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Jean-Paul Belmondo ist tot: Kino-Welt in tiefer Trauer um Leinwand-Legende († 88)

Jean-Paul Belmondo war das Gesicht der Nouvelle Vague und wurde als Ganove und Draufgänger zur Kultfigur des französischen Kinos. Nun ist der Leinwand-Held im Alter von 88 Jahren gestorben.

Der französische Kino-Star Jean-Paul Belmondo ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Bild: picture alliance / Thibault Camus/AP/dpa | Thibault Camus

Lässig, unverschämt und unerschrocken: Jean-Paul Belmondo faszinierte die größten Regie-Meister Frankreichs. Jean-Luc Godard, Claude Sautet, François Truffaut und Philippe de Broca rissen sich um den jugendlichen Typ in enger Jeans und knapper Jacke. Mit Filmen wie "Außer Atem", "Das Geheimnis der falschen Braut" und "Abenteuer in Rio" schrieb er Filmgeschichte.

Jean-Paul Belmondo ist tot: Französischer Schauspieler mit 88 Jahren gestorben

Nun ist Belmondo im Alter von 88 Jahren gestorben. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Montag unter Berufung auf seinen Anwalt Michel Godest. "Er ist ruhig entschlafen", zitierte AFP Godest auf Twitter. Seit einiger Zeit sei Belmondo sehr erschöpft gewesen. Die Schauspiellegende wirkte während seiner Karriere in rund 80 Kinofilmen mit und spielte mehr als 40 Theaterrollen. Zur Todesursache der Leinwand-Ikone wurden keine Angaben gemacht.

Geboren wurde Belmondo am 9. April 1933 im schicken Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine. Sein Vater Paul, dessen Familie aus Sizilien stammte, war ein bekannter Pariser Bildhauer, seine Mutter eine Tänzerin. Als Kind galt Jean-Paul als besonders undiszipliniert. Er wechselte mehrmals die Schule und entdeckte als Gymnasiast den Boxsport. Er bestritt mehrere Kämpfe, bevor er sich dazu entschloss, Schauspieler zu werden.

Jean-Paul Belmondo wurde mit "Außer Atem" zur Kino-Ikone Frankreichs

Herzensbrecher, Draufgänger, Rebell: Mit "Außer Atem" machte Jean-Luc Godard im Jahr 1959 den damals 26-jährigen Belmondo über Nacht zu einem Star. Die Filmbewegung Nouvelle Vague (Neue Welle), die vor allem um die 1960er-Jahre erfolgreich dem Kommerzkino den Rücken kehrte, setzte mit einer unkonventionellen Erzählstruktur neue cineastische Maßstäbe. Der Film wurde zu einem Meisterwerk und Belmondo zum Aushängeschild der Kino-Rebellen, zu denen auch Truffaut, Claude Chabrol und Eric Rohmer zählten.

In "Außer Atem" spielt Belmondo den Polizistenmörder Michel, der von seiner Freundin verraten wird. In dem Kriminaldrama, mit dem Godard den amerikanischen Gangsterfilm und Humphrey Bogart feiert, verkörpert er den Geist des Anarchismus: cool, lässig, unverschämt und existenzialistisch.

Wie er die Zigarette zwischen den Fingern dreht, sich den Hut in die Stirn zieht, sein entschlossener Gang, das überlegene Grinsen und die Art, wie er den Daumen à la Bogart über seine wulstige Lippe streicht: Belmondo drückte den Filmen auch mit Gesten und Blicken seinen Stempel auf.

Jean-Paul Belmondo war nach "Außer Atem" auf Ganoven-Rollen abonniert - und bewies doch Wandlungsfähigkeit

"Außer Atem" ließ früh sein Talent als Darsteller von Ganoven und Gangstern erkennen. Und so holte ihn Claude Sautet in "Der Panther wird gehetzt" als jungen Gangster und Handlanger vor die Kamera. In "Der Teufel mit der weißen Weste" lässt ihn Jean-Pierre Melville einen Polizeispitzel spielen. François Truffaut drehte mit ihm "Das Geheimnis der falschen Braut" und Jacques Deray "Borsalino".

Doch Belmondo war wandlungsfähig. Dass ihm auch Melancholie und Verletzbarkeit gut standen, bewies er 1960 in "Stunden voller Zärtlichkeit" von Peter Brook. Den Abenteurer und Actionhelden brachte Philippe de Broca in "Cartouche, der Bandit" und in "Abenteuer in Rio" zutage.

Jean-Paul Belmondo und Alain Delon als ewige Kino-Rivalen

Seine Rollenvielfalt und ungebrochene Ausdruckskraft machten ihn für Melville zu einem der außergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation. Sein ewiger Rivale war Alain Delon. Doch an Belmondos komödiantisches Talent kam der Schönling nicht heran. Die Franzosen nannten Belmondo liebevoll "Bébel". Für Delon gab es keinen Spitznamen.

