31.05.2017, 15.15 Uhr

Adel Tawil Unfall: Adel Tawil nach Unfall: "Ich bin froh, am Leben zu sein"

Adel Tawil hatte bei einem Badeunfall gleich mehrere Schutzengel. Bild: dpa

Dann die Sache mit dem Unfall: "Ich bin froh, am Leben zu sein", sagt er. Mitte vergangenen Jahres teilte das Management mit, dass alle im Sommer geplanten Konzerte wegen einer Halswirbelverletzung von Adel Tawil ausfallen. Die Details des Dramas in Ägypten sind erst jetzt bekannt. "Ich bin in den Pool gesprungen, mit dem Kopf gegen die Poolwand, hat kurz "Bums" gemacht", berichtet der Sänger. Ihm sei die Schwere der Verletzung zunächst nicht bewusst gewesen, er sei sogar noch mit einem Kopfsprung ins Meer.

"Dann bin ich ins Krankenhaus, dachte, ich muss die Platzwunde am Kopf mal checken (...) dort hat man mir eröffnet, dass der erste Halswirbel vier Mal gebrochen ist." "Großes Problem", habe der ägyptische Arzt mit ängstlichem Blick gesagt. Mit dem Rettungsflieger ging es in die Berliner Charité, Adel Tawil - ein Pflegefall auf Zeit: "Ich konnte nichts machen, mich nicht bewegen, Stand unter heftigsten Schmerzmitteln. Aber die Zeit war auch sehr interessant (...), weil ich mich selber noch mal anders kennengelernt habe."

Badeunfall machte Adel Tawil stärker

Zwangsauswechslung für einen, der von sich sagt, dass er immer unter Strom steht. "Es hat meinen Blick auf das Leben und die Welt definitiv verändert, da kommt so eine große Demut auf." Auch von Scham und Schuldgefühlen berichtet der Mann aus Berlin, "weil man sich fragt, warum habe ich das jetzt überlebt?". Sei das nicht unfair? Im Krankenhaus habe er tolle Menschen kennengelernt, Jugendliche mit demselben Unfall, die aber ihr Leben lang im Rollstuhl sitzen werden.

Der Unfall habe ihn stärker gemacht, bilanziert Adel Tawil. Einige Monate danach ist ein kraftvoll-trotziger Song entstanden, gemeinsam mit den Rappern KC Rebell und Summer Cem. Der heißt "Bis hier und noch weiter", und der Titel geht unmittelbar auf den Unfall zurück.

Adel Tawil will Musik mit Geschichte machen

"Gott steh mir bei" ist ebenfalls ein Lied mit Geschichte. Auch dieses singt Adel Tawil kraftvoll, energiegeladen, gleichzeitig liegt Verzweiflung in seiner Stimme. Geschrieben hat er den Song nach den Anschlägen von Paris. Ein Hilfeschrei sei das gewesen, "es war einfach unfassbar, traurig und schockierend". Die Hilflosigkeit in jenem Moment habe ihn wahnsinnig gemacht, er habe gedacht, "wenn es einen Gott gibt, kann der doch nicht so eine Nummer zulassen". Passagen daraus hat Adel Tawil dann spontan in einem Internetvideo erstmals veröffentlicht, am Abend des Anschlags von Berlin.

Jan Böhmermann hatte die deutsche Musikindustrie kürzlich kritisiert für ihr angebliches "Heile-Welt-Getue" und die "seelenlose Kommerzkacke". Wer die Geschichten hinter Adel Tawils Songs kennt, der ahnt schon, dass der sich nicht unmittelbar angesprochen fühlt. Vergisst man mal die Texte und ihre Bedeutung, wirkt "So schön anders" harmonisch, die Songs fließen gewissermaßen, und Adel Tawils weiche Stimme lässt sich lange und durchgehend hören. Sie hallt nach, Adel Tawil singt weiter, auch wenn der CD-Player längst ausgeschaltet ist. Viele Songs werden sitzen beim Publikum, wenn Adel Tawil ab Ende Juni auf Tour geht.

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