unklar. Fest steht aber, dass das Einschlagen auf die Tür der Bordtoilette mit einer Axt auch nicht gerade die übliche Verhaltensweise eines Piloten ist.

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lvo/zij/news.de

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