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Günther Jauch zum TV-Triell: Vernichtende Bilanz! "Richtig gut gefallen hat mir niemand"

Nach dem Triell ist vor der Analyse: Moderatorin Frauke Ludowig holte im Anschluss an die direkte Auseinandersetzung von Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet prominente Stimmen ein. Insbesondere TV-Moderator Günther Jauch nahm kein Blatt vor den Mund.

Günther Jauch (rechts) diskutierte in der von Frauke Ludowig moderierten Runde über die Auftritte der Kanzlerkandidatin sowie der Kanzlerkandidaten im Anschluss des Triells. Bild: TVNOW / Jörg Carstensen

Der ganz große Aufreger blieb beim politischen Gipfeltreffen am Sonntag aus, zu analysieren gab es dennoch genug. Im Anschluss an das Triell zur Bundestagswahl empfing Frauke Ludowig in "Das Triell: Die Analyse" prominente Gäste, um die Auftritte der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) sowie der Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (Union) zu bewerten.

"Das Triell: Die Analyse" mit Frauke Ludowig und Günther Jauch

In der Runde saß neben Autorin und Podcasterin Louisa Dellert, Kolumnist Micky Beisenherz, "Let's Dance"-Star Motsi Mabuse und Politik-Ressortleiter Nikolaus Blome von RTL auch TV-Urgestein Günther Jauch, der ein ernüchtertes Gesamt-Urteil fällte: "So richtig gut gefallen hat mir eigentlich niemand von den Dreien."

Jauch zu Baerbock, Scholz und Laschet: "Keiner ist bereit, bittere Wahrheiten zu sagen"

Von den Anwärtern und der Anwärterin aufs Kanzleramt sei viel Erwartbares gekommen, so Jauch. Es sei viel taktiert worden, klare Positionen seien größtenteils vermieden worden. "Bei allen drei Kandidatinnen und Kandidaten merkte man: Sie wollten dem Bürger nichts zumuten", urteilte der "Wer wird Millionär?"-Moderator und frühere ARD-Polittalker.

Zwar wollten sowohl Union und SPD als auch die Grünen Volkspartei sein, aber "keiner ist mehr bereit, im Grunde mal bittere Wahrheiten zu sagen". Die Runde war sich jedoch einig, dass auch keine gravierenden Fehler gemacht wurden.

Louisa Dellert ergänzte, beim Thema Klimawandel sei kein Konsens gefunden worden - ihrer Meinung nach kein gutes Zeichen für mögliche Koalitionen. Tänzerin Motsi Mabuse erklärte Themen-übergreifend zum gesamten Abend: "Das kam mir vor, als wenn die ein bisschen voneinander Bestätigung wollen."

Beisenherz: "Laschet hat sich mit dem Schlusswort komplett entzaubert"

Zumindest Oberwasser hatte nach Ansicht von Micky Beisenherz teilweise Annalena Baerbock. Die Spitzenkandidatin der Grünen konnte für den Kolumnisten und Podcaster etwas an Profil gewinnen, habe jedoch auch die bequeme Situation gehabt, auf Fehler der großen Koalition hinweisen zu können. "Das war sicherlich ein Vorteil für sie."

Außerdem wurde Annalena Baerbock eine Attacke auf Armin Laschet positiv ausgelegt, in der sie bemängelte, einige sozial benachteiligte Kinder müssten bei seiner angedachten Politik ohne Schulranzen zum Unterricht gehen. Motsi Mabuse attestierte Baerbock einen "starken Auftritt", wenngleich sie für die Entertainerin etwas nervös wirkte. Faktensicher sei sie zudem gewesen, befand die Runde.

Bei Armin Laschet fiel der Runde seine Aggressivität auf, deren Grund seinen zuletzt stetig fallenden Umfragewerten zugeschrieben wurde. "Der war ja kurz davor, jemandem das Ohr abzubeißen", scherzte Micky Beisenherz. Nikolaus Blome fand gut, dass Laschet klar auf Verfehlungen der Bundesregierung im Afghanistan-Desaster hinwies, zudem wurde ihm von der Runde eine gewisse Leidenschaft bescheinigt. Auch, dass Laschet die offene Flanke Rot-Rot-Grün - Olaf Scholz schloss eine Koalition mit der Linkspartei nicht aus - offensiv anging, wurde als clever betrachtet.

Aber: "Für mich hat er sich erst mit dem Schlusswort komplett entzaubert", befand Micky Beisenherz. So habe der Kanzlerkandidat der Union vom "Wind Of Change" gesprochen, der ihm ins Gesicht blase. Beständigkeit selbst sei alleine jedoch kein Wert mehr. "Anstatt dass er sagt: Ich nehme den Wind, setze da Segel und gebe Vollgas." Stattdessen kam es Beisenherz in dieser Metapher so vor, als würde die Zukunft an Laschet vorbeiziehen. "Ich habe immer das Gefühl, er belehrt mich", merkte zudem Motsi Mabuse an.

"Ich hatte den Eindruck, dass er wie ein Buddha nur dasitzen wollte"

Zum Auftritt von Olaf Scholz merkte Nikolaus Blome sarkastisch an: "Dabei war er. Den ganzen Abend war Olaf Scholz dabei." Teile der Runde hätten sich mehr Einsatz vom SPD-Spitzenkandidaten gewünscht. "Ich hatte eine Zeit lang den Eindruck, dass er wie ein Buddha nur noch dasitzen wollte. Nach dem Motto: Die anderen werden die Fehler machen", befand Günther Jauch.

Dann habe Scholz allerdings eingesehen, dass dies an diesem Abend nicht passieren würde und habe vermehrt eingegriffen. "Olaf Scholz war Olaf Scholz", kommentierte der TV-Moderator lapidar. Nikolaus Blome formulierte es deutlich schärfer: "Er hat sich 109 Minuten durchgedieselt." Motsi Mabuse merkte an, auf sie wirke der in den Umfragen am besten dastehende Kanzlerkandidat sehr gestresst und unter Druck.

Wer konnte das Triell denn nun für sich entscheiden? "Einen klaren Sieger oder eine klare Siegerin sehe ich hier nicht", erklärte Günther Jauch. Nikolaus Blome sagte, Annalena Baerbock - aktuell liegen die Grünen etwas hinter SPD und Union zurück - hätte es zumindest geschafft, das Rennen weiterhin offenzuhalten. "Es ist immer noch ein Dreikampf", resmümerte der RTL-Politik-Experte.

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Dieser Inhalt wurde news.de von swyrl.tv zur Verfügung gestellt.

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