28.08.2019, 16.29 Uhr

Ferdinand Piëch (82) ist tot: Kripo untersucht Tod Piëchs - Keine Hinweise auf Fremdverschulden

Der österreichische Manager, Großaktionär und einstige VW-Chef Ferdinand Piëch ist am Sonntagabend in Rosenheim verstorben. Die Volkswagen-Legende wurde 82 Jahre alt.

Ferdinand Piëch ist am Sonntagabend verstorben. Bild: imago images / Schepp/spot on news

Der langjährige VW-Chef und Mitinhaber von Porsche, Ferdinand Piëch (1937 - 2019), ist tot. Der österreichische Großaktionär und Manager ist am späten Sonntagabend in Rosenheim verstorben, wie die "Bild" berichtet.

Ferdinand Piëch ist tot - Ex-VW-Chef mit 82 Jahren gestorben

Derzeit sei nicht klar, warum der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG gestorben ist. Auch das "Handelsblatt" berichtet vom Tod des Ex-Managers und beruft sich auf Quellen aus dem Familienumfeld.

Kripo untersucht Tod Piëchs - Keine Hinweise auf Fremdverschulden

Die Kriminalpolizei untersucht derzeit den plötzlichen Tod des langjährigen VW-Chefs Ferdinand Piëch. "Das ist ein Automatismus, und die Untersuchung hat bisher überhaupt nichts ergeben", sagte Oliver Mößner, stellvertretender Leiter der zur Staatsanwaltschaft Traunstein gehörenden Zweigstelle Rosenheim. Piëchs Leichnam sei obduziert worden, sagte Mößner. "Die Obduktion geht von einer natürlichen Todesursache aus", sagte Mößner. Der Leichnam sei danach für die Bestattung freigegeben worden.

Bei einem solchen sogenannten Todesermittlungsverfahren würden neben der Obduktion auch Angehörige befragt sowie Menschen, die vor Ort waren. Es werde vermutlich - auch das sei völlig normal - erst in einigen Monaten abgeschlossen.

Das Verfahren ist laut Mößner eine gewöhnliche Maßnahme in allen Fällen, in denen der Notarzt die Person, deren Tod er bescheinigt, nicht kennt. Ärzte bescheinigten in aller Regel grundsätzlich zunächst keinen natürlichen Tod, wenn sie den Toten nicht vorher bereits etwa als Patienten kannten. "Da hat sich aber bisher überhaupt nichts ergeben", sagte Mößner.

Frau von Ferdinand Piëch bestätigt Tod der Volkswagen-Legende

Die Witwe Piëchs, Ursula Piëch, bestätigte den Tod ihres Ehemannes. "Sehr geehrte Damen und Herren, mein Ehemann Prof. Dr. h.c. Ferdinand Karl Piëch ist am 25. August 2019 im Alter von 82 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben. Er hinterlässt eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so vielen Enkelkindern", hieß es in einer Mitteilung Ursula Piëchs, die der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend vom Anwalt der Familie, Christian Schertz, zugeschickt wurde.

Beerdigung von Ferdinand Piëch im engsten Familienkreis

Ursula Piëch schrieb: "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt, hieß es weiter.Piëch hinterlasse eine große Familie mit 13 Kindern und mehr als doppelt so vielen Enkelkindern, hieß es weiter. In früheren Medienberichten war häufig von 12 Kindern die Rede gewesen. Auf Nachfrage dazu verwies Anwalt Christian Schertz am Dienstag lediglich auf die Mitteilung der Witwe.

Ferdinand Piëch von 1993 bis 2002 Volkswagen-Vorstandsvorsitzender

Der in Wien geborene Piëch stand viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange Zeit den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht schien zeitweilig unbegrenzt, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

Der detailverliebte Autonarr lenkte das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn mit strenger Hand, ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete. Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei "auf Distanz" zum damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn - er verlor schließlich den Machtkampf und warf im Zorn hin.

Volkswagen würdigt Dienste Ferdinand Piëchs an dessen 80. Geburtstag

Ostern 2017 wurde Piëch 80 Jahre alt. Zum Geburtstag würdigte VW die Verdienste des Auto-Managers: "Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt", sagte ein VW-Sprecher. "Sein Lebenswerk ist gekennzeichnet von mutigem Unternehmertum und technologischer Innovationskraft." Dabei hatte Piëch zuvor an Verwandte sein milliardenschweres Aktienpaket an der VW-Dachholding Porsche SE verkauft.

Die Erklärung der Witwe von Ferdinand Piëch im Wortlaut

Der langjährige VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert die Erklärung der Witwe, die der dpa am Montagabend vom Anwalt der Familie, Christian Schertz, zugeschickt wurde.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Ehemann Prof. Dr. h.c. Ferdinand Karl Piëch ist am 25. August 2019 im Alter von 82 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben. Er hinterlässt eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so vielen Enkelkindern.

