16.11.2020, 12.28 Uhr

Lockdown: Corona-Videos der Bundesregierung ernten Lob und Spott

Ein älterer Herr erzählt rückblickend von der Corona-Krise: Er wurde im Jahr 2020 durch einfaches Nichtstun zum Helden. Mit ihren streitbaren Corona-Videos sorgt die Bundesregierung derzeit für Diskussionen.

Der fiktive Anton Lehmann erzählt über seine Erlebnisse im Jahr 2020. Bild: Facebook/Bundesregierung/spot on news

Das größte Ziel einer jeden Werbekampagne? Richtig: Aufmerksamkeit. Allein deshalb lässt sich die derzeit laufende PR-Aktion der Bundesregierung unter dem Hashtag #BesondereHelden als voller Erfolg werten. Doch die Reaktionen sind gemischt: Die einen feiern die bislang veröffentlichten Corona-Werbevideos als großartig, andere lehnen sie als geschmacklos ab.

Die Bundesregierung stellte bislang drei Videos ins Netz, die Senioren aus einer möglichen Zukunft zu Wort kommen lässt. Mit dramatischer Musik erklärt darin zunächst ein älterer Mann seine Erlebnisse aus dem Jahr 2020. Er beschreibt emotional, wie seine Generation das Schicksal des ganzen Landes in den Händen hielt. Mit martialischen Worten bringt er die jetzige Situation zum Ausdruck und weckt damit naturgemäß und gewollt Assoziationen zu einem echten Kriegszustand. Allerdings mit einem offensichtlichen Augenzwinkern.

"Unsere Couch war die Front, und unsere Geduld war die Waffe"

Und wie wurde er damals zum Retter der Nation? Mit Nichtstun! "Faul wie die Waschbären" seien sie damals gewesen und hätten so die Verbreitung von Covid-19 verhindert. Auf dem Sofa, mit Junkfood und Glotze wurde man damals zum "besonderen Helden". "Unsere Couch war die Front, und unsere Geduld war die Waffe", erzählt ein gewisser Anton Lehmann weiter. Tage- und nächtelang seien sie "auf ihrem Arsch zu Hause geblieben" und hätten so gegen das Coronavirus gekämpft.

"Werde auch du zum Helden und bleib zu Hause." Mit diesem Satz enden die kurzen Clips, die natürlich eine klare Zielgruppe vor Augen haben: Die Videos sind ein humorvoller Appell, vor allem an junge Leute, sich an die bestehenden Maßnahmen zu halten und sich möglichst nicht mit anderen Menschen zu treffen. Kontakte zu reduzieren, ist das derzeit wichtigste Mittel bei der Bekämpfung der Pandemie.

Viel Lob, aber auch Kritik im Netz

Im Netz wird die Kampagne jedoch teilweise mit gemischten Gefühlen begleitet. So kommentieren viele User unter dem Facebook-Originalpost und stören sich zum Beispiel "über die Seichtigkeit und Dummheit unserer Zeit". Auch der offensichtliche Vergleich zu einem echten Krieg würde die Schrecken und das Leid echter kriegerischer Auseinandersetzungen verharmlosen. Sogar von "erbärmlicher Propaganda" oder "Verhöhnung von Kriegsopfern" ist zu lesen.

Doch ganz überwiegend erntet die Aktion positive Resonanz. Der bekannte Blogger Sascha Lobo packt dabei sogar die Retourkutsche aus: "Deutsches Twitter selten knalldackeliger (und deutscher), als wenn diese brillanten Corona-Spots auf Krampf scheiße gefunden werden", tweetet er. Manche Leute erreiche man so und nur so. Deswegen sollten alle Kritiker einmal ihre "innere Abiturientenkonferenz" für zehn Minuten nicht so raushängen lassen.

Auch im Ausland haben die Clips zahlreiche Fürsprecher. Unter anderem teilte der bekannte britische "Financial Times"-Journalist Henry Mace einen der Clips mit englischen Untertiteln und schrieb dazu: "Ich kann damit umgehen, dass die deutsche Pandemie-Bekämpfung besser ist als unsere, aber ich glaube nicht, dass ich damit umgehen kann, dass sie lustiger ist."

spot on news

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