Von news.de-Experte Christian Günther - 10.02.2014, 09.00 Uhr

News.de Expertenrat Reiserecht: Seite 2: Wieviel Schadenersatz steht Reisenden bei Gepäckverlust zu?

Die gute Nachricht: Über 95 Prozent aller Gepäckstücke sind innerhalb von fünf Tagen wieder da. Bild: dpa/Marius Becker
Angesichts dessen ist es zumindest erfreulich, dass es selbst dann Schadensersatz für verlorenes Gepäck gibt, wenn die Fluggesellschaft keine Schuld trifft. Andererseits ist die Schadensersatzhöhe nach dem Montrealer Übereinkommen begrenzt. Maximal 1131 sogenannte Sonderziehungsrechte (SZR) gibt es. Diese sind in einen sich täglich ändernden Betrag von Währungen wie Euro oder US-Dollar umzurechnen. Anfang Januar 2014 war dabei 1 SZR etwa 1,12 Euro wert. Bei Flugreisen, für die statt des Montrealer Übereinkommens noch das alte Warschauer Abkommen gilt, richtet sich die Entschädigung gar nur nach dem Gepäckgewicht. Hier gibt es 27,35 Euro pro Kilogramm. Zumindest hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass der maximale Schadensersatz nach dem MÜ jedem betroffenen Reisenden zusteht. Das wird vor allem dann wichtig, wenn mehrere sich einen Koffer teilen.

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Dennoch sollten sich Reisende mit wertvollerem Gepäck angesichts dessen überlegen, ob sich nicht eine Reisegepäckversicherung lohnt. Das erspart nämlich den Aufwand, der Fluggesellschaft ein Verschulden nachzuweisen, um vollen Schadensersatz zu erlangen. Um diesen Beweis kommt man im Übrigen nicht herum, wenn man die Gepäckaufgabe nicht belegen kann, für die der Gepäckschein wiederum wichtig ist. Unabhängig davon, gibt es als Ersatz stets nur den Zeitwert und nicht den Neuwert der verlorenen Sachen.

Fristen unbedingt einhalten

Ganz wichtig für die Ansprüche ist es außerdem, sich rechtzeitig an die Fluggesellschaft zu wenden. Dabei unbedingt auf eine schriftliche Bestätigung des Verlusts bestehen. Das Montrealer Übereinkommen gibt einem 21 Tage Zeit, ab dem Moment, in dem es hätte eintreffen sollen. War das Gepäck im Übrigen nur beschädigt, sind es nur 7 Tage, die für eine Geltendmachung bleiben. Fluggesellschaften halten in der Regel Fragebögen für diese Fälle vor. Um den Schaden zu beweisen, lohnt es sich außerdem Belege für wertvolle Sachen aufzuheben.

Am Ende noch eine gute Nachricht: Über 95 Prozent aller Gepäckstücke sind innerhalb von fünf Tagen wieder da. Außerdem existiert mittlerweile eine Stelle, die sich vorrangig um die Schadensregulierung in solchen Fällen kümmert.

Autor: Christian Günther, Assessor und Redakteur bei www.anwalt.de
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kls/loc/news.de

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