Ferdinand Piëch wurde am 17. April 1937 als Sohn von Anton und Louise Piëch und Enkel von Ferdinand Porsche geboren. Sein berufliches Wirken begann bei Porsche und führte über Audi zu Volkswagen. Dort war er als Vorsitzender zunächst des Vorstands und im Anschluss des Aufsichtsrats tätig. Im Frühjahr 2015 zog sich Ferdinand Piëch aus den Aufsichtsratsgremien des Volkswagen-Konzerns zurück und widmete seine Zeit Familie und Freunden.

Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer, die diese erschaffen. Er war bis zuletzt begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber.

Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

Wir bitten die Privatsphäre der Familie zu respektieren und von direkten Anfragen abzusehen, sondern sich hierzu an unseren Anwalt Prof. Dr. Christian Schertz, Schertz Bergmann Rechtsanwälte PartG mbB, Kurfürstendamm 53, 10707 Berlin zu wenden.

Salzburg, 26. August 2019

Ursula Piëch

Ministerpräsident Weil: Piëch hat VW zum Weltkonzern gemacht

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat nach dem Tod von Ferdinand Piëch die Leistungen des früheren Volkswagen-Chefs gewürdigt. "Mit Ferdinand Piëch ist einer der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland verstorben. Um Volkswagen und damit auch um Niedersachsen hat er sich große und bleibende Verdienste erworben", sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Hannover. Piëch habe VW 1993 in einer tiefen Krise übernommen. "Mit seinem Namen ist der Aufstieg von Volkswagen zum Weltkonzern verbunden." Viele Tausend Arbeitsplätze in Niedersachsen prägten die wirtschaftliche Grundlage des Landes bis heute.

"Dass die langjährige gute Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen im Jahr 2015 unter schwierigen Bedingungen beendet werden musste, habe ich sehr bedauert. Der große Dank für die Leistung von Ferdinand Piëch und der tiefe Respekt bleiben davon unberührt", sagte Weil. Im Frühjahr 2015 hatte sich Piëch nach einem Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn aus den Aufsichtsratsgremien des Volkswagen-Konzerns zurückgezogen. Das Land Niedersachsen hat zwei Sitze im VW-Aufsichtsrat.

Wolfsburg und Braunschweig würdigen Ehrenbürger Ferdinand Piëch

Die beiden Städte Wolfsburg und Braunschweig haben ihren gestorbenen Ehrenbürger Ferdinand Piëch gewürdigt. "Wolfsburg hat Ferdinand Piëch unheimlich viel zu verdanken", sagte Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) am Dienstag.

In der großen Absatzkrise habe der frühere VW-Vorstands- und Aufsichtsratschef zusammen mit dem damaligen Personalvorstand Peter Hartz Tausende Wolfsburgerinnen und Wolfsburger mit der Einführung der Vier-Tage-Woche vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. "Er vereinte wirtschaftliches Geschick mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein für unsere Region", sagte Mohrs. Die Stadt verliere eine herausragende Persönlichkeit der Stadtgeschichte.

Auch der Braunschweiger Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) würdigte das Wirken Piëchs. "Professor Piëch war eine national wie international anerkannte Unternehmer- und Managerpersönlichkeit, die sich um die Entwicklung des Unternehmensstandorts Braunschweig sehr verdient gemacht hat", sagte Markurth. Er habe maßgeblich zum Erhalt und Ausbau des Braunschweiger Volkswagen-Standortes beigetragen.

"Darüber hinaus engagierte er sich in hohem Maße für das kulturelle Leben in unserer Stadt, in der er mit seiner Familie fünf Jahre lang lebte", sagte Markurth. Der ehemalige Top-Manager war am Sonntag im Alter von 82 Jahren gestorben, wie seine Ehefrau Ursula Piëch am Montagabend mitgeteilt hatte.

Volkswagen trauert um Ferdinand Piëch und würdigt seine Verdienste

Mit Fahnen auf halbmast würdigt Volkswagen den langjährigen Konzernchef und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch. Im Namen aller 660.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kondolierten Aufsichtsrat und Vorstand den Angehörigen, wie der Autobauer am Dienstag in Wolfsburg mitteilte. "Ferdinand Piëch hat Automobilgeschichte geschrieben - als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch.

Seit den 1960er Jahren habe Piëch die Entwicklung des Automobils, der Industrie und vor allem von Volkswagen zum globalen Mobilitätskonzern maßgeblich gestaltet, vorangetrieben und geprägt, sagte Pötsch. Das Unternehmen und die Menschen hätten ihm unendlich viel zu verdanken.

