20.07.2020, 16.55 Uhr

London: Amber Heard über Johnny Depp: "Ich hatte Angst, er würde mich töten"

Am zehnten Prozesstag meldet sich erstmals Amber Heard im Zeugenstand zu Wort. Die Schauspielerin hat die Gewaltvorwürfe gegen ihren Ex-Mann Johnny Depp bekräftigt.

Amber Heard bei der Ankunft am Gericht am 20. Juli 2020. Bild: imago images / i Images/spot on news

Das ehemalige Schauspieler-Ehepaar Johnny Depp (57, "Fluch der Karibik") und Amber Heard (34, "Aquaman") bekriegt sich weiter vor Gericht in London. Auch wenn Depp nicht direkt gegen seine Ex-Frau klagt, sondern gegen den Verlag der Boulevardzeitung "The Sun". Es geht um einen Artikel aus dem Jahr 2018, in dem behauptet wurde, dass der Schauspieler ein "Ehefrauenschläger" sei. Depp bestreitet das. Am zehnten Prozesstag saß am Montag (20. Juli) zum ersten Mal Amber Heard selbst im Zeugenstand. Und sie hielt mit ihren Vorwürfen nicht hinter dem Berg.

Für "The Rum Diary" standen Johnny Depp und Amber Heard gemeinsam vor der Kamera. Hier sehen Sie den Film.

Vom "König" zum "Monster"?

Zum wiederholten Mal wirft Amber Heard ihrem Ex-Mann Gewalt vor. Sie habe sogar um ihr Leben gefürchtet. Die 34-Jährige beschuldigt Depp des verbalen und körperlichen Missbrauchs. "Einige Vorfälle waren so schwerwiegend, dass ich Angst hatte, er würde mich töten, entweder absichtlich oder dadurch, dass er die Kontrolle verliert und zu weit geht", schilderte Heard laut BBC vor Gericht.

Weiter gab die gebürtige Texanerin an, Depp habe eine "einzigartige Fähigkeit, sein Charisma zu nutzen, um einen bestimmten Eindruck von der Realität zu vermitteln" und "er ist sehr gut darin, Menschen zu manipulieren". So soll er für all seine Handlungen eine dritte Person erschaffen haben, der er die Schuld geben konnte und die er "das Monster" nannte. Er soll so darüber gesprochen haben, als würde nicht er, sondern eben eine andere Person oder Persönlichkeit all diese Dinge tun.

Am Anfang ihrer Beziehung sei Depp "sehr liebevoll, warmherzig und charmant" gewesen. Sie habe sich gefühlt, als würde sie "mit einem König ausgehen". In Heards schriftlicher Zeugenaussage heißt es zudem: "Wenn Johnny dir seine Aufmerksamkeit schenkt, mit all seiner Intensität und Dunkelheit, ist es anders als alles, was ich jemals erlebt habe." Mit dieser Dunkelheit scheint sie vor allem seine bedrohliche Ausdrucksweise zu meinen. Er habe etwa davon gesprochen, dass ihre Beziehung "tot oder lebendig" sei und "er sagte mir, dass der Tod der einzige Ausweg aus der Beziehung war".

Rasende Eifersucht auf ihre Co-Stars?

Weiter gab Amber Heard zu Protokoll, dass ihre Liaison erst bei der Promoarbeit zu "The Rum Diary" begonnen habe. Während der Dreharbeiten im Jahr 2009 sei nichts zwischen ihnen gelaufen, da sie in einer Beziehung war. Nach dem Dreh habe ihr Depp Geschenke geschickt, doch es habe keinen direkten Kontakt gegeben. Erst 2011 sei sie bei einem Promotermin für Drinks mit Depp und dem Regisseur in ein Hotelzimmer eingeladen worden. Nur Ersterer habe dort auf sie gewartet und ab diesem Zeitpunkt habe ihre romantische Beziehung begonnen.

Im Lauf ihrer Beziehung habe Johnny Depp sie beschuldigt, Affären mit so gut wie jedem Co-Star zu haben. Darunter seien Eddie Redmayne, James Franco, Jim Sturgess, Kevin Costner, Liam Hemsworth, Billy-Bob Thornton, Channing Tatum und sogar ihre weibliche Kollegin Kelli Garner gewesen. Er habe sogar behauptet, er habe Beweise dafür, wenn es gar keine geben konnte. Depp habe ihr zudem vorgeworfen, Affären mit Stars zu haben, mit denen sie für Rollen vorgesprochen habe, wie etwa Leonardo DiCaprio (45).

Für seine potenziellen Konkurrenten soll er abfällige Spitznamen verwendet haben. So soll er Leonardo DiCaprio als "Kürbiskopf" und Channing Tatum (40) als "Kartoffelkopf" bezeichnet haben. Von Jahr zu Jahr seien seine Regeln strenger geworden, wenn es etwa um Nacktszenen ging, und er wollte festlegen, was sie vor der Kamera tun konnte und was nicht. Außerdem behauptet Heard, ihr Ex-Mann sei besessen davon gewesen, "wie ich mich anzog". Sie habe schließlich aufgehört sexy Kleider bei Events zu tragen: "Es war den verbalen und psychologischen Missbrauch einfach nicht wert."

Amber Heard wirft ihrem Ex-Mann auch vor, dass er "null Rechenschaftspflicht" besitze. Selten sage jemand Nein zu ihm. Sie habe es versucht, doch das sei nicht gut angekommen. Die Schauspielerin erklärte zudem, sie dachte, sie könne "Johnny heilen". Bis zum Schluss habe sie sich gewünscht, er könnte sich bessern.

Entwurf für Ehevertrag kam von ihr

Im Zeugenstand kam außerdem ein Vorfall aus dem Jahr 2015 zur Sprache. In einem Hotelzimmer in Tokio sei es laut Heard zum Streit gekommen, in dessen Verlauf "Johnny auf meinem Rücken kniete und mich auf den Hinterkopf schlug". Dabei ging es unter anderem um einen Ehevertrag, den - so Heard - Depp nicht wollte, auf den aber seine Schwester Christi Dembrowski (59) bestanden habe. Die Schauspielerin gab an, mit einem Anwalt einen Entwurf eines Ehevertrages ausgearbeitet zu haben, der an Depps Team ging, aber nie unterschrieben worden sei. Sie sei "nie" am Geld des "Fluch der Karibik"-Stars interessiert gewesen.

spot on news

Empfehlungen für den news.de-Leser