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zurück Weiter Jean-Paul Belmondo, französischer Schauspieler (09.04.1933 - 06.09.2021) (Foto) Foto: picture alliance / Thibault Camus/AP/dpa | Thibault Camus Kamera

In den 70er-Jahren begann der durchtrainierte Schauspieler sich immer mehr als Komödiant und Actionstar zu profilieren. Dabei riskierte er auch Kopf und Kragen, denn er kam in den meisten Filmen ohne Double aus. Unerschrocken kletterte er an Strickleitern zu Helikoptern hoch und sprang über fahrende Züge. Als er sich in "Der Boss" bei einem Stunt am Kopf verletzte, machte er mit seinen halsbrecherischen Unternehmen Schluss. Da war er 52.

Jean-Paul Belmondo zwischen Theaterbühne und Boxring

Belmondo war kampferprobt. Das lehrte ihn nicht nur das Kino. Als Berufsboxer hatte sich der Sohn eines Pariser Bildhauers über das Wandertheater bis hoch in den Kino-Olymp gekämpft - um dann in den 1980er Jahren wieder tief auf die Erde zu fallen. Als sich das Kino von ihm abwandte, kehrte er wieder zu seinen Anfängen zurück, dem Theater. Im Jahr 1991 erwarb er in Paris schließlich sein eigenes Schauspielhaus und verwirklichte damit einen Jugendtraum. Belmondo stand in mehr als 40 Rollen auf der Bühne.

Jean-Paul Belmondo privat: Französischer Kino-Held hinterlässt vier Kinder

Nicht nur vor der Kamera musste der Haudegen Schläge einstecken. Im November 1999 erlitt er in der westfranzösischen Stadt Brest auf der Bühne einen Herzanfall und im August 2001 auf Korsika einen Schlaganfall. Seine vier Kinder stammen aus den Beziehungen mit der Tänzerin Elodie Constantin und Nathalie Tardivel. Seine Liaison mit der rund 40 Jahre jüngeren Barbara Gandolfi endete 2012 nach vier Jahren mit einer Trennung.

"Unsterblich werden - und dann sterben" sagte Belmondo in "Außer Atem". Der Film dauert knappe neunzig Minuten. Aus Belmondo jedoch hat er eine Legende gemacht.

Frankreich trauert um verstorbene Schauspiellegende Belmondo

Frankreich trauert um eine Filmlegende, die weit über die Grenzen hinweg das Gesicht des Landes geprägt hat: Nach dem Tod von Jean-Paul Belmondo (88) häuften sich am Montag die Würdigungen des Leinwandstars, und zwar nicht nur aus dem Kreis von Kulturrepräsentanten und Politikern.

Schon für den Abend wurden Sondersendungen auf vielen Fernsehkanälen angekündigt. Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Schauspielikone auf Twitter als "nationalen Schatz". In ihm hätten sich alle wiedergefunden. "Belmondo bleibt für immer der Teufelskerl", schrieb Macron, wobei er sich auf den gleichnamigen Film von 1973 bezog, in dem Belmondo einen Autor und Möchtegern-Geheimagenten spielt.

Filmemacher Philippe Labro, der etliche Streifen mit Belmondo drehte, schrieb: "Er war ein viel komplexeres Wesen, als man glaubt. Er hatte einen Sinn für das Tragische. (...) Er war ein Mensch mit einem enormen Herzen, mit Geschmack und Freude am Leben." Und die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, sagte: "Danke für diese fabelhaften Erinnerungen die so viele Generationen geprägt haben."

Auch die Organisatoren des Roland-Garros-Tennisturniers würdigten den "immensen Schauspieler". "Roland Garros ist das Waisenkind eines seiner treuesten Liebhaber." Denn kaum ein Turnier verpasste der Schauspieler auf den Zuschauerrängen. Selbst die Fremdenlegion widmete Belmondo ein "Adieu" - immerhin hatte Belmondo in dem Streifen "Die Glorreichen" einen Legionär gespielt.

Die Feuerwehr von Paris rief unterdessen auf ihrem offiziellen Twitter-Account dazu auf, den berühmten Schauspieler nicht so schnell zu vergessen, wie dieser einmal gemutmaßt hatte. Sie bezog sich dabei auf ein ironisch gemeintes Zitat von Belmondo: "Ich habe immer gedacht, am Tag meines Todes werden die Leute von mir reden, aber danach werden sie zu etwas anderem übergehen", sagte er einmal. "Zeigen wir Herrn Belmondo alle, dass er falsch liegt", twitterte die Feuerwehr.

Vollkommen am Boden zerstört reagierte auch ein weiterer französischer Leinwandstar, Alain Delon. "Das ist ein Teil meines Lebens, wir haben zusammen in den sechziger Jahren begonnen", sagte Delon dem Sender CNews. Seit einigen Wochen habe er gewusst, dass es Belmondo sehr schlecht geht.

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loc/news.de/dpa