21.09.2011, 07.09 Uhr

Pfarrer und Nonnen: Geistliche als letztes Tabu im Porno

Am Dienstagabend zeigte Sat.1 zur Primetime einen Film über eine Sexsüchtige und einen Pfarrer. Auch im Pornobusiness sind diese Themen ein Renner, gern in Abwandlung nymphomaner Nonnen. Und die sexy Schwesterntracht zu Karneval bleibt populär. Was macht den Reiz von Nonne und Priester aus?

Im Film ist Sex mit einem Geistlichen kein Tabu-Thema.   Bild: Montage (news.de)

Antje Nikola Mönning wurde in ihrer Rolle als süße Schwester Jenny in der ARD-Serie Um Himmels Willen bekannt. Berühmt wurde sie, als sie die Schwesterntracht ablegte, sexy Fotoshootings machte und die lüsterne Lucy im Erotikfilm Engel mit schmutzigen Flügeln spielte. Mit news.de spricht sie über Kirche, Sex und Zölibat.

Hatten Sie in der Zeit, in der Sie Schwester Jenny gespielt haben, viele Fans, die Sie als Frau begehrt haben?

Antje Mönning: Ich habe als Schwester Jenny eher formlose Autogrammanfragen bekommen, aber seit Engel mit schmutzigen Flügeln ist die Nachfrage sprunghaft angestiegen und viele Fans schreiben mir nun persönliche Briefe.

Glauben Sie, dass Sie mit Ihren Nacktfotos und dem erotischen Film Engel mit schmutzigen Flügeln besonders viel Erfolg haben, gerade weil viele Sie in Ihrer Rolle als Nonne kennengelernt haben?

Mönning: Natürlich war der Wechsel von Novizin Schwester Jenny in Um Himmels Willen zur Lucy in Engel mit schmutzigen Flügeln für viele Zuschauer spannend. Obwohl man als Schauspielerin sowieso viele unterschiedliche Charaktere in seinem Leben spielt, ist so ein radikaler Rollenwechsel doch eher selten. Das hat sicher zu dem gestiegenen Interesse an mir als Person der Öffentlichkeit und als Schauspielerin beigetragen.

Was reizt Männer an Nonnen?

Mönning: Dazu kann ich eigentlich nichts sagen, weil ich weder ein Mann noch eine Nonne bin. Aber ich halte es für ein von den Medien gefördertes Klischee, dass Männer heiß auf Nonnen sind. Bestes Beispiel dafür ist die von Penelope Cruz in Pedro Almodovars Film Alles über meine Mutter gespielte schwangere junge Nonne. Dabei ist das Durchschnittsalter von Nonnen heute über 50, in manchen Klöstern liegt es sogar bei Ende 60. Was daran für einen Mann reizvoll sein soll, weiß ich nicht.

Warum finden Frauen es aufregend, einen Mann zu verführen, der im Zölibat lebt?

Mönning: Die Abenteuer sind im Kopf. Wahrscheinlich wäre es in der Realität furchtbar langweilig.

Kann das Zölibat Ihrer Meinung nach funktionieren?

Mönning: Nein. Das sieht man doch an den vielen Missbrauchsfällen, die in den vergangenen Jahren aufgedeckt wurden. Das Zölibat ist eine Erfindung der Kirche, die ihren Reichtum und ihre Ländereien nicht durch Erbschaft verlieren wollte. Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum ich gegen das Zölibat bin: Wie kann ein Mensch das Sakrament der Ehe verleihen und über die Liebe predigen, der selbst nicht die geringste Erfahrung damit hat?

Fanden Sie selbst Ihre Kutte sexy?

Mönning: Nein. Das ist, als würde man behaupten, einen kratzenden Pullover kuschelig zu finden.

Ist Sex und Religion eines der letzten Tabus?

Mönning: Ja. Ich glaube, dass die Kirche sogar bewusst dafür sorgt, dass Sexualität weiterhin ein Tabuthema bleibt. Nur ein Mensch, der sich und seine eigene Sexualität gut kennt und akzeptiert, ist ein freier Mensch. Dadurch, dass die Kirche den Menschen von Kindheit an Schuldgefühle wegen ihrer sexueller Fantasien und Taten einflößt, kann sie eine enorme Macht ausüben.

Bekommen Sie auch Kritik von Kirchenanhängern, die Sie mit Ihrer Rolle als Nonne identifiziert haben und über Ihre Offenherzigkeit empört sind?

Mönning: Nein. Ich glaube, bisher haben sich Kirchenanhänger dem Film Engel mit schmutzigen Flügeln entweder verweigert oder ihn sich heimlich angesehen. Aber während der Kinotour ist etwas ganz Lustiges passiert: Da sind extra ein paar Zuschauer aus Bielefeld in das erzkatholische Paderborn gereist, um uns vor vermeintlichen Protestaktionen von Seiten der Kirchenanhänger zu beschützen. Diese tauchten aber nie auf, und so wurde es zu unserer Überraschung eine der schönsten und lebhaftesten Publikumsdiskussionen der gesamten Kinotour.

Warum verkaufen sich Pornos mit Nonnen und Priestern so gut?

Mönning: Wahrscheinlich weil viele Männer auch in ihrer Partnerin eine Mischung aus Heiliger und Hure suchen.

brc/ham/som/news.de

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