23.05.2021, 08.11 Uhr

Eurovision Songcontest 2021: Trotz deutschem Debakel! DAS macht ESC-Fans Hoffnung

Beim "Eurovision Song Contest" (ARD) herrschte aus deutscher Sicht das Motto "Same procedere as last year": Jendrik landete für Deutschland mit drei Punkten abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. Strahlender Sieger wurde Italien. Doch eine Sache macht den ESC-Fans Hoffnung.

Strahlende Gewinner des 65. Eurovision Song Contest in Rotterdam: Die Italiener Måneskin rockten den Laden und sicherten sich den Sieg. Bild: © 2021 Getty Images/Dean Mouhtaropoulos

Lied mit x - das war wohl nix. 3 Punkte gab es für Deutschland beim 65. Eurovision Song Contest in Rotterdam. In Worten: drei. Bei insgesamt 39 Teilnehmerländern, also maximal 4.332 zu vergebenden Punkten. Das muss man erst mal schaffen. Und es gelang nicht mal allen, das zu toppen. Großbritannien, so was wie das Mutterland von Rock und Pop, wurde noch deutlicher abgestraft: Die Briten bekamen null Punkte. Nach dem politischen und wirtschaftlichen nun also auch der musikalische Brexit. Vor Deutschland - auf Platz 24 - landete mit Spanien (sechs Punkte) ein weiteres "Big Five"-Land.

Nicht alle Big Five-Länder schnitten so schlecht ab wie Deutschland

Diese "großen fünf" des ESC müssen sich als die größten Geldgeber nicht durch die Halbfinals quälen, sondern erst im Finale blamieren. Dass man dem Namen "Big Five" auch anders Ehre machen kann, bewiesen Italien und Frankreich. Die furios rockende Band Måneskin aus Rom sicherte sich mit 524 Punkten den Sieg vor der Französin Barbara Pravi (499) und dem Schweizer Falsett-Genie Gjion's Tears (432).

ESC-Star Jendrik mit Song "IDon't Feel Hate" für Deutschland

Jendrik, der sympathische Starter für Deutschland, bewahrte trotz der krachenden Bruchlandung mit seinem flotten Song "I Don't Feel Hate" Haltung. "Ohne Scheiß, ich hab den Eurovisions-Vibe gelebt, und das war geil. Es war ein tolles Gemeinschaftsgefühl." Mit seiner eigenen Leistung war er "happy, ich hab mich wohlgefühlt." Er zeigte Größe in der Niederlage, Haltungsprobleme hatte er nur wegen der Alkohollage im "Green Room": "Ich lalle ein wenig, weil ich angetrunken bin." Schade, dass der gut gelaunte Bursche und seine wichtige und richtige Message wider Hassbotschaften von den Jurys und den Fans in Europa offensichtlich nicht verstanden wurden. 

ESC-Erkenntnis: Für Deutschland geht's immer noch schlechter!

Mit dem desaströsen Ergebnis wurde sogar noch die deutsche Minderleistung aus dem Vorjahr unterboten. S!sters kamen zwar auch auf Platz 25, holten aber immerhin 24 Punkte. Es geht halt immer noch schlechter. Obwohl, für die Briten nicht. Die verteidigten als Letzte zwar auch ihren Vorjahresrang, trotzdem dürfte der arme James Newman in die Geschichte eingehen: null Punkte - wow, das klappt eher selten.

Die deutsche Totalpunktepleite verhinderten die Jurys aus Nachbarland Österreich (2) und Rumänien (1) - ansonsten gab es weder Punkte von Jurys noch von den per Telefon abstimmenden Fans in den anderen 38 Teilnehmerländern. Da verschlug es sogar dem ESC-erfahrenen TV-Kommentator Peter Urban fast die Sprache. "Och", räusperte er sich erschrocken, "damit ist der 25. Platz zementiert."

ESC in Rotterdamm hat auch Positives

Jetzt aber mal genug gejammert! Denn der Rotterdamer ESC brachte viel Positives - vor allem endlich wieder Publikum in die Halle! 3.500 getestete Fans durften in der Ahoy Arena mitfeiern und taten das lautstark. Zusätzlich gepeppt wurde ihr Beifall über eine Applaus-App, die je nach Voting der Fans während der Auftritte zusätzliche Begeisterung suggerierten. "Es ist ein ESC der Hoffnung", meinte Urban zu Recht, wenngleich mit der Einschränkung "wenn das gut geht". Das wird sich weisen, je nachdem, wie sich die Corona-Zahlen nach dem Event entwickeln.

