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Olaf Scholz Rede im TV und Live-Stream: Kanzler-Ansprache zum Ukraine-Krieg im Wortlaut: DAS sagt der Kanzler

Kanzler Olaf Scholz wird sich einem Bericht zufolge am Sonntag in einer TV-Ansprache ans deutsche Volk wenden. Dabei wird er über die aktuellen Kriegsgeschehnisse in der Ukraine sprechen. Wie Sie die Rede am 08. Mai live im Fernsehen sehen können, erfahren Sie hier.

Olaf Scholz wendet sich in einer TV-Ansprache ans deutsche Volk. Bild: picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm

Wie die "Bild" aktuell berichtet, plant Olaf Scholz offenbar eine TV-Ansprache. In der für den 8. Mai 2022 geplanten Rede wolle sich der Kanzler direkt ans deutsche Volk wenden, heißt es. Thema soll der Krieg in der Ukraine sein. Dem Bericht nach soll die Rede am Sonntagnachmittag aufgezeichnet und am Abend im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Scholz wendet sich in TV-Ansprache ans deutsche Volk: Rede im Live-Stream bei ZDF und ARD verfolgen

Gezeigt wird die Rede des Bundeskanzlers am Sonntagabend, dem 08. Mai, im ZDF und in der ARD. Laut "Bild"-Informationen wurden die Fernsehsender "sehr kurzfristig" über die geplante TV-Rede informiert. Dem Bericht nach habe sich der Kanzler erst Mitte der Woche dazu entschieden, sich in der aktuellen Kriegslage erneut ans deutsche Volk zu wenden.

Im Ersten soll die Rede um 20.20 Uhr gezeigt werden, wie der Sender auf Twitter mitteilte. Der Nachrichtensender ntv will sie bereits ab 19.00 Uhr zeigen, RTL innerhalb einer verlängerten Ausgabe seiner Nachrichtensendung "RTL Aktuell", die um 18.45 Uhr beginnt. Das ZDF kündigte die Rede in der Programmübersicht auf seiner Webseite für 19.30 Uhr an. Parallel zur TV-Ausstrahlung wird die Rede zudem in den jeweiligen Live-Streams der Sender ausgestrahlt:

Darum hält Olaf Scholz seine Rede ausgerechnet am 08. Mai 2022

Für seine TV-Ansprache hat sich Olaf Scholz ein besonderes Datum ausgesucht. So gilt der 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nazi-Regime durch die Truppen der Alliierten. Vor 77 Jahren unterzeichnete die deutsche Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation. Zudem ist dies der Abend, bevor Wladimir Putin am 09. Mai seine Militärparade durch Moskau ziehen lässt, um dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu gedenken. Experten fürchten eine geschmacklose Propagandashow, die Putin für seinen Krieg gegen die Ukraine nutzen will. 11.000 Soldaten sollen am Montag im Herzen Moskaus aufmarschieren, Panzer übers Kopfsteinpflaster donnern und Raketen vorgezeigt werden.

Olaf Scholz kontert Kritik mit Rede an Nation

Für seine Zurückhaltung im Ukraine-Krieg wurde Bundeskanzler Olaf Scholz zuletzt immer wieder kritisiert. Mit seiner angekündigten Rede an die Nation will er dieser Kritik nun offenbar gegensteuern.

Olaf Scholz TV-Ansprache im News-Ticker: Das hat der Kanzler zu sagen

Bereits vor der TV-Ausstrahlung war der Wortlaut der Scholz-Ansprache veröffentlicht worden. Mit folgenden Worten wendet sich Bundeskanzler Olaf Scholz an die Nation.

"Liebe Mitbürgerinnern und Mitbürger,

heute vor 77 Jahren endete in Europa der Zweite Weltkrieg.

Das Schweigen der Waffen am 8. Mai 1945 glich einer Friedhofsruhe – über den Gräbern von mehr als 60 Millionen Frauen, Männern und Kindern. Millionen von ihnen sind auf den Schlachtfeldern gefallen. Millionen sind in ihren Städten und Dörfern, in Konzentrations- oder Vernichtungslagern ermordet worden. Deutsche haben dieses Menschheitsverbrechen verübt.

Umso schmerzhafter ist es mitzuerleben, wie heute, 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erneut rohe Gewalt das Recht bricht, mitten in Europa. Wie Russlands Armee in der Ukraine Männer, Frauen und Kinder umbringt, Städte in Schutt und Asche legt, ja selbst Flüchtende angreift. Für mich ist dies ein 8. Mai wie kein anderer. Deshalb wende ich mich heute an Sie.

Wir können nicht an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa erinnern, ohne der Tatsache ins Auge zu sehen: Es herrscht wieder Krieg in Europa. Russland hat diesen Krieg entfesselt.

Einst kämpften Russen und Ukrainer gemeinsam unter größten Opfern, um Deutschlands mörderischen Nationalsozialismus niederzuringen. Deutschland hat sich damals schuldig gemacht, an beiden Nationen, der russischen wie der ukrainischen. Mit beiden streben wir seit Jahrzehnten nach Aussöhnung. Nun jedoch will Russlands Präsident Putin die Ukraine unterwerfen, ihre Kultur und ihre Identität vernichten.

