Donald Trump: "Nicht geeignet, Präsident zu sein" - Ex-Vertrauter sieht Trumps Ende kommen

John Bolton, einst enger Vertrauter im Weißen Haus, rechnet gnadenlos mit seinem ehemaligen Chef ab und attestiert Donald Trump fundamentales Versagen. Der Ex-Sicherheitsberater diagnostiziert eine Trump-Dämmerung.

Erstellt von - Uhr

Droht Donald Trump der Machtverlust? (Foto) Suche
Droht Donald Trump der Machtverlust? Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon
  • Donald Trump kann laut Ex-Vertrautem nicht mehr wirkungsvoll regieren
  • Donald Trump: Iran-Krieg als totales Versagen
  • Donald Trump ist "nicht geeignet, Präsident zu sein"

Donald Trumps ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater John Bolton zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Lage des US-Präsidenten. In einem Gespräch mit "Bild" verwendet Bolton die Formulierung "Trump-Dämmerung" und diagnostiziert einen erheblichen Verlust an politischer Macht.

Weitere Politik-Artikel finden Sie unter diesem Text.

Donald Trump kann laut Ex-Vertrautem nicht mehr wirkungsvoll regieren

Die Probleme häufen sich für den Amtsinhaber sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Bolton, der früher selbst im Weißen Haus tätig war, sieht Trump von multiplen Krisen umgeben. Die Misserfolge würden sich summieren.

Der 77-jährige Außenpolitik-Experte spricht dem Präsidenten die Fähigkeit ab, noch wirkungsvoll zu regieren. Aus Boltons Sicht zeigt sich zunehmend, dass Trump die Kontrolle über zentrale Politikfelder verliert. Die Kombination aus innenpolitischen Schwierigkeiten und außenpolitischen Rückschlägen markiere einen Wendepunkt in Trumps zweiter Amtszeit.

Donald Trump: Iran-Krieg als totales Versagen

Besonders vernichtend fällt Boltons Urteil über Trumps militärisches Vorgehen gegen den Iran aus. Obwohl der frühere Sicherheitsberater selbst seit Jahrzehnten den Sturz des Mullah-Regimes fordert, bezeichnet er die Kriegsführung als Fiasko. Trump habe zu keinem Zeitpunkt ein erkennbares Ziel verfolgt, so Bolton gegenüber "Bild".

  • Der Präsident habe fundamentale Fehler begangen: Weder erklärte er der amerikanischen Bevölkerung seine Kriegsstrategie, noch bezog er das Parlament ein. Verbündete in der Golfregion und Europa blieben unberücksichtigt. Selbst die iranische Opposition sei nicht kontaktiert worden.

Nach drei Monaten Konflikt vermeidet Bolton zwar noch die Bezeichnung "Kriegssumpf", übt aber scharfe Kritik am vereinbarten Waffenstillstand. Dieser ermögliche es den Mullahs, Zeit zu gewinnen. Unverständlich sei zudem, weshalb Trump die strategisch bedeutsame Straße von Hormus nicht militärisch freikämpfe. Das Regime könne diese wichtige Ölroute nach Belieben sperren - eine unhaltbare Situation.

Donald Trump verschleudert Taiwan als Verhandlungsmasse

Auch Trumps Auftreten bei seinem Besuch in China zieht Boltons Zorn auf sich. Der Präsident habe dort die amerikanische Militärunterstützung für Taiwan plötzlich als Handelsgut ins Spiel gebracht. Gegenüber Chinas Staatschef Xi Jinping stellte Trump die Waffenlieferungen an die bedrohte Inselrepublik zur Disposition.

Bolton zeigt sich empört über dieses diplomatische Vorgehen.

  • "Und was hat Trump dafür bekommen? Nichts", zitiert ihn "Bild". Die USA hätten im Gegenzug keinerlei Zugeständnisse von Peking erhalten. Eine strategisch wertvolle Position sei einfach preisgegeben worden.

Der ehemalige Sicherheitsberater wirft Trump fundamentales Unverständnis vor:

  • "Der Präsident versteht die Bedeutung und Tragweite der Dinge nicht, die er bereit ist wegzugeben."

Bolton sieht darin ein Muster von Trumps Deal-orientierter Außenpolitik, die für alle Gegner mittlerweile durchschaubar geworden sei. Der Präsident könne einzelne Puzzleteile nicht zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen.

Donald Trump ist "nicht geeignet, Präsident zu sein"

Aus den sich häufenden Fehlentscheidungen zieht Bolton ein radikales Fazit.

  • "Was die Leute jetzt sehen, ist das, was ich seit einiger Zeit sage: Trump ist nicht geeignet, Präsident zu sein", erklärt er gegenüber "Bild".

Die Deal-fixierte Herangehensweise sei für sämtliche Widersacher inzwischen vorhersehbar geworden. Bolton sieht bereits das Ende von Trumps Amtszeit am Horizont. Der Präsident selbst nehme seinen schwindenden Einfluss wahr.

Trump fühle sich zunehmend eingekreist und zeige Anzeichen von Frustration, so Bolton. Gerade dieser wahrgenommene Kontrollverlust verstärke problematische Charakterzüge. Der Präsident werde dadurch noch "unberechenbarer, erratischer".

  • Ursprünglich habe Trump angenommen, in seiner zweiten Amtsperiode nach eigenem Gutdünken agieren zu können. Diese Erwartung habe sich nicht erfüllt. Stattdessen sähen sich die Menschen nun mit einem Präsidenten konfrontiert, der unter zunehmendem Druck seine Kalkulierbarkeit verliere.

Europa soll Trump einfach aussitzen

Für den europäischen Kontinent hat Bolton eine klare Empfehlung parat: taktisches Abwarten. Die beste Strategie bestehe darin, sich unauffällig zu verhalten und durchzuhalten, erklärt der frühere Sicherheitsberater. "Man sollte ein niedriges Profil bewahren und die Zähne zusammenbeißen", rät er gegenüber "Bild".

Lesen Sie außerdem noch diese Artikel:

/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.