Konzernchef Herbert Diess bezeichnete Piëch als mutig, unternehmerisch konsequent und technisch brillant. "Vor allem hat Ferdinand Piëch Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen-DNA verankert", sagte Diess.

Der ehemalige Top-Manager war am Sonntag im Alter von 82 Jahren gestorben, wie seine Ehefrau Ursula Piëch am Montagabend mitgeteilt hatte. Zum Gedenken sollen in verschiedenen VW-Werken die Fahnen auf halbmast gesetzt werden.

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Familien würdigen Lebenswerk von Ferdinand Piëch

Die Familien Porsche und Piëch haben das Lebenswerk und die Verdienste des gestorbenen Ex-VW-Chefs Ferdinand Piëch gewürdigt. "Wir trauern mit der Familie um Ferdinand K. Piëch, den außergewöhnlichen Manager und Ingenieur, den Strategen und ganz einfach auch den Auto-Enthusiasten, der er zeitlebens war", betonte Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der VW-Dachgesellschaft Porsche SE und Cousin Piëchs, am Dienstag in einer Mitteilung. Mit dem Cousin verbänden ihn viele gemeinsame Erinnerungen. "Im Mittelpunkt stand dabei das Ringen um das Erbe unseres Großvaters Ferdinand Porsche, das wir erfolgreich weitergeführt haben", sagte Porsche.

Ferdinand Piëch war am Sonntag im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Bruder habe die deutsche Autoindustrie geprägt wie kein Zweiter, betonte Hans Michel Piëch in der Mitteilung. "Und er war eng verbunden mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Volkswagen-Konzerns, in guten wie in schlechten Zeiten."

Porsche und Hans Michel Piëch sind die Sprecher ihrer jeweiligen Familienzweige, die gemeinsam die Porsche SE kontrollieren. Auch Ferdinand Piëch war dort einst großer Anteilseigner und Aufsichtsratsmitglied, hatte sich aber aus der Holding zurückgezogen.

Schröder: "Piëch gehörte zu den bedeutendsten Unternehmensführern"

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die globale Bedeutung des gestorbenen Ex-VW-Chefs Ferdinand Piëch hervorgehoben. "Ferdinand Piëch gehörte zu den weltweit bedeutendsten Unternehmensführern unserer Zeit", sagte Schröder am Dienstag einer einer Mitteilung zufolge. "Er hat die globale Automobilbranche über mehrere Jahrzehnte geprägt." Den VW-Konzern habe er nach 1993 aus einer tiefen Krise heraus geführt und zu einem Weltkonzern geformt, sagte der frühere Kanzler und niedersächsische Ministerpräsident. "Damit hat er Zehntausende von Arbeitsplätzen in Niedersachsen und Deutschland gesichert." Das Land habe Piëch viel zu verdanken.

Altbundespräsident Wulff: Piëch ging es nicht um Eigeninteressen

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat den gestorbenen langjährigen Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch als uneigennützigen Manager beschrieben. "Ich habe mich bei allen Aufs und Abs über die Jahre hinweg überzeugen können, dass es ihm stets um den Konzern VW und nicht die Verfolgung von Eigeninteressen ging", sagte Wulff, von 2003 bis 2010 niedersächsischer Ministerpräsident, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag/online). "Er war ein ganz besonderer und außergewöhnlicher Mensch, dem Niedersachsen unglaublich viel zu verdanken hat." In Gesprächen habe man von Piëch zudem "unvorstellbare technische Details" erfahren können.

Audi-Chef Schot: Zuhören war Piëchs Stärke

Der Autobauer Audi hat nach dem Tod des früheren Vorstandschefs Ferdinand Piëch in allen Werken weltweit die Fahnen auf halbmast gesetzt. Von 1988 bis Ende 1992 hatte Piëch die Geschicke der Ingolstädter geleitet.

"Eine der größten Stärken von Ferdinand Piëch war, dass er sich den Namen Audi, zu Deutsch Horch, zu eigen machte und Kunden wie Belegschaft immer gut zugehört hat", sagte der Chef der VW-Tochter, Bram Schot, am Dienstag. "Er lebte den Traum der Automobilität sein ganzes Leben lang und war Motor von Innovationen." Als Beispiele nannte Schot den Fünfzylinder-Ottomotor und den Allradantrieb Quattro. Piëch habe "in einzigartiger Weise Genialität mit Leidenschaft und Beharrlichkeit" vereint, sagte Schot.

Der Vorsitzende des Audi-Gesamtbetriebsrats, Peter Mosch, bezeichnete den am Sonntag gestorbenen Piëch als "Vordenker der Automobilindustrie". Ihm sei Audis Wandel zur Premiummarke zu verdanken.

fka/bua/news.de/spot on news/dpa

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