16.07.2020, 11.10 Uhr

Hacker-Angriff bei Twitter: Promi-Accounts mit Bitcoin-Spam geflutet - DAS sagt Twitter

Barack Obama, Elon Musk und Jeff Bezos versprachen plötzlich auf Twitter, ihnen zugeschickte Bitcoins doppelt zurückzuzahlen. Ein Fake. Noch nie wurden so viele Prominenten-Accounts auf einmal missbraucht. Das wirft Fragen zu Twitters Sicherheitsmaßnahmen auf.

Der Twitter-Account von Elon Musk wurde gehackt. Bild: carrie-nelson/ImageCollect/spot on news

In einer beispiellosen Hacker-Attacke auf Twitter ist es Unbekannten gelungen, Werbung für einen Bitcoin-Betrug über Profile von Prominenten wie Ex-Präsident Barack Obama und Amazon-Chef Jeff Bezos zu verbreiten. Twitter versprach Aufklärung darüber, ob die Angreifer sich auch Zugang zu Informationen der betroffenen Accounts verschaffen konnten.

Twitter-Skandal nach Hacker-Angriff: Promi-Accounts mit Bitcoin-Werbung geflutet

Nach ersten Erkenntnissen des Kurznachrichten-Dienstes wurden in einer koordinierten Attacke Twitter-Mitarbeiter mit Zugang zu internen Systemen ins Visier genommen. Seit Beginn der Corona-Krise arbeitet ein Großteil der Twitter-Beschäftigten von Zuhause aus. Zugleich berichtete die Website "Vice" unter Berufung auf einen angeblichen Angreifer, sie hätten auch einen Twitter-Insider für seine Hilfe bezahlt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Kanye West, Bill Gates, Joe Biden: Diese Promis wurden Opfer des Twitter-Hacks

In der am Mittwoch über die Accounts verbreiteten Botschaft wurde versprochen, eingeschickte Bitcoins doppelt zurückzuzahlen. Dafür missbraucht wurden auch Profilevon Rapper Kanye West, Tesla-Chef Elon Musk (49), dem demokratischen Präsidentschaftsanwärter Joe Biden, Amazon-Gründer Jeff Bezos (56), dem früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, Microsoft-Mitgründer Bill Gates (64) und des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama (58). Auch auf die Accounts von Firmen wie Apple und Uber hatten es die Hacker abgesehen. Der Account des US-Präsidenten Donald Trump, für den Twitter ein zentraler Kommunikationskanal ist, war nicht betroffen.

Besonders alarmierend an der Attacke ist, dass es den Angreifern trotz aller Sicherheitsvorkehrungen gelang, in großem Stil ihre Botschaften auch über sehr gut geschützte Twitter-Accounts zu verbreiten. Mit diesem Zugang hätten sie statt einer kruden Bitcoin-Betrugsmasche zum Beispiel auch versuchen können, über falsche Tweets Aktienkurse zu manipulieren.

Twitter reagiert nach beispielloser Hacker-Attacke

"Wir alle bedauern, dass dies passiert ist", schrieb Twitter-Mitgründer Jack Dorsey (43). "Ein harter Tag für uns bei Twitter." Sobald die Firma "ein besseres Verständnis" von dem habe, was passiert sei, werde man die Öffentlichkeit so ausführlich wie möglich darüber informieren.

Twitter blockierte Promi-Accounts nach Hackerangriff

Viele der Twitter-Accounts wurden zeitweise gesperrt, waren aber kurze Zeit später ohne die betrügerischen Nachrichten wieder online. Mehrere Stunden lang konnten verifizierte Twitter-Profile größtenteils gar nicht twittern, weil der Dienst so eine weitere Verbreitung der Bitcoin-Betrugsmasche stoppen wollte. Auf ein in den Twitter-Nachrichten genanntes Bitcoin-Konto wurde schnell Kryptowährung im Wert von über 100.000 Dollar eingeschickt.

Twitter hatte in der Vergangenheit immer wieder mal Probleme mit dem Kapern von Accounts - aber noch nie auf so breiter Front und bei so vielen prominenten Namen auf einmal. Schon das Ausmaß der Attacke legte nahe, dass diesmal nicht wie bei früheren Fällen etwa eine mit Twitter-Accounts verknüpfte App ausgenutzt wurde, sondern dafür direkt Systeme von Twitter eingesetzt wurden.

Kritik nach Hacker-Attacke: Sind die Sicherheitsvorkehrungen bei Twitter zu lasch

Die Accounts der Prominenten dürften mit komplexen Passwörtern sowie der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt sein, bei der zusätzlich noch ein frisch zugeschickter Code für die Anmeldung auf einem weiteren Gerät erforderlich ist. Über den Zugriff auf Twitter-Systeme ließen sich diese Sicherheitsvorkehrungen jedoch ganz offensichtlich aushebeln.

Twitter hatte die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft, nachdem Unbekannte vor knapp einem Jahr Nachrichten über den Account des Firmenchefs Jack Dorsey verbreitet hatten. Der Dienst erklärte damals, seine Systeme seien nicht gehackt worden, aber eine Sicherheitslücke bei Dorseys Mobilfunk-Anbieter habe das Versenden der Tweets per SMS zugelassen. Zuletzt gelang es Ende Januar einer Gruppe, die sich "OurMine" nennt, auf den Accounts mehrerer amerikanischer Football-Teams zu posten. Man habe damit zeigen wollen, "dass alles hackbar ist", hieß es damals.

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loc/news.de/spot on news/dpa

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