28.04.2020, 11.48 Uhr

Morddrohungen an Christian Drosten: SO wollen Corona-Leugner den Virologen in die Knie zwingen

Virologe Christian Drosten ist in der Coronavirus-Pandemie zu dem führenden Experten in Bezug auf Sars-CoV-2 avanciert. Doch die unerwartete Berühmtheit hat auch Schattenseiten. Im Interview berichtet Drosten von Morddrohungen, die er erhält.

Christian Drosten erhält Morddrohungen. Bild: dpa

Der Virologe und Charité-Professor Christian Drosten (48) erhält in diesem Jahr den einmaligen "Sonderpreis für herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der Covid-19-Pandemie". Der Preis sei mit 50.000 Euro dotiert, teilten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Stifterverband mit. Drosten erkläre den Menschen auf anschauliche, transparente und faktenbasierte Weise, was die Wissenschaft weiß, wie sie arbeitet und welche Unsicherheiten bestehen.

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Coronavirus-News aktuell: Virologe Christian Drosten berichtet von Morddrohungen

Als Spezialist für neu auftretende Infektionskrankheiten ist er zu einem der präsentesten Köpfe in der Corona-Krise geworden. Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte, Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie Professor am Berlin Institute of Health (BIH). Doch die unerwartete Berühmtheit von Christian Drosten bringt auch Schattenseiten mit sich.

Virologe Christian Drosten: "Für viele bin ich der Böse"

Im Interview mit "The Guardian" offenbarte der Coronavirus-Experte, dass er inzwischen sogar Morddrohungen erhalte. "Ich bekomme Morddrohungen, die ich an die Polizei weitergebe", so Drosten im Gespräch mit dem Nachrichtenportal. "Für viele bin ich der Böse, der die Wirtschaft lähmt." Doch es sind nicht diese E-Mails, die den 48-Jährige den Schlaf rauben. Vielmehr sind es jene Schreiben von Menschen, die ihm ihre Zukunftsängste schildern. "Besorgniserregender sind für mich die anderen E-Mails von Leuten, die sagen, sie haben drei Kinder und sie machen sich Sorgen um die Zukunft. Es ist nicht meine Schuld, aber diese halten mich nachts wach."

Virologe Drosten befürchtet zweite Coronavirus-Welle

Die Corona-Lockerungen, die Deutschland aktuell schrittweise vornimmt, betrachtet der Virologe mit großer Vorsicht. "Ich mache mir Sorgen, dass die Reproduktionszahl (ein Schlüsselmaß für die Ausbreitung des Virus, Anmerkung d. Red.) wieder steigen wird und wir eine zweite Welle haben werden." Sorge bereitet dem Virologen zudem das "Präventionsparadoxon", wie er es nennt. "In Deutschland sehen die Leute, dass die Krankenhäuser nicht überfordert sind und sie verstehen nicht, warum ihre Geschäfte schließen müssen. Sie schauen nur auf das, was hier passiert, nicht auf die Situation in New York oder Spanien", so der Virologe gegenüber "The Guardian".

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fka/loc/news.de/dpa

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