Präsident Putin setzt seinen barbarischen Angriffskrieg sogar mit dem Kampf gegen den Nationalsozialismus gleich. Das ist geschichtsverfälschend und infam. Dies klar auszusprechen, ist unsere Pflicht. Doch damit ist es nicht getan. Es war der militärische Sieg der Alliierten, der der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland ein Ende setzte. Wir Deutsche sind dafür bis heute dankbar! Daher konnte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1985 vom 8. Mai als 'Tag der Befreiung' sprechen.

Aus der katastrophalen Geschichte unseres Landes zwischen 1933 und 1945 haben wir eine zentrale Lehre gezogen. Sie lautet: 'Nie wieder!' Nie wieder Krieg. Nie wieder Völkermord. Nie wieder Gewaltherrschaft. Und doch ist es wieder passiert – Krieg in Europa. Darauf hat der ukrainische Präsident Selenskyj heute hingewiesen. In der gegenwärtigen Lage kann dies nur bedeuten: Wir verteidigen Recht und Freiheit – an der Seite der Angegriffenen. Wir unterstützen die Ukraine im Kampf gegen den Aggressor.

Das nicht zu tun, hieße zu kapitulieren vor blanker Gewalt – und den Aggressor zu bestärken. Wir helfen, damit die Gewalt ein Ende finden kann. Daher haben wir in den vergangenen Tagen und Wochen weitreichende und schwierige Entscheidungen getroffen – zügig und entschlossen, durchdacht und abgewogen.

Wir haben nie dagewesene Sanktionen gegen die russische Wirtschaft und die russische Führung verhängt, um Putin von seinem Kriegskurs abzubringen. Mit offenen Armen haben wir hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen. Hunderttausende, die vor der Gewalt in ihrer Heimat bei uns Zuflucht finden. Hilfsorganisationen leisten erste Unterstützung, Schulen und Kitas richten Willkommensklassen ein, Bürgerinnen und Bürger nehmen Geflüchtete bei sich zuhause auf.

Für diese enorme Hilfsbereitschaft überall in unserem Land danke ich Ihnen von Herzen! Und – wir haben erstmals überhaupt in der Geschichte der Bundesrepublik Waffen in ein solches Kriegsgebiet geschickt, in großem Umfang – und immer sorgfältig abwägend auch schweres Gerät. Das setzen wir fort.

Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr diese Entscheidungen viele von Ihnen bewegen. Schließlich geht es buchstäblich um Krieg und Frieden. Um unsere historische Verantwortung. Um maximale Solidarität mit der angegriffenen Ukraine. Um die Sicherheit unseres Landes und unseres Bündnisses. Diese Ziele miteinander in Einklang zu bringen – dieser Aufgabe stellen wir uns Tag für Tag. Dass wir als Land über Fragen solcher Tragweite intensiv miteinander diskutieren, ist gut und legitim. Zur Demokratie gehört auch, solche Kontroversen in "Respekt und gegenseitiger Achtung" zu führen. Darauf hat der Bundespräsident in seiner Rede heute Morgen zu Recht hingewiesen.

Aus vielen Äußerungen, die ich dieser Tage höre, spricht ernste Sorge. Sorge auch davor, dass sich der Krieg ausweitet, dass der Frieden auch bei uns in Gefahr geraten könnte. Es wäre falsch, das einfach abzutun. Solche Sorgen müssen ausgesprochen werden können. Gleichzeitig gilt: Angst darf uns nicht lähmen.

Ich habe Ihnen geschildert, was wir tun, um Recht und Freiheit zu verteidigen in der Ukraine und in ganz Europa. Das ist sehr viel. Und zugleich tun wir nicht einfach alles, was der eine oder die andere gerade fordert. Denn: Ich habe in meinem Amtseid geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Dazu zählt, unser Land und unsere Verbündeten vor Gefahren zu schützen. Vier klare Grundsätze folgen daraus für die Politik:

Erstens: Keine deutschen Alleingänge! Was immer wir tun, stimmen wir auf das Engste mit unseren Bündnispartnern ab – in Europa und jenseits des Atlantiks. Zweitens: Bei allem, was wir tun, achten wir darauf, unsere eigene Verteidigungsfähigkeit zu erhalten! Und: Wir haben entschieden, die Bundeswehr deutlich besser auszustatten, damit sie uns auch in Zukunft verteidigen kann. Drittens: Wir unternehmen nichts, was uns und unseren Partnern mehr schadet als Russland. Und viertens: Wir werden keine Entscheidung treffen, die die Nato Kriegspartei werden lässt. Dabei bleibt es!

Dass es keinen Weltkrieg mehr geben soll – erst recht keinen zwischen Nuklearmächten – auch das ist eine Lehre des 8. Mai.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich kann Ihnen heute noch nicht sagen, wann und auf welche Weise Russlands grausamer Krieg gegen die Ukraine enden wird. Klar ist aber: Einen russischen Diktatfrieden soll es nicht geben. Den werden die Ukrainerinnen und Ukrainer nicht akzeptieren – und wir auch nicht. Selten standen wir mit unseren Freunden und Partnern so geschlossen und geeint da wie heute. Ich bin zutiefst überzeugt: Putin wird den Krieg nicht gewinnen. Die Ukraine wird bestehen. Freiheit und Sicherheit werden siegen – so wie Freiheit und Sicherheit vor 77 Jahren über Unfreiheit, Gewalt und Diktatur triumphiert haben. Dazu nach Kräften beizutragen, das bedeutet heute „Nie wieder"! Darin liegt das Vermächtnis des 8. Mai."

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/loc/news.de/dpa