Europas Fans stehen auf Hardrock: 364 PPunkte für Italiens Måneskin

Die niederländischen Macher stellten zudem eine fantastische Show auf die Beine. Vom spektakulären Opening mit dem Einmarsch der 26 Gesangsgladiatoren, bis zum getanzten Voting-Countdown oder dem Live-Auftritt etlicher ESC-Sieger von einst auf Rotterdamer Hausdächern, dominierten Ideenreichtum, Kreativität und absolute Freude. Allein die Sieger von 1975 (Teach-In) oder die Hardrock-Monster von Lordi (Sieger 2006) wiederzusehen, war ein gigantischer Geistesblitz. Nicht nur aus diesem Grund: Diese Show war wirklich top!

Was das Abschneiden von Jendrik nicht besser macht. Das Debakel bahnte sich früh an. Mit der elften Jury-Vote gab es Österreichs Zähler, Rumäniens Pünktchen kam an 29. Voting-Stelle. Und das wars's. Nach dem Jury-Voting führte noch der Schweizer mit 267 Punkten knapp vor der Französin (248), Malta (208) und Italien (206). Das Publikums-Voting stellte dann alles auf den Kopf.

Måneskin, die mit ihrem refrainfreien Crossover-Song ""Zitti et buoni" bereits das diesjährige Sanremo-Festival gewonnen hatten, bekamen für Italien 364 Fan-Punkte, also acht im Schnitt aus jedem Land, und zogen unaufhaltsam vorbei. Die zweitmeisten Fan-Stimmen bekam die ukrainische Folktronic-Truppe Go A um Schreisängerin (das ist keine Beleidigung, sondern ein Gesangsstil) Kateryna und schob sich noch auf den fünften Platz, direkt hinter die nerdigen Isländer, die wegen zweier Corona-Fälle aus dem Hotelzimmer zugucken mussten.

Am Ende der Fahnenstange bei den Fans: Neben den Briten und den Deutschen ward auch den Spaniern und Gastgeber Niederlande kein einziges Pünktchen vergönnt.

Schlager, Euro-Dance und seichter Pop sind out!

Während nach dem Sieg ein beseelt-cooler Måneskin-Sänger Damiano David "Rock and Roll never dies!" und "Thank you Europe" brüllten und den dritten italienischen Sieg nach 1964 und 1990 feiern durfte, reflektierte Peter Urban das "spektakuläre Ergebnis": "Zwei französischsprachige Songs und zwei Hardrock-Bands in den Top sechs", konstatierte er und grübelte "Wie haben sich die Geschmäcker verändert! Nicht mehr angesagt sind Euro-Dance, Schlager oder seichter Pop." Seine Erkenntnis, pardauz und Gott sei Dank: "Es sind ganz andere Qualitäten gefragt."

Natürlich, das zeigte der Blick auf den Instagram-Account des ESC, kann man es nicht allen recht machen. Aber immerhin ist es schon mal schön, feststellen zu können, dass das exzessive Punktegeschiebe zwischen Nachbarstaaten (von wenigen Ausnahmen wie etwa Griechenland und Zypern abgesehen) der Vergangenheit angehört. Und: Der ESC ist und bleibt eine Wundertüte.

Angesichts der Tatsache, dass die Buchmacher mit ihren Prognosen ziemlich gut lagen (Topfavorit war Italien, vor Frankreich, Malta, Ukraine und Schweiz), klingt das zwar beinahe absurd, aber die musikalische Vielfalt spricht für sich. Rock gewinnt vor einem beinahe klassischen guten, alten Chanson ("Voilà"), einem Gänsehaut erzeugenden Kopfstimmen-Drama ("Tout l'univers") und einer abgedrehten Elektro-Ethno-Nummer ("Shum") sowie dem poppigen Irrlicht einer Truppe, die schon rein optisch wie eine Karikatur auf die vielen gestylten ESC-Beautys wirkt - die es natürlich auch gab.

Wieder mal die Frage: Wie geht's mit ESC-Deutschland weiter?

Dass sich die Beautys mit langen Haaren und wenig Textil (aus Aserbaidschan, Zypern, Israel oder Serbien) mit wahlweise bestrapsten Tänzerinnen oder barbrüstigen Tänzern nicht durchsetzen, freute nicht nur Peter Urban ("Das ist plump in die ESC-Klischee-Falle getappt.").

Die Vielfalt macht den ESC einzigartig, ein Erlebnis auch diesmal. Daran konnte man sich freuen. Es ändert aber nichts daran, dass Deutschland einmal mehr musikalisch versenkt wurde und man sich ruhig weiter Gedanken darüber machen kann, wie man das mal wieder ändern könnte. Wer die Vorfeier aus Hamburg sah, könnte zum Beispiel seufzen: "Ach wäre doch Zoe Wees für uns angetreten." Aber - hätte, hätte Fahrradkette - wär's dann anders gelaufen? Michael Schulte, vor vier Jahren Überraschungsvierter in Lissabon: "Was am Ende beim ESC rauskommt, weiß eh keiner."

Dieser Inhalt wurde news.de von swyrl.tv zur Verfügung gestellt.

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sig/news.de/swyrl